Rebecca St. James - Worship God

Rebecca St. James - Worship God (2002)

Rebecca St. James - Worship God (2002)

Michael W. Smith hat es jüngst getan. Delirious? haben es lange zuvor getan. Philips, Craig & Dean kürzlich ebenso, und Caedmon’s Call auch. Nämlich als Pop-Künstler ein Worship-Album herauszubringen. Rebecca St. James folgt nun dieser Bewegung. Viele werfen ihr schon im Vorfeld der Albumveröffentlichung Trittbrettfahrerei vor. Ich hätte es jetzt fast getan.

Allerdings ist die Sache am Ende doch etwas komplizierter als es zunächst erscheint: Rebecca hat schon immer Anbetungsmusik in ihrem Repertoire gehabt, schon vor Jahren als es noch kein Trend war. Sie meint es ernst mit der Anbetung und die Liedinhalte kommen von Herzen. Allerdings sind fünf neue Lieder von zwölf Stücken insgesamt arg wenig bei solch einer Künstlerin! Wohlgemerkt, es ist kein live-Album, sondern eine Studioprodukion. Eben, da erwartet man mehr. Der Vorgänger “transform” liegt nun auch schon knapp zwei Jahre zurück …

Meiner Meinung nach ist dieses Album eher enttäuschend für viele Fans der Sängerin, aber ebenso ein Armutszeugnis für ihr Plattenlabel Forefront! Fünf neue Lieder rechtfertigen nicht dieses Pop-Recycling, welches hier serviert, besser zugemutet wird. Läßt man dies alles beiseite und konzentriert sich auf die Musik, läßt sich einiges sagen. An und für sich ist die diese eigentlich gut. Ich hatte wohl Recht, “Breathe” wird ein neuer Praise-Superhit im Sinne von “Shout To The Lord” & Co. Die Forcierung von Smitty hat entschieden dazu beitragen, dasselbe von Rebecca jetzt (”Breathe” als erste Radioauskopplung) macht es unumkehrbar.

Dominierte auf dem 2000er “Transform” der Beat-Stil sehr offensiv, so ist er hier fast gar nicht zu hören. Es wird auf bewährte Pop- und Rockklänge zurückgegriffen. ‘Modern-Akustik-Rock’ wäre vielleicht eine Beschreibung dessen. Allerdings weisen die vielen Streicherarrangements und die Klassikeinflüsse (!) bei “You” (# 11) doch sehr stark in Richtung der allgemeinen Worship-Mode. “Lamb Of God” (# 5) gibt’s mit elektronischen Gimmicks, es lebt vom Refrain und Wiederholungen. Wobei der Text vielleicht besser ein anderes Arrangement verdient hätte, um die Textaussage besser zu unterstreichen, oder? Bei weitem nicht an das Original anknüpfen kann das hier etwas seelenlose “God Of Wonders” (# 4); nur die Backgroundsänger finde ich hier cool. Ein Hit dürfte die Popversion der alten Kirchenhymne “It Is Well With My Soul” von Horatio G. Spafford werden: nett gemacht und fetzig, statt Ballade.

Produzent Matt Bronleewe hat versucht, die Stücke auf Hit zu trimmen, was aber nicht immer gelingt. Positiv stechen wie gesagt die Streicher-Passagen hervor. Warum als Bonustrack ausgerechnet der bereits 1999 auf dem “listen|louder”-Projekt (Sparrow Records) veröffentlichte Remix von “Omega” genommen wurde, bleibt mehr als fraglich. Nicht einmal die Mühe eines neuen Mixes machte man sich. Und dabei ist der Titel meiner Ansicht nach der beste des Albums mit seinem gelungenen Text und einem Sound, den man Elektronik-Rock nennen könnte (mit Breakbeat- und Drum’n'Bass-Elementen). Überhaupt vermisse ich etwas die Eigenständigkeit der früheren Alben. Auf “Worship God” klingt vieles zu allerweltsmäßig. Ich bleibe bei meiner Meinung: Matt Bronleewe ist ein Meister an den Reglern, aber zu Rebecca St. James paßt sein Stil nicht.

Textlich finden wir eine altbekannte Rebecca vor, zumindest bei ihren neuen, eigenen Stücken. Viel persönlicher Hintergrund steckt drin und das Anliegen, alle Ehre Gott zu geben. “Song Of love” (# 2) handelt von der Liebe Gottes und ist von Psalm 89 inspiriert. Um das Lamm Gottes geht es in “Lamb Of God” (# 5), frei nach Offenbarung Kapitel fünf. Angst und Furcht in ihrer Kindheit dienen als Bild für den Song “Quiet You With My Love” (# 8), wo es um den Beistand Gottes geht.

Die neuen Songs gehen hauptsächlich auf das Konto von Rebecca und ihrem Produzenten Matt Bronleewe. Bei den restlichen sind die Urheber zum Beispiel Matt Redman (”Let My Words Be Few”, “Better Is One Day”), Lenny LeBlanc/ Paul Baloche (”Above All”) und das Duo Marc Byrd/ Steve Hindalong (”God Of Wonders”).

Fazit: Nicht gerade der Reißer, aber auch nicht schlecht. Ich stelle mir eben vor, wie es gewesen wäre, ein echtes Worship-Album von Rebecca mit zehn oder zwölf ganz neuen Hymnen. Das Zeug dazu hätte sie zweifelsohne, wie “God”, “Pray” und “Transform” bereits zeigten. Vielleicht beim nächsten Mal …

—David Decker für CCM-Rezis, Januar & Februar 2002

Daten: 12 Titel / 49 Min.
Musikstil: Modern-Rock, Pop, Praise & Worship
Label(s): 2002 Forefront Records, USA / Gerth Medien, Asslar
Im Web: offizielle Site / bei MySpace / bei facebook / bei Wikipedia (dt.)

Über den Autor

David Decker

Ein Erzgebirger, Jahrgang 1977. Musikliebhaber, Radfahrer, Webseiten- und Bücherleser, Kommunalpolitiker, Gemeindemitarbeiter, Gotteskind, Blogger, WordPress-Anwender... Und: Herausgeber von ekkaleo.de [weitere Infos hier...]

Eine Reaktion zu “ Rebecca St. James - Worship God ”

  1. [...] Name (2004)Erst nach mehrmaligem Anhören bleibt Rebecca St. James’ 2002er Anbetungs-CD “Worship God” so richtig im Ohr hängen. Beziehungsweise, man merkt, daß sie doch besser ist als manche [...]

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