Was du gelernt hast

Bleibe in dem, was du gelernt hast (2. Timotheus 3,14)

„Du aber bleib bei dem, was du gelernt hast und wovon du völlig überzeugt bist! Du weißt ja, wer deine Lehrer waren“
(2. Timotheus 3,14 – Neue evangelistische Übersetzung (NeÜ))

Lebensschule für einen jungen Leiter

Persönlichkeitsentwicklung hat sicher immer in irgendeiner Form mit Lernen zu tun. Die Frage ist, warum sollte man ausgerechnet im Gelernten verharren und warum sollte das auch noch gut sein? Wie ist das alles zu verstehen?

Wir haben hier aber einen jungen Burschen, man könnte auch sagen ein junger Leiter, der wichtige Weisungen bekommt. Thimotheus war in der Lebensschule bei Paulus, wo er sicher auch eine theologische Ausbildung bekam, und nun soll er selbständig(er) werden, er soll das Gelernte anwenden.

Den obigen Bibelvers kann man nur im Zusammenhang verstehen und das gilt im Besonderen für das „Lernen“ bzw. „Gelernte“ in diesem Abschnitt. Es ist also wichtig, das gesamte Kapitel zu sehen, bzw. gleich den ganzen Timotheus-Brief.

Paulus möchte Timotheus an seine Verantwortung erinnern, die Verantwortung eines ernst gemeinten Glaubens, der Konsequenzen nicht scheut. Es geht dabei um Charakterzüge wie Liebe, Geduld, ebenso Durchhalten im Leid, Aushalten von Verfolgungen. Ein weiterer Ansatz von Paulus ist es, den Gegensatz zu Menschen mit schlechten Charakterzügen aufzuzeigen: betrügerische Menschen, die andere in die Irre führen.

In diesem Umfeld soll Timotheus zu einer reifen Persönlichkeit werden, soll seinen Charakter bilden und als junger Mensch positive Ausstrahlung gewinnen. Wenn man seine Berufung als Evangelist und Leiter bedenkt, wird dieser Anspruch vermutlich etwas klarer.

Solch eine reife Persönlichkeit ist anziehend und attraktiv – die geistliche Ausstrahlung ist wirklich enorm. Alles Dinge, die ich aus dem Abschnitt zwischen den Zeilen herauslesen kann. Aber was hat das nun mit dem Lernen zu tun?

Um die obigen Ziele zu erreichen, soll Timotheus nicht etwas Neues tun, sondern etwas Ungewöhnliches, nicht Naheliegendes: Er soll quasi zurückblicken und nachdenken über etwas, was bereits war. Nichts anderes sagt der Vers 14. Es geht um das Gelernte von Paulus, seinem Mentor, aber genauso von seiner Mutter, ja bis hin zur Großmutter (zwei Frauen hier als vorbildliche Lehrer!). Und letztlich ist damit Gott selbst eingeschlossen. Genau diese Lehrer soll er sich auch vor Augen malen, er soll an diese Personen denken, welche Persönlichkeiten sie sind. Paulus erzählt in den Versen vorher aus seinem Leben: Man meint, er prahlt, doch das tut er nicht. Er will eine Kette aufzeigen, damit Timotheus klar wird: ‚bei ihm, Paulus, funktionerte es, also ahme es nach, du bist doch von der gleichen Lehre überzeugt.’

Spätestens hier wird klar, dass es sich bei den Lerninhalten nicht um bloße Theorie handeln kann, sondern es um Charakterbildung ebenso geht, wie das Wort Gottes an sich und seine Anwendung. Völlig überzeugt sein kann Timotheus nur, wenn er etwas mit Kopf und Herz aufgenommen hat. Wie sieht zum Beispiel Standhaftigkeit bei Widerstand aus? – ‚Schau Paulus an, wie er es gemacht hat!’

 
Wie sieht das konkret aus?

Mich hat dieser Vers vor vielen Jahren in einer Predigt in meiner Gemeinde gefesselt: Plötzlich wurde mir klar, dass alles, was ich bisher in der Gemeinde gelernt hatte, z.B. in der Sonntagschule, sehr wertvoll ist. Es hat nichts an Wert eingebüßt, nur weil es damals vielleicht von der Form nicht modern war, oder die Lehrer in ihrem Leben auch Fehler gemacht haben. Darum geht es nicht! Es geht darum, was ich einst vom Inhalt des Glaubens verstanden hatte – mit meinem Herzen – daran sollte ich festhalten, mit voller Überzeugung. Ich erkannte, dass es nicht immer nur um Neue Säue geht, die jeden Tag durchs fromme Dorf getrieben werden, nein, es geht erstmal um das, was bereits bekannt ist, was verstanden wurde. Was von mir verstanden wurde!

Eben das sagt der Vers 14 auch: treu an etwas halten, was man im Glauben bereits angenommen hat, wovon man gleichsam überführt wurde. Darin gilt es zu bleiben, besser: zu verharren. – Was kann dies anders heißen, als die Anwendung des Gelernten? Es geht in der Bibel nicht um stoische fromme Pflichterfüllung in Form von Dasitzen und überzeugt sein im Kopf. Denn der letzte Vers des Kapitels zeigt die Richtung der Umsetzung jenes Gelernten an:

„Mit der Schrift ist der Mensch, der Gott gehört und ihm dient, allen seinen Aufgaben gewachsen und zu jedem guten Werk gerüstet.“
(2. Timotheus 3,17 – Neue evangelistische Übersetzung (NeÜ))

Genau da will Paulus den Timotheus hinführen: er soll befähigt sein für seine Aufgaben, er soll sie in jeder Hinsicht bewältigen können. Er soll selbständig als junger Leiter arbeiten können und eine reife Persönlichkeit ausstrahlen. Als Grundlage für alles dient ihm die Heilige Schrift, das Ackerfeld ist der Dienst. Und wo anders sollte dieser Dienst, in Form von guten Werken, stattfinden als in der Welt an den Menschen?

Aber ich sollte auch schauen, wer es mir beigebracht hat! – Ein Mentor unserer Gemeinde sagte mir vor einiger Zeit den Satz: „Wir sind das, was wir sind (als Gemeinde), nur auf den Schultern unserer geistlichen Väter, unserer Ältesten.“ Wow, das saß! Es ist wichtig, sowas zu hören, bewahrt es doch vor Hochnäsigkeit und jugendlichem Leichtsinn! Unsere „ergrauten Häupter“ in der Gemeinde mögen ihre Ecken und Kanten haben, aber sie haben uns das Evangelium gelehrt und Glaube vorgelebt, deshalb können wir noch immer viel aus dem Gelernten ziehen. Es ist wie bei der Erziehung von Kindern: jedes Kind wird einmal eine selbständige Persönlichkeit werden, aber ohne die Erziehung der Eltern und diesen Lern-Schatz käme es nie zu deren Herausbildung.

 
Neues aus dem Bestehenden

Für mich war die Erkenntnis aus dieser einen Predigt so verwunderlich wie geheimnisvoll: Es ist ein eigenartiger Ratschlag, das Bestehende zu nehmen, das was war, das Althergebrachte und daraus Neues zu schöpfen. – Wir Menschen sind oft genau umgekehrt gepolt: wir strecken uns nach dem Neuen aus, um (letztlich) das Alterhergebrachte zu machen.

Das Geheimnis liegt nun darin, sich nicht irre machen zu lassen. Die Kraft kommt aus dem Gelernten und sie liegt in dem Wort Gottes, was ewig gültig ist. Es gibt eben nur das eine Evangelium von Jesus Christus und dieses gilt noch immer. Es tut gut, sich an diesen Grund zu erinnern und vor allem, von wem und wo und wie man diese Grundwahrheiten des Glaubens für sich selber verstanden hat. Plötzlich versteht man in der Selbstreflexion viel besser, woher man kommt. Nur wenn das klar ist, kann man an die Aufgaben gehen und ist dafür befähigt.

Junge Leiter tun also gut daran, sicher ihrer Lern-Wurzeln zu besinnen, um für das „Tagesgeschäft“ gerüstet zu sein. In der heutigen Zeit gibt es viele Irrlichter, noch immer auch in Form betrügerischer, charakterloser Menschen. Insofern hat sich an den Rahmenbedingungen gegenüber Timotheus nicht wirklich was geändert: Es gilt vorbereitet zu sein für Leiden und Verfolgungen, für verschiedenste Auseinandersetzungen. Wer nicht bleiben kann in den Glaubensüberzeugungen, die er einmal angenommen hat, steht in der Gefahr, das Ziel nicht zu erreichen. Das wäre jedoch ein großer Verlust, weil damit Wachstum ausbleibt, aber auch die Synergieeffekte im Dienst für andere voll auf der Strecke bleiben.

In diesem Sinne: bleibe in dem, was du gelernt hast!

Über den Autor

David Decker

Ein Erzgebirger, Jahrgang 1977. Musikliebhaber, Radfahrer, Webseiten- und Bücherleser, Kommunalpolitiker, Gemeindemitarbeiter, Gotteskind, Blogger, WordPress-Anwender... Und: Herausgeber von ekkaleo.de [weitere Infos hier...]

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