Katie Melua zurück in Sachsen
Sa., 21. Juli 2007 – Katie Melua, Duncan Townsend
Katie Melua zurück in Sachsen – Ein traumhafter Sommerabend am Dresdner Elbufer
(Dresden, Königsufer.) Zwischen Songwriting und Produktion für das dritte Album (”Pictures”, 1. Oktober 2007) sowie sicherlich etwas Erholung nach dem ereignisreichen Jahr 2006, fand Katie Melua noch Zeit für eine Sommer-Tour. Diese führte sie – neben Abstechern u.a. nach Holland und Frankreich – hauptsächlich nach Deutschland, ihrem derzeit größten Markt, was die Plattenverkäufe angeht. Für den Südosten der Republik wurde mit dem Königsufer in Dresden ein perfekter Veranstaltungsort vor der barocken Altstadtkulisse von Elbflorenz gewonnen. Nach ihrem Auftritt in Leipzig ein Jahr zuvor, kehrte das britische Stimmwunder mit georgischen Wurzeln nach Sachsen zurück – nun open air.
Bereits am späten Nachmittag pilgerten bei bestem hochsommerlichen Wetter alte und neue (mich eingeschlossen) Fans in Richtung Elbufer an der Carolabrücke. Das gesamte Veranstaltungsareal war generalstabsmäßig abgeriegelt worden – inklusive dem direkt dahinter liegenden sächsischen Finanzministerium – ein Durchkommen war zwecklos. So gab ich es frühzeitig auf, Katie Melua beim Soundcheck zuzuschauen. Nur Zuhören ging natürlich auch – ironischerweise legte sich gerade ihr neuester Hit “What I Miss About You” über die Elbwiesen… Während des Soundchecks von Supportact Duncan Townsend (Hamburg; stammt aus GB) reihten sich die Fan-Massen soweit das Auge reichte – bis zur gegenüberliegenden Augustusbrücke. Der Einlaß verzögerte sich eine halbe Stunde, doch das Publikum wurde bereits von großen Heißluftballongs “unterhalten”, die an der Elbe zu Rundflügen starteten. Was man schon feststellen konnte: Katie Melua hat Fans in allen Generationen, zwischen 7 und 70 war wohl so gut wie alles vertreten, auch viele verschiedene Nationalitäten. (Und nein, männliche und weibliche Fans waren gut gemischt, also kein Männerüberschuß, hehe ;-)
Das Areal füllte sich hernach rasend schnell, die Sitzplätze auf den Terassen waren umgehend alle besetzt. Vor der Bühne bildete sich weniger flink ein Kern der treuen Anhänger, bzw. der “ganz Neugierigen” – irgendwo in diesem Pulk reihte auch ich mich ein, denn ich war nun wirklich neugierig auf mein erstes Katie-Melua-Konzert! Zu meiner Überraschung begann die Show pünktlich um 20.00 Uhr. Duncan Townsend kam mit seinen beiden Bandkollegen heraus und nachdem er die Gitarre dann doch noch eingestöpselt bekam, konnte man endlich seinem sympatischen Akustik-Sound lauschen. Das kleine Bühnenarrangement für die “Vorband” wirkte im ersten Moment schon etwas belustigend. Mr. Townsend war auch nicht gerade zu beneiden, bei strahlend blauem Himmel beginnen zu müssen, noch dazu, wenn er völlig unbekannt ist. Dennoch nahm das Publikum seine Songs sehr wohlwollend auf – der Applaus und das Mitwippen wurde immer stärker. Dem Trio auf der Bühne machte es sichtlich Spaß ihre schnörkellosen Lieder zu präsentieren. Zusammen mit etwas britischem Humor hatte der “English Gent” die Herzen spätestens vor dem letzten Song auf seiner Seite. Zum Abschied tauschte er die Gitarre mit dem Wurlitzer ein und ließ Florian, seinen Pianist, die Leadvocals singen sowie die Klampfe zupfen. Die beiden legten ein starkes Duett hin und irgendwie kann man ahnen, daß sich da wohl noch einiges ankündigt für die Musikszene in Zukunft.
Die Ungeduld der Fans wurde noch durch zwanzig Minuten Umbaupause gesteigert, aber dann ging es endlich “richtig” los: Katie Melua und ihre Band marschierten auf die Bühne und schon mit den ersten Takten von “Thankyou, Stars” hatten sich Band und Publikum gefunden. In den nun folgenden 95 (!) Minuten erklang ein imposantes Programm aus 21 Liedern, inklusive zweier obligatorischer Zugaben sowie zwei brandneuen Stücken. Im Laufe des Konzertes erfuhr man von Mrs. Melua, daß sie leicht erkältet sei. Daß sie und ihre Band etwas geschafft waren von der bisherigen Tour, konnte man ein bißchen spüren… Umso beachtenswerter ist die musikalische Qualität, die sie auf die Bühne und an die Ohren der schätzungsweise 15.000 Zuhörer brachten. Mit einer hohen Musikalität und Professionalität wurden nicht nur die zahlenden Fans belohnt, sondern gleichfalls zahlreiche Zaungäste, so eine ganze “Menschenmauer” auf der Carolabrücke. Bei jedem Lied hatten die Bühnenassistenten der Sängerin und ihrem Gitarristen Justin Sandercoe eine andere Gitarre zu bringen. Das paßte alles auf den Punkt, wie sowieso die ganze übrige Organisation. Dem Quintett von der Insel war wohl kein Aufwand zu hoch, dasselbe Niveau zu bringen, wie man es von den Studioaufnahmen gewohnt ist. Besonders Pianist Jim Watson begeisterte mit einer enormen Spielfreude und Dynamik, die sich in die Songs legte und auf die Audienz übertrug. Von Bassistin Lucy Shaw sah man nur recht wenig, weil sie selten gut im Licht stand, dennoch gab auch sie alles. Schlagzeuger Henry Spinetti gab sich den ganzen Abend gewohnt cool und ließ die Sonnenbrille auf. Leider sah man von ihm am wenigsten, auch wenn gerade er mit seiner großen Erfahrung an Drums & Percussion die Basis für die rockigen Momente legte. Dem begnadeten Gitarristen schien es jedoch offensichtlich am meisten Spaß zu machen: er schäkerte oft mit Katie und legte sich gut ins Zeug, auch bei den nicht wenigen Solos sowie an der Bluesharp.
Katie Melua selbst blieb es aber vorbehalten, ihr Publikum wirklich zu verblüffen: Auch und gerade live ist ihre Stimme absolut klar und stark. Das beeindruckte mich am meisten, weil ich mir das vorher live nicht so richtig vorstellen konnte. Trotz, daß sie offenbar leicht angeschlagen war, saß jeder Ton, absolvierte sie atemberaubende Melodiebögen mit einer Leichtigkeit, die einfach der absolute Hammer ist. Fast ebenso erstaunlich war für mich ihre Bühnenpräsenz: sie zog kein “Balladenprogramm” ab, sondern hatte eine absolut stimmige Setlist mit herrlicher Abwechslung und vielen wirklich fetzigen Blues-Rock-Titeln. Ob nun gerade mit Akustik- oder E-Gitarre, Katie hatte die Bühne, ihre Band und das gesamte Areal stets im Griff. Ebenso, wenn sie sich auf ihren Barhocker zurückzog, um mit ihren Songstories zu verzücken, erfüllte die Stimme und ihre Sanftheit den ganzen verfügbaren Raum. Das Publikum war hin und weg; besonders bei “I Cried For You” und der letzten Zugabe “Faraway Voice” gab es große Begeisterungsstürme. Überhaupt gingen junge und alte Fans gut mit, es war eine ausgezeichnete Atmosphäre und Stimmung. Die meisten ließen sich zum Mitmachen anstecken und die Applaus-Welle bei “On The Road Again” hat einfach nur riesen Laune gemacht.
Eine große Freude war es ferner, Katies beiden neuen Stücken zu lauschen: “What I Miss About You” hat keinen klassischen Refrain, dafür aber eine wunderschöne Hookline. Arrangement und Gesang steigern sich leicht dramatisch und liefern damit sicher das Rüstzeug für eine kommende Singleauskopplung. Eine kleine Überraschung bei der Performance gelang mit dem Tausch von Piano und Gitarre durch Katie und Jim. Leider blieb es das einzige Mal in der Show. Nicht ganz so eingängig war dagegen “Perfect Circle”, ein eher rockiger Song, der vermutlich sein Potential erst auf der CD-Produktion entfaltet und dann auch live besser “zündet”. Die restliche Songauswahl ließ selbst für treue Fans kaum Wünsche offen und enthielt alle letzten Singles. Klugerweise wurde ihr Folkpop-Smash “Nine Million Bicycles” bis zum Ende aufgespart und “funktionierte” somit weitaus besser als wenn er an erster oder zweiter Stelle kommt (wie meistens in 2006).
Schneller als vielen lieb war, neigte sich ein Konzerthighlight seinem Ende zu: Die “Melua-Formation” ließ sich nicht lange bitten, drehte mit “The Mockingbird Song” noch einmal richtig auf und bezog sogar die Anwesenden mit ein, dennoch war drei Minuten später unweigerlich der Schlußpunkt gekommen. Katie Melua sang ihr herzzerreißendes Tribute an ihr Vorbild Eva Cassidy, was den Abend noch einmal auf den Punkt brachte. – Leider wurde auch Katie zu einer Art “faraway voice”, denn viele Fans warteten vergeblich auf Autogramme und Bilder nach der Show. Während ihr Technikteam aus der Heimat den langen Truck mit all dem netten Equipment bestückte, hatte die Frau des Abends noch Verpflichtungen bei einem der mitveranstaltenden Radiosender… Wie auch immer: Es war am Ende genau der laue und wunderschöne Sommerabend, wie er angekündigt wurde. Katie trällerte kühn ihr Lied “I Think It’s Going To Rain Today”, doch Gott sei Dank prasselte der seit Tagen für Samstag angekündigte Regen erst einige Stunden später über Dresden herein. Um so besser für einen traumhaften Abend am Elbufer!
—David Decker für lastfm.de & faraway-voices.de, 24. Juli 2007
Bilder vom Konzert:
Katie Melua
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6 Videoclips, u.a. mit “What I Miss About You” …






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