Kommen und gehen

Volkshaus Thum/ErzgebirgeWenn der Schnee nicht mehr zu uns kommt, müssen wir eben zum Schnee gehen! Gesagt, getan. Gott sei dank herrscht Reisefreiheit und alle Schnee– und Wintersportfans können sich zum Beispiel in den Alpen austoben (siehe Titelseite!). Gottes Schöpfung ist doch was Herrliches! — Was man als Fazit über den diesjährigen Erzgebirgs-Winter schreiben könnte, gilt im übertragenden Sinne auch für Gemeindearbeit. Allerdings hier nicht einen Winter lang, sondern solange wir auf dieser Erde sind: Wenn die Menschen nicht mehr in einen Gottesdienst kommen, geht der Gottesdienst eben zu ihnen. Wenn die Menschen nicht mehr unter Gottes Wort kommen, geht das Wort Gottes eben zu ihnen hin.

Vermutlich werden wir jetzt alle nicken und unsere Zustimmung zu dieser Aussage ausdrücken. Doch, was so einfach klingt und auch logisch erscheint, fällt uns doch in Wirklichkeit so unheimlich schwer—stimmt‘s?

Woran liegt das, dass wir so ein Problem mit dem Kommen und Gehen haben, zumindest in geistlicher Hinsicht? — Etwa in sportlicher oder beruflicher Hinsicht haben wir da offenbar keine Probleme. Vielleicht weil wir da offener denken. Warum denken wir in geistlicher und gemeindlicher Hinsicht oft nicht so weit? Muss sich vielleicht zuerst unser Denken ändern?

Seit den ersten Impulstagen in Bischofsheim 2006 beschäftigt mich die Aussage von Johannes Reimer, dass unsere Gemeinden—er meint Brüdergemeinden bzw. EFG‘s—so wenig Relevanz für unsere Orte haben. Er stellte die provokante Frage bzw. Behauptung: wenn es viele Gemeinden nicht mehr im Ort gäbe, würde es auch keinen Unterschied für den jeweiligen Ort machen. Ein hartes Wort! Was meint er damit? — Christen würden nur selten hingehen, sondern, meist „kommen lassen“. Eine falsch verstandene „Absonderung“ und ein Gewöhnen an die wohlige Gemeindeatmosphäre können Gründe sein, dass wir das Hingehen in unsere Orte, zu den Menschen „vergessen“ haben.

Womit beginnt das Hingehen aber nun? — Es geht bei uns im Kopf los!Wie denken wir über unsere Mitmenschen, wie denken wir über unsere Heimat, unsere Wohnorte? Wenn uns hier ganz viel Liebenswürdiges in den Sinn kommt, werden wir gerne hingehen. Die Liebe und die Freude treiben uns dann an. Wir kommen plötzlich auch anders an. Die Leute werden uns dann ernst nehmen und sich auch für Glaubenserfahrungen öffnen.

Wir Herolder haben schon einige „Hingeh-Erfahrungen“ sammeln können in den letzten Monaten: Senioren-Besuche, Heimatabend-Einladungsaktionen, Zeltgottesdienste, Teilnahme am Fußballturnier usw.—Diesen „Umdenkprozeß“ und dieses „Training“ sollten wir immer weiter machen. Und es muss keinesfalls in Herold aufhören …

Es stehen viele neue Hingeh-Gelegenheiten an, zum Beispiel ein weiterer Zeltgottesdienst im Sommer in Herold—zusammen mit den Vereinen des Ortes!

Mit den Gaben, die uns Gott geschenkt hat, können wir auch den Menschen zeigen, wie lieb Gott sie hat. Und ganz nebenbei erfahren sie vielleicht, wie relevant eine christliche Gemeinde doch in dieser Zeit sein kann.—Das wär‘ doch was, stimmt‘s?!

In diesem Sinne – lassen wir nicht kommen, sondern gehen wir selbst hin!

—Euer David :)

(Kolumne für die “pusteblume” 02/2008, das Gemeindemagazin der EFG Herold/Erzgebirge)

Über den Autor

David Decker

Ein Erzgebirger, Jahrgang 1977. Musikliebhaber, Radfahrer, Webseiten- und Bücherleser, Kommunalpolitiker, Gemeindemitarbeiter, Gotteskind, Blogger, WordPress-Anwender... Und: Herausgeber von ekkaleo.de [weitere Infos hier...]

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