Luftverschmutzung, Doping, Zensur, politische Gefangene

China Beijing 2008

Eigentlich riecht diese Überschrift streng nach DDR. Man denkt sofort an Bitterfeld, gedopte Kugelstoßerinnen, Speerwerferinnen, Weitspringerinnen. Oder an die gleichgeschalteten DDR-Medien, die das Papier oder die Funkwellen nicht wert waren! Oder an die zahlreichen Häftlinge in den Stasi-Gefängnissen, die gnadenlos drangsaliert wurden. Von den Mauertoten ganz zu schweigen.

Da es aber nichts Neues unter der Sonne gibt (vgl. Prediger Kapitel 1, Vers 9b – Die Bibel), gilt diese Überschrift ebenso für China 2008. Sie galt übrigens auch für Moskau 1980.

Das Spektakel „Beijing 2008“ ist eine Heuchelei sondergleichen. – In Deutschland lernt jedes Kind spätestens ab der 5. Klasse, was es von den Olympischen Spielen in Deutschland 1936 zu halten hat. Das zieht sich fort in den Schulen bis zum Abgang nach der 10. Klasse oder beim Abitur. Man entkommt dem Thema nicht. Nicht mal an den Unis, wie ich selbst erlebte (jedoch im positiven Sinne, dieses Mal!). Und man kann die Uhr danach stellen, wann wieder eine Fernsehdokumentation dazu läuft. Sicher, das ganze ist zum großen Teil richtig, auch wichtig und es steckt sicher viel Wahrheit da drin. Das möchte gar niemand bezweifeln. Nur dieses ganze System legt unserem lieben Nachwuchs immer so sehr die Konsequenzen ans Herz: den Sport nicht für Agitation und Propaganda einer Diktatur missbrauchen.

Aber was sehe ich in „Beijing 2008“? – Die Welt schaut nicht nur zu. Nein, sie macht mit. Und redet auch noch alles schön. Die Luft ist plötzlich gar nicht mehr so schmutzig. Smog ist das auch nicht, man kann doch ein paar hundert Meter sehen! Das Doping ist ja gar nicht so schlimm. Machen eh nur Radsportler. Die Zensur sei sogar notwendig, selbst in Deutschland werden rechtsextreme Medien zensiert (man höre und staune, dass man es endlich öffentlich zugibt). Und über die vielen Gefangenen aus politischen und religiösen Gründen wird eh kaum noch ein Wort verloren. Warum demonstrieren die auch? Können doch verhandeln und gemeinsam eine Lösung suchen?

Tolle Konsequenzen aus Berlin 1936 sage ich da. Macht ist sexy. Geld ist sexy. China ist supersexy. Und das IOC ist ein Wirtschaftskonzern, die Deutschen mittendrin. Willkommen im Vogelnest. Das Lied der Spottdrossel zieht herauf. Bisweilen scheint es, als ob das ZK der SED bei ARD und ZDF in der ersten Reihe sitzt. Ach nein, ich meine doch die KP Chinas …

Ja, so ist der Mensch. Da gibt es nichts Neues unter der Sonne. Chinas kommunistische Führung darf sich alles erlauben. Die Welt schaut zu. Die Welt applaudiert. Die Welt macht mit. – Der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht.

Über den Autor

David Decker

Ein Erzgebirger, Jahrgang 1977. Musikliebhaber, Radfahrer, Webseiten- und Bücherleser, Kommunalpolitiker, Gemeindemitarbeiter, Gotteskind, Blogger, WordPress-Anwender... Und: Herausgeber von ekkaleo.de [weitere Infos hier...]

3 Reaktionen zu “ Luftverschmutzung, Doping, Zensur, politische Gefangene ”

  1. Wieso so pessimistisch? Dass die Menschheit sich nicht wirklich ändern wird, sollten wir zwar aus der Geschichte als Lektion mitnehmen, aber grundsätzlich die Hoffnung aufgeben? Ich denke, es ist jederzeit möglich etwas zu ändern, es ist nur die Frage wo man Anfängt.

    Zur China-Problematik: Ein guter Artikel aus der Zeit (wiedermal :-) (Mini-Abstract: Robert Leicht argumentiert, dass China durch die Spiele mit dem westlichen Pluralismus konfrontiert wird und merken muss, dass es sein Image in der westlichen Welt/ den Medien nicht steuern kann, sondern dass diese jegliche Meinung vertreten können, von Pro-China bis Anti-Olympia… Daher könnten die Spiele für China zum Desaster werden, wenn es zu viel Druck auf ein gutes Image macht…)

    Eine offene Frage: Ist es nicht legitim, rechtsextreme Medien zu zensieren? Kann die Demokratie sich selbst schützen, indem sie ihre eigenen Grundwerte einschränkt?

    Gruß,
    Phil

  2. Wieso pessimistisch? Man kann ja erstens auch nicht alles schönreden, zweitens ist der Artikel so eine Art Glosse und überzeichnet bewußt etwas, um Herauszufordern.

    Herr Leicht hat aus Sicht des Westens vielleicht recht, aber das ist doch immer aus dem “Könnte” heraus. In China herrschen aber gegenwärtig Fakten, was ist mit den vielen Menschen dort, die Freiheit entbehren? Sein Argument mit dem Pluralismus ist richtig. Aber ich glaube, China hat das bereits einkalkuliert.

    Was ich mich schon seit Jahren frage: Warum geht der Westen nicht härter mit China um? Warum sieht man z.B. auch die Wirtschaft immer aus Sicht der West-Interessen? - China möchte doch etwas, warum treibt der Westen nicht mal den Preis hoch? Nur mal als Beispiel.

    Zur Zensur von Rechtsextremen Medien: Wir haben in Deutschland das konsequente System der Vorverlagung der Abwehr von Verfassungsfeinden etc (d.h. schon Abwehr des Versuches, nicht erst nach einer Tat). Insofern ist “staatliche Zensur” im Sinne eines Verfassungsschutzes in gewisser Weise gedeckt - und ich denke, das findet ja auch statt. Das Innenministerium ist im Prinzip gezwungen rechts- und linksextremistische Medien genauso wie die des religiösen Extremismus/ Terrorismus zu zensieren/ einzudämmen. Nach meinem Eindruck findet aber zusätzlich einen Art Selbstzensur der Medien statt, in diesem Falle aber einseitig auf der rechtsextremen Seite. Hier verzerrt man die Vorverlagerung und beraubt sie ihrer Wirkung. Man müßte einheitlich vorgehen.

    Mit dem Zugeben meine ich das Angeben eben mit dieser Einseitigkeit Richtung rechtsextrem. Kurzfristig mag das Wirken, langfristig stärkt es diesen Bodensatz und gibt den rotlackierten Extremisten zuviel Freiheit. - Das geht jetzt ziemlich ins Detail. Ich finde aber bei Zensurvergleiche dieses deutschen DOSB-Funktionärs, daß es da mit China viel zu viele Unterschiede gibt und sich daher der Vergleich ad absurdum führt. Ein Vergleich mit dem DDR-System wäre viel wirkungsvoller, weil offenbarender. Man muß da das ganze Bild sehen. Der Westen hat leider bis heute “den Osten” (z.B. ex-DDR, UdSSR, China usw.) größtenteils nicht verstanden.

  3. [...] das Medailliengeschehen in “Beijing 2008″ (ich berichtete) mitverfolgen möchte und das ganze drumherum nicht braucht, folgt einfach dem Twitter-Kanal. [...]

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