Bring es der Welt

CD: Derek Webb - She Must And Shall Go Free (2003)

Derek Webb: Take To The World – Bring es der Welt

Gehe in Frieden, um zu lieben und zu dienen.
Lass es lange in deinen Ohren nachklingen, was du gehört hast.
Und möge das Brot auf deiner Zunge
eine Spur mit Krümeln nach sich ziehen,
um die Hungrigen zurück an den Ort zu führen, wo du hergekommen bist.

Chorus:
Und bring der Welt diese Liebe, die Hoffnung und diesen Glauben.
Bring der Welt diese seltene, beständige Gnade.
Und wie der Gott der Dreieinheit:
Sei dir bewusst, dass du das werden musst, was du retten willst,
denn das ist noch immer der Weg,
den Er der Welt bringt.

Gehe und gehe weit.
Bring das Licht tief in die Finsternis.
Glaube, was wahr ist.
Er gebraucht alle, sogar dich!

- Chorus -

Original: Text & Musik: Aaron Tate
© 2002 Cumbee Road Music
Deutsche Übersetzung: David Decker, 2005 / © SMT shineMusic Translation

Mit diesem Lied wandte sich Derek Webb 2003 an die Gemeinde, an die weltweite Kirche/ Gemeinde Jesu Christi. Es ist Teil des Konzeptalbums “She Must And Shall Go Free”, jenes Liederzyklus, der sich gerade an die Braut des Herrn wendet, ihren Wandel hinterfragt, sie ermutigt und die Liebe des Heilandes aufzeigt. Geschrieben hat das Stück sein einstiger Kollege von Caedmon’s Call. Mr. Tate hat das Anliegen des Interpreten voll getroffen: eine Gemeinde ist (frei nach Bonhoeffer) in erster Linie für die sie umgebende Welt da, zumindest was ihren Dienst betrifft.

Mit diesem Ansatz trifft Webb - vermutlich sogar unbewußt - in ein Grundanliegen der Emergent-Bewegung (Emerging Church): nämlich hingehen, lieben und dienen. D.h. Glaube gewinnt Gestalt, wird sichtbar und konkret. Die Worte des Liedes bleiben komprimiert auf den inhaltlichen Kern - und sind dennoch voll poetischer Schönheit. Obwohl es um die gesamte Gemeinde geht, bleibt der Einzelne nicht auf der Strecke. Seine Gabe wird gebraucht - Gabe im Sinne von Kreativität und Hingabe. Es geht aber nicht um einen Zwang: das Lied beginnt mit dem Wort Frieden, d.h. alles geschieht in einem gesegneten Zustand der Freude - und aus ganz natürlichem Antrieb.

“Es der Welt bringen” heißt jedoch nicht Klinkenputzen und irgendein peinliches Geschenk übergeben (nichts gegen echte Geschenke, hehe!). “Bringen” *) verstehe ich hier viel mehr als etwas Ganzheitliches, es geht um die Person — bringe dich selbst! Das “es” bist du! Begebe dich auf die Stufe deiner Nächsten, diene ehrlich, liebe von Herzen. Die Brotkrumen sind das, was von deinem Leben liegen bleibt - dein Leben hinterlässt begehbare Spuren und wird zur Nahrung für andere.

Und diese Nahrung ist geistlicher Natur: die Menschen verstehen plötzlich, was es mit dem Dreiklang “Glaube - Liebe - Hoffnung” in dieser Generation auf sich hat. In einer entchristlichten Kultur muss das vorgelebt werden. Worte allein töten. Erst wenn er zur Tat wird, gewinnt der Glaube Kraft und wird wahrhaftig. Ein wichtiger Gedanke ist auch der Hinweis auf die Dreieinheit Gottes. Sie ist ein Geheimnis in ihren Wechselwirkungen, in ihrer Interaktivität der verschiedenen Erscheinungsformen der Gottheit. Genauso sind wir auf dieser Erde herausgefordert, die verschiedenen Erscheinungsformen unseres Glaubens in einer interaktiven Form den Mitmenschen anschaulich zu machen. Wechselwirkungen meint diesbezüglich ein Eintauchen in die Welt, in die Gesellschaft und Kultur. Das wird unvermeidlich sein.

Somit ist die Richtung für die Gemeinde und ihre Glieder ganz klar: extern fokussiert! Das Licht muss in die Finsternis, weil anders die Finsternis nicht hell (und heil) werden kann.

 
*) “Take” kann hier in diesem Kontext nicht 100-prozentig eingedeutscht werden - es schwingen mehrere Bedeutungen mit!)

Über den Autor

David Decker

Ein Erzgebirger, Jahrgang 1977. Musikliebhaber, Radfahrer, Webseiten- und Bücherleser, Kommunalpolitiker, Gemeindemitarbeiter, Gotteskind, Blogger, WordPress-Anwender... Und: Herausgeber von ekkaleo.de [weitere Infos hier...]

Kommentar hinterlassen

Du kannst folgende XHTML Befehle einsetzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <blockquote cite=""> <code> <em> <strong>