Projekt - Zweifeln. Staunen. Die ProChrist-CD
Während die ProChrist-Ereignisse im Jahr 2006 bereits in die sechste Runde gehen - dieses Mal live aus München - geht das entsprechende ProChrist-Musikprojekt in seine dritte Runde. Das Konzept der “Unglaublich.”-CD von 2003 wurde im Prinzip beibehalten, mit deutschsprachigen Glaubensliedern bzw. Pop-Titeln sowie englischsprachigen Gospel-Stücken.
Für sich genommen, halte ich diese Liedermacher- bzw. Poptitel recht gelungen, ebenso die Gospels. Was überhaupt nicht gelungen ist: eben jenes konzeptlose Zusammenwürfeln beider “Richtungen” auf dieser Platte. Gerade, weil den englischen Liedern der Sinn für das “Zweifeln und Staunen” - dem neuen ProChrist-Motto - abgeht. Hinzu kommt das Sich-selbst-kopieren-bis-es-wehtut von Egil Fossums Chorlight. Es ist musikalisch immer wieder derselbe Aufguß, wie ihn seit Jahren die GoGospel-Festival-live-CDs bieten. Langweiligkeit auf hohem Niveau. Zwar wurden einige Lieder davon neu als Studioversion eingespielt und als Songmaterial verließ man sich auf Bewährtes von den ‘Kurt Carr Singers’, ‘Reed’s Temple Choir’ (beide USA) sowie vier Gospel-Traditionals und eine alte Kirchen-Hymne (”How Great Thou Art”), doch summa summarum sind die Ergebnisse nicht befriedigend. Vielleicht dachte man sich: für’s Massenpublikum wird es reichen, es ist als Gospel identifizierbar; jedoch richtig feurigen Gospel, da gibt es inzwischen auch im deutschsprachigen Raum bessere Chöre. Auf dem Minuskonto kommen fehlende deutsche Übersetzungen der mitunter nicht sehr deutlichen Lyriks hinzu. - Wie soll da mitten in Deutschland das biblische Evangelium durch diese Musik kommuniziert werden?
Einen weitaus besseren Eindruck hinterlassen die neun deutschen Lieder: Als Einsteiger erklingt der Titelsong, das ProChrist-Mottolied für 2006. “Zweifeln und Staunen” wurde vom ERF’ler und langjährigem ProChrist-Moderator Jürgen Werth getextet, von Hans Werner Scharnowski komponiert sowie von Jürgen Werth, Beate Ling, Klaus-André Eickhoff und Claus-Peter Eberwein (von Hopf) eingesungen. Es wird bei den Übertragungen jeden Abend vom ProChrist-Chor erklingen. Beim Liedtext geht es um das Staunen über den allmächtigen, liebenden Gott, der auch Zweifeler nicht abstößt; alles mündet in dem einen Satz: »Gott ist nah auf allen Wegen und der Himmel kommt zur Erde«. Musikalisch kommt das Stück behutsam im radiogenen, dennoch gemeindegeeigneten Gewand daher. Von Lothar Kosse erklingt sein 2001er Beitrag “Es scheint ein helles Licht”, von Albert Frey & Andrea Adams-Frey der Beitrag “Die Heilige Schrift”. Letzteres ist eine neu produzierte Studioversion, unter anderem mit dem Celtic-Instrumentalisten Troy Donockley aus Großbritannien. “Das sollen alle wissen” ist ein evangelistischer Beitrag von Manfred Siebald, ursprünglich auf den “Jahresliedern” (2004, kawohl Music) erschienen, hier neu eingespielt und eingesungen. Ein deutschsprachiger Gospel vom 2004er GoGospel-Festival ist “Die Erkenntnis”; geschrieben von Hanne Fossum und wieder gesungen von Bastian Matutis, allerdings auch hier eine neue Studioversion. Es geht um die Erkenntnis menschlicher Sündhaftigkeit und gleichzeitig des gnädigen Gottes.
Der Lobpreiser vor dem Herrn, Arne Kopfermann hat ein neues “Kreuzlied” geschrieben: “An einem Kreuz (Kyrie Eleison)” ist an und für sich aufrüttelnd, allerding gefällt mir die Hookline mit “Kyrie Eleison” nicht ganz. Eventuell hätte man dem Text noch besser eine durchgehende Linie geben sollen? Danny Plett präsentiert mit “Jesus am Kreuz” das überzeugendste Lied der gesamten CD. Gesanglich erstklassig und textlich sehr klar könnte dieser Beitrag ein neuer Klassiker des gemeindlichen Liedguts in Deutschland werden. Zumindest wünsche ich mir das von Herzen! Geschrieben von Carola Laux bietet das Lied “Verlorener Sohn” einen griffigen Text vor dem Hintergrund der biblischen ‘Geschichte vom verlorenen Sohn’ (Lukas 15). Hier als Popstück von Jo Jasper (vormals als ‘ProJoe’ bekannt) interpretiert, wirkt der Song bisweilen etwas lasch, trotz der starken Aussagen. – Carola Laux bringt ihr Stück auf ihrem neuen Album eine Idee melodiöser (besonders beim Einsetzen des Refrains) und atmosphärisch-eindringlicher rüber, vielleicht hätte man lieber diese Version nehmen sollen?!?
Mit “Bayern” singt der Bayer Jo Jasper einen Beitrag zum Thema “Heimat & Glaube”. Musikalisch durchaus gelungen mit Streichern und Jodel-Passagen (!) nimmt man dem Künstler dieses Bekenntnis zum Freistaat, dem “Sitz” des 2006er ProChrist-Übertragunsortes ab. Textzeilen wie »…von der Liebe, die in mir wohnt« oder: »der Glaube an den Einen, er macht frei« machen etwas stutzig, weil ihnen die letzte Deutlichkeit fehlt. Und genau die erscheint mir an diesen Stellen dringed geboten. Denn Hörer, die den christlichen Glaube bzw. Hintergrund von Jo Jasper nicht kennen, erschließen es sich aus diesem Gedicht wohl nicht. Dennoch, ein Lob an den Interpreten, für den Mut, dieses sehr persönliche Stück Musik mit einer großen Öffentlichkeit zu teilen.
Ein weiterer Punkt hat bei mir großes Unverständnis hervorgerufen: Warum wurden bei so einer intensiv beworbenen und prestigeträchtigen Produktionen die abgedruckten Texte im Beiheft nicht besser geprüft? Zahlreiche Tippfehler, bzw. fehlende oder falsche Textstücke wirken nicht professionell. Bei gleich drei herausgebenden Verlagen nicht nachvollziehbar. Hinzu kommt eine teilweise zweifelhafte graphische Gestaltung, wenn etwa bei “verlorener Sohn” orangefarbener Text auf orange-braunem Hintergrund zur reinen Rätselei wird. Bei vielen anderen, ist es auch schwer zu erkennen, weil einfach lieblos über Hintergrundphotos gedruckt wurde. Die 2003er war simpler gestaltet, aber professioneller durchgezogen. — Um dieses Manko und die fehlenden Übersetzungen auszugleichen, gibt es exklusiv bei uns alle Original-Liedtexte dieser CD sowie alle deutschen Übersetzungen als PDF-Dateien zum Herunterladen!
Fazit: “Zweifeln. Staunen. - Die ProChrist-CD” enthält an und für sich recht gelungenes Liedmaterial, besonders bei der deutschsprachigen Fraktion. Wie gesagt, das Mischungsverhältnis ist nicht geglückt und der Sinn dafür bleibt weiterhin unerschlossen. Dennoch erfüllt das Projekt ähnlich wie der Vorgänger ein(e) evangelistische(s) Funktion bzw. Ziel, wenn auch dieses Mal mit leichten Abstrichen. Weit besser scheint diese Zusammenstellung für die Chor- bzw. gemeindliche/ kirchliche Musikarbeit geeignet zu sein. Playback-CD und Notenmaterial ist selbstverständlich lieferbar. Den geneigten Fans der beteiligten Interpreten sei das Album sowieso empfohlen, da gibt es manch Gutes zu entdecken!
—David Decker für CCM-Rezis, Februar 2006
Daten: 16 Titel / 75 Min.
Musikstil: Pop, Gospel, Liedermacher
Label(s): 2005 GoGospel Records, Rudersberg; Hit’n Run, Lüdenscheid / Gerth Medien, Asslar; SCM/Hänssler, Holzgerlingen; kawohl Verlag, Wesel / online
CD bestellen im Gerth-Shop / bestellen bei amazon.de
Im Web: offizielle Seite






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