Gott über alle Dinge lieben (LiA Tag 4)
Heute steht im Mittelpunkt Gott ganz zu lieben. Die Überschrift sagt “über allem”, ausgehend von verschiedenen Bibelübersetzungen würde ich lieber sagen “mit allem” bzw. “aus allem”. Dabei wird deutlich, dass diese ganzheitliche Liebe im Alltag geerdet sein muss.
Der heutige Tagesvers dazu steht im Markusevangelium, Kapitel 12, Vers 30: “Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe18, mit deinem ganzen Verstand und mit aller deiner Kraft!” (Neue Genfer Übersetzung) - Jesus zitiert diesen Vers aus dem 5. Mosebuch (5. Mose 6,4+5)!
Im Aktionsbuch wird daraus ein Dreiklang abgeleitet:
- hingegeben (steht für die Seele bzw. Hingabe)
- bewußt (steht für das Herz bzw. Gemüt und umfasst unser Wollen und Denken)
- praktisch (steht für deine/meine Kraft)
Auf den ersten Blick war mir diese Ableitung zu weit weg vom Text, doch bei längerem Nachdenken fand ich es plausibel. Die drei Adverben deuten dabei schon rein sprachlich auf Tätigkeitsworte und damit auf eine tätige Liebe, die Auswirkungen hat.
Überhaupt: wenn hier von Liebe gesprochen wird, dann schwingt meiner Ansicht nach automatisch Vertrauen/ Glaube und Beziehung mit. Ich kann nur eine Person lieben, der ich vertraue und an die ich damit glaube. Dann entsteht eine wechselseitige Beziehung. In diesem Fall ist die Person Gott selbst. Doch auch im Vergleich mit der Liebe zu einem Menschen können wir diese Aspekte alle finden.
Interessant ist nun, dass Jesus in Markus 12 als Antwort auf die Frage nach dem wichtigsten Gebot genau den obigen Vers zitiert. Seine Antwort klingt sehr einfach - auch wenn sie uns heute in der westlichen Welt so schwer erscheint. Man muss zum Verständnis wissen: es gab in der jüdischen Welt nicht nur die 10 Gebote, die Gott seinem Volk als Gesetz gegeben hatte. Nein, die Juden zur Zeit Jesu kannten (laut Aktionsbuch) ganze 613 Gebote. Nicht nur das erscheint uns heute unvorstellbar, sondern, wie gesagt, wohl auch die Einfachheit von Jesu Antwort.
Doch gerade in dieser ganzheitlichen Liebe liegt der Schlüssel: indem ich mich mit meinem ganzen Menschsein in die Liebe zu Gott begebe, befolge ich das ganze Gesetz. Es geht hier nicht um die Liebe allein unserer Seele zu Gott oder nur “in unserem Herzen”, sondern um den Dreiklang: volle Hingabe (rückhaltlos), bei vollem Bewußtsein (d.h. entschieden) und praktisch (d.h. sichtbar, dadurch nachvollziehbar). — Die Frage ist doch die: Sieht deine und meine Liebe zu Gott im Alltag so aus?
Die heutige Tageslese aus 5. Mose 10,12-22 macht deutlich, dass Gott selbst mit diesem Dreiklang sein auserwähltes Volk Israel geliebt hat. Außerdem erfährt man etwas über die Antwort des Volkes auf diese Liebe.





Kommentar hinterlassen