Michael Herbst: Leiten durch Lehren
Es war einer dieser seltenen “Überraschungsabende am Radio”. Noch dazu mit dem Sender ERF! Aus irgend einem Grund habe ich mal ERF eingeschalten (was ich selten tue) und es sprach gerade eine interessant klingende Stimme, irgendwas über Gemeinde. Ich blieb kurz dran und wurde schnell gepackt: Prof. Dr. Michael Herbst aus Greifswald sprach über “Leiten durch Lehren” in Kirche und Gemeinde. Ich hab Gott sei Dank noch die letzten zwei Drittel des Vortrags mitbekommen.
Ich traute meinen Ohren kaum, da sprach einer von der Evangelischen Kirche so derart praktisch und relevant von innergemeindlichen Problemen in Bezug auf Lehre und Lernen bzw. eben nicht-Lernen. Da war ich doch sehr verblüfft - im positiven Sinne! Schön, daß es auch sowas heutzutage gibt!
Thema vom Willow Creek-Kongress 2008
Der Vortrag stammte übrigens vom diesjährigen Willow Creek Kongress in Deutschland. Herbst hob dabei ausdrücklich heraus, daß wir in unseren Kirchen und Gemeinden dazu kommen müssen, daß jeder Einzelne lernen kann und auch selber lernt! Dazu müssen die Leiter an-leiten und alle es immer wieder üben. Voraussetzung dafür ist das Lesen bzw. wieder neu das Lesen-Lernen. Der Greisfwalder Theologe (“Institut für Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung”!) sieht im Lesen einen Schlüssel, um geistliches Denken aufzunehmen und dann zur Anwendung zu kommen. Dieses “Studieren” ist essentiell, wenn wir vorankommen wollen.
Doch Herbst blieb nicht bei der Theorie stehen, sondern unterlegte das ganze mit erlebten Geschichten, sodaß ich nicht merkte, wie schnell die 40 Minuten um waren. — Natürlich viel zu schnell.
Kein “Gospeltainment”
Das Thema von Herbst: Leiten, lehren und lernen ist aktueller denn je. Vielleicht verdrängen wir es zu oft oder reden es klein oder altmodisch in die Ecke. Aber Herbst hat Recht, wenn wir da nichts mehr tun in unseren Gemeinden, flachen wir ab. Und diese Art der Abflachung wird auf alle Bereiche des Gemeindelebens wirken - und dabei nichts Gutes entfalten. Herbst’s Vortrag war im ERF-Programm betitelt mit “Lehre mit Tiefgang statt ‘Gospeltainment’”. Der Begriff “Gospeltainment” bringt dabei das Kontraprogramm auf den Punkt - Ergebnis meiner zuvor genannten Abflachung. Nach außen hin alles flott und modern, aber innerlich leider hohl. Herbst ruft daher eindringlich die Leiterschaft auf, entgegenzusteuern und einen Prozeß in Gang zu setzen, der alle Gemeindemitglieder erstens mitnimmt und zweitens befähigt.
Klar, ich hatte vom Namen Michael Herbst schon gelesen und gehört - aber nur aus zweiter Hand. Nun war dieses Radio-Erlebnis die Initialzündung für mich, da endlich Nägel mit Köpfen zu machen. Nun werden wohl bald einige Bücher von ihm bei mir eintrudeln… Sein Überblicks-Bändchen zu “Emerging Church” hatte ich bereits in der Hand auf der Wiedenester Konferenz, aber aus jetzt unerklärlichen Gründen wieder zurück auf den Büchertisch befördert. — Mmh, besser spät als nie :-)
Update:
Ich wollte versuchen, den Vortrag als MP3 irgendwo aufzugabeln, was aber unmöglich ist. Das ganze gibt es nur für 5,90 EUR plus Versandkosten als CD zu bestellen. Willkommen im (frommen) online-Zeitalter! — Nur mal laut gedacht: warum stellt man sowas Grundlegendes eigentlich nicht bei sermon-online.de kostenlos für alle rein?





Andreas Malessa: Männer und Musik…
Nach dem tollen Vortrag von Michael Herbst, ging der tolle Radioabend weiter! Es schloß sich die ERF-Sendereihe “calando” an mit gleich zwei Features über und mit Andreas Malessa. Ich war natürlich sehr gespannt was da kommt….