Crushead - Space Between

Crushead - Space Between (2006)

»…denn wir brauchen mehr als nur Worte.
Wir brauchen Energie und Taten.
Es kann nicht angehen, nur zu reden
und den anderen niederzumachen.«

~Refrain von “embrace opportunity” (# 10)

“Space between” ist der langerwartete Nachfolger ihres ersten Label-Werkes “can you handle this?”, welches vor zwei Jahren eine neue Ära für die Band einläutete. Gleich vom ersten Ton an wird ordentlich gerockt (also nichts mit Schlafliedchen…) und damit die grobe Richtung für die zwölf Stücke vorgegeben. In leichten Variationen wiederholt sich dann auch ein recht erfolgreiches Rezept: niveauvoll produzierter Crossover-Rock mit einem Fokus auf Mitgröl-Refrains und eingängigen Melodien/ Hooklines. Dazu kommt die starke Stimme von Frontmann Patrick Reusch. Gewürzt wird der musikalische Fluß durch Sratching-Beigaben, Rap-Einlagen und feinem Hintergrund-Gesang. Damit neigt sich das Werk teilweise beachtlich in die Pop-Rock-Ecke, wird aber auf jeden Fall um einiges massentauglicher. Dafür können Band und Fans den Credit an Plattenleger Peter Pan (W4C), Clever-Rapper Simon Schlittenhart und Goldkehlchen Steffi Neumann (trinity) geben. Darüber hinaus waren auch Markus Kern (Schlagzeug; von Capewalk), Hans-Joachim Eisler (Key, String-Arrangements; von Ararat) und Tobias Kurrle (Programming; auch Ararat) an Instrumenten tätig.

“The one” (# 2), “something glorious” (# 3) und besonders das Cover des Klassikers “God gave rock’n'roll to you” (# 4; u.a. mal von Petra und Bride gebracht… - leider fehlt der Liedtext im Beiheft!) wissen munter zu überzeugen. Für die Fans gibt es dann - die verrockte - Albumversion des letztjährigen Mottoliedes “yes” (# 11), damals für die Stuttgarter Jugendtage, extra mit Download-Projekt-Site. Jedoch befindet sich das wohl stärkste Stück am Schluß der Platte, das balladige “come to rest” (# 12). Der Rest ist jetzt nicht unbedingt so auffällig, daß man die Tracks leicht erinnern könnte. Es fließt laut und schnell, ist aber auch schnell wieder weg… Möglicherweise liegt es an der über weite Strecken zwar blitzsauberen aber letztlich doch zu glatten Produktion. Vielleicht hätte der bewährte Produzent Tobias Kurrle noch einige Kanten lassen sollen, denn das Endergebnis verwaltet nur das Altbekannte in Sachen Crossover-Rock. Neues ist da nicht auszumachen!

Vom Songwriting und den Texten her ist das Niveau eigentlich wie seit den “explicit content”-Zeiten: man steigert sich langsam. Die Lieder sind inhaltlich solide geerdet, versuchen den Spaß an der Musik (”keep movin’”, # 1), aber auch Alltagsschwierigkeiten als Christ (”be”, # 6 / “no”, # 7) zu verarbeiten. Man muß sich auf sie einlassen, sie durchdenken, dann kann man auch was damit anfangen. Gut bei Crushead gefällt mir, daß sie immer eine Ansprache an den Hörer mit haben, zum Beispiel in “scream 2″ (# 9) oder persönliche Erfahrungen und Wünsche mit Einfließen lassen, etwa in “embrace opportunity” (# 10) und “come to rest” (# 12). Ein Wir-Gefühl und der Aufruf, aktiv zu werden kommt nicht nur im “Yes-Song” (# 11) rüber, sondern ist Teil des Band-Geistes. Auf den ersten Blick ist nicht immer klar, um was es konkret geht in den Texten. Vielleicht wäre hier im Gegensatz zu den Musik-Arrangements etwas mehr Klarheit ein Gewinn. Wie auch immer, für eine deutsche christliche Rockband ist das ohne Frage gutes Handwerk!

Fazit: Eine gut gemachte Rock-Platte, nicht mehr und nicht weniger. Abgeh-Sound und einige Schmankerl sind vorhanden, aber mancher Konzertbesucher wird vielleicht etwas die Rauhheit und Härte vermissen. Ich erlaube es mir hiermit, mir von der Band mal ein live-Album zu wünschen bzw. mal ein paar “Experimente”, um dem deutschen Crossover-Rock die eine oder andere neue Dimension zu verleihen. Bis dahin ist “space between” jedoch erst einmal geeignete Unterhaltung, wenn es rocken und grooven soll…

P.S. Auf Datenspur bietet das Scheibchen übrigens noch einen netten Videoclip des Rockers “the one” an. An die zahlreichen Fans der Band wurde also gedacht ;-)

—David Decker für CCM-Rezis, November & Dezember 2006

Daten: 12 Titel / 49 Min.
Musikstil: Modern-Rock, Crossover
Label(s): 2006 Gerth Medien, Asslar
Im Web: offizielle Site

Über den Autor

David Decker

Ein Erzgebirger, Jahrgang 1977. Musikliebhaber, Radfahrer, Webseiten- und Bücherleser, Kommunalpolitiker, Gemeindemitarbeiter, Gotteskind, Blogger, WordPress-Anwender... Und: Herausgeber von ekkaleo.de [weitere Infos hier...]

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