Nein, wir können nicht

Obama - Was will er wirklich?Die Obamania hat in Deutschland bisweilen unerträgliche Züge erreicht. Seit seiner Rede am 24. Juli 2008 an der Berliner Siegessäule hat sich das nur noch verstärkt. Nicht nur die meisten Massenmedien hierzulande behandeln Barack Obama schon wie den Wahlsieger. Das ist nicht nur voreilig, sondern auch gefährlich. Überraschen tut es mich jedoch nicht. Bei Kerry 2004 war es ebenso. Umso zerknirschter waren alle, als es anders kam – und das mit großer Deutlichkeit. Man muß kein Bush-Freund sein, um das hier zu schreiben (man kann es natürlich).

Was mich viel mehr wundert, ist die Mogelpackung, die uns Obama anbietet: seine Berliner Rede hat sich bei den Fragen der Sicherheit, Terrorismusabwehr und Zusammenarbeit nicht von anderen Präsidenten(bewerbern) unterschieden. In der Tat machen weder Demokratische noch Republikanische Präsidenten eine substantiell andere Politik. Sie verpacken und verkaufen sie jeweils nur anders. Die Mogelpackung Obama sieht nun jedoch so aus, dass er vorgibt, etwas grundlegend anders zu machen, doch außer rhetorischen Tricks nur Althergebrachtes bietet. Die Formelhaften Aussagen haben mich regelrecht erschreckt. Er hat in 30 Minuten viele historische Fakten zitiert, allein zu seinen Zukunftsvorstellungen für die nächsten Jahre kamen nur vage Andeutungen.

Hinzu kommt sein Schwimmen bei wichtigen Themen: während seiner Kampagne hat er schon öfters Positionen gewechselt oder aufgeweicht, gerade in Bezug auf Irak-Abzug, Sicherheit und Terrorismus. Was er in Berlin von sich gab, hätte genauso gut aus dem Munde eines Clinton oder Bush (Sen. wie Jun.) kommen können. Das Gekreische der Obama-Jünger wirkt unter diesem Blickwinkel wie ein Kontrastprogramm: zujubeln ohne nachzudenken. Man kann nur hoffen, dass es keine bittere Pille wird, sollte er tatsächlich als Sieger aus der Abstimmung im November hervorgehen.

Vielleicht ist die derzeitige Stärke von John McCain gerade die, dass ihn momentan alle unterschätzen, bzw. runterschreiben. Man muß abwarten, wie die Zuspitzung aussehen wird, die ich konkret ab Ende September/ Anfang Oktober erwarte. Man wird sehen müssen, ob es ihm gelingt, sein Gegenmodell zum Obama-ismus zu versinnbildlichen. Denn eines ist schon jetzt klar: mit „Ja, wir können“ und „Wandel“ als Sprechblasen in den Wind gesagt, kann man weder ein Riesenland noch eine Supermacht regieren.

Update:
soomah hat eine Fragerunde gestartet: Ich denke, er hat Recht, die Deutschen wissen gar nicht, was er politisch will. Ich weiß es auch nicht, da man aus ihm nicht wirklich schlau wird. Die Faszination scheint aus einer eigenartigen Mischung von Bush-Ablehnung, Amerika-Klischees, Voreingenommenheit und der Spezifik deutscher Medien zu kommen. Wie gesagt, nur eine rein subjektive Vermutung …

(Bildquelle oben: barackobama.com/downloads/ - Montage: ekkaleo.de)

Über den Autor

David Decker

Ein Erzgebirger, Jahrgang 1977. Musikliebhaber, Radfahrer, Webseiten- und Bücherleser, Kommunalpolitiker, Gemeindemitarbeiter, Gotteskind, Blogger, WordPress-Anwender... Und: Herausgeber von ekkaleo.de [weitere Infos hier...]

2 Reaktionen zu “ Nein, wir können nicht ”

  1. … Ich denke nicht, dass Obama die Mogelpackung ist. Er macht einfach nur Wahlkampf und bei aller wünschenswerten Ehrlichkeit sagt fast jeder, das was die jeweilige Zielgruppe hören will (nicht, dass das gut so wäre!). Die eigentliche Mogelpackung sind die in den Medien aufgeblasenen Erwartungen an Obama, oder neudeutsch der “hype”, der um Seine Person gemacht wird. Meine Meinung: Viel Luft in der Seifenblase und irgendwann wird die platzen. Dann werden sich alle ärgern und nicht wissen warum - komisch.

    Einen sehr guten (und aufschlussreichen) zur Obamania gibt es hier: Weiß liebt Schwarz [Mini-Abstract: Tuvia Tenenbom geht darauf ein, warum v.a. die Weißen Amerikaner so vernarrt sind in Obama: Er ist kein "richtiger Schwarzer".]

  2. Danke Phil! Ich sehe es im Prinzip genauso: nur ich denke schon, dass auch die personelle Komponente mit reinspielt: Als Senator war er eher einer der zweiten Reihe bisher. Ihm fehlt wirklich eine Erfahrung auf vielen Feldern. Er macht aber unbestritten einfach eine gute Kampagne - und die Amis lieben so eine Art, ganz klar. Nur es fehlen halt ein paar mehr konkrete Inhalte bzw. Erfahrungen. In Deutschland würde das so nicht laufen, die Leute wollen wissen, wohin die Reise geht…

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