Erfolg von Sixpence None The Richer?
Es freut mich immer wieder, wenn Berichte in deutscher Sprache über die amerikanische Folk-Rock-Band Sixpence None The Richer erscheinen. Auf sound7 war es heuer soweit. Allerdings finde ich die Tendenz, die da zwischen den Zeilen herausrausklingt, nicht ganz so klasse.
Da ich mich selber stolz zu den Fans aus den Anfangsjahren zähle (1995 ging es bei mir los mit “This Beautiful Mess”, hehe!), maße ich mir hier auch ein wenig Rechthaberei an. Die Bandjahre zwischen 1999 und 2004 als ein “Sterben auf Raten” darzustellen ist eine Anmaßung und reißerische Berichterstattung zugleich! Sicher, es hängt ein bißchen davon ab, wie man nun Erfolg definiert, aber selbst wenn dies nur nach rein kommerziellen Gesichtspunkten geschieht, hat die Band welchen gehabt, selbst mit “Divine Discontent”. Zwei Verkaufs-Singles plus weitere Radio-Singles wurden veröffentlicht, es gab passable Radioeinsätze und durchaus auch Verkaufserfolge. Man sollte jedoch nicht den Fehler machen und alles an dem “Kiss Me”-Ausreißer festmachen. Vergleiche mit dem 93er und 95er Album drängen sich viel eher auf. Die Reduzierung auf das Wesentliche - auf SNTR-Normalmaß sozusagen.
Während ansonsten die Fakten stimmen, sei noch der Hinweis zu den Charterfolgen mit “Kiss Me” & Co. angebracht. So versteigt sich der Autor doch tatsächlich zu dem Satz: “In den Charts ist ‘Sixpence None The Richer’ nur noch durch einige Cover-Songs aufgefallen, und das auch nicht sehr erfolgreich.” Ja wenn ein Platz 7 in den deutschen Singlecharts (und weit höhere in anderen Ländern), wochenlange Radiopräsenz in ganz Europa, ja sogar weltweit, sowie ein Feature bei einer Hochzeit im englischen Königshaus kein Erfolg ist, also dann weiß ich auch net mehr! “There She Goes” schloß sich dem fast ebenso erfolgreich an. Für eine Band aus der christlichen Subkultur, ohne Majorlabel, ohne sonderlich guten Vertrieb ist das ein Hammer gewesen. Und man bedenke die zahlreichen Medienauftritte in ihrem “Megajahr” 1999! In den USA hatten sie diese auch weiter verteilt über ihre Karriere bis 2004. Wenn ich dagegen die jämmerlichen Versuche deutscher Interpreten aus der frommen Subkultur betrachte, ebenfalls in Charts und Medien zu gelangen, dann kann einem ganz schnell ganz schlecht werden. — Daher: immer schön auf dem Teppich bleiben!
Ich würde mich in Zukunft freuen, bei einem Medium, welches selbst so gerne die “Nummer 1″ sein möchte, etwas mehr Recherche zu finden und etwas weniger große Töne. Gelegenheit zum Nachlesen in zahlreichen Berichten sowie einer deutschen Charts-Auslese von 1999 finden sich noch immer in meinem deutschen SNTR-Fanarchiv.
Zudem bemängele ich nicht nur bei sound7, sondern etlichen Medien, insbesondere aus Europa, die einseitige Perspektive allein auf Verkauf, Radio und Medienpräsenz. Man sollte sich als ehrenwerter Journalist auch mal mit der Musik selbst beschäftigen, mit der Motivation der Bandleute und den eventuellen Schwierigkeiten. Viel zu wenige Berichterstatter haben diese Chance genutzt, um einmal die Menschen hinter den “Erfolgen” näherzubringen. Es haben manche gewagt und dann auch interessante Einblicke zum “Kiss-Me”-Jahr 1999 erhalten - von Leigh Nash & Matt Slocum persönlich. Dann wird dieses zuerst genannte Erfolgsbild plötzlich relativ. Und außerdem: was heißt schon “Erfolg” für die Beteiligten, wenn etwa das Motiv für ihre Wiedervereinigung das Bedürfnis nach gemeinsamer Kreativität und schöpferischer Kunst war, nicht irgendwelche Verkaufs- oder Vertriebsmöglichkeiten? Warum beleuchtet dies niemand? Mir gefällt einfach diese rosa Kommerzbrille nicht, deshalb diese Anmahnung und dieser öffentliche Aufschrei.
Überdies kann man aber der Wiedervereinigung der Band seit 2007 nur viel Segen wünschen, und dass sie weiter ihre Freude und Leidenschaft für die Musik behalten - sowie ihre demütige Einstellung.
(via sound7)





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