Sarah Palin: gläubige Mutter, die für Wandel steht?

US-Wahlen 2008 / Copyright: Financial Times

US-Wahlen 2008 / Copyright: Financial Times

Zunächst: Ich glaube, dass die US-Präsidentschaftswahlen - genauso wie unsere Bundestagswahlen 2009 - völlig offen waren, sind und bleiben. An den Berichten und Kampagnen der etablierten deutschen Medien beteilige ich mich nicht. Eine Branche, die uns 2000 einredete Al Gore müsse die Wahlen gewinnen, die uns 2004 belehrte John Kerry gewinnt und seit 2007 eben, dass Hillary Clinton bzw. Barack Obama als Gewinner feststehen, kann man nicht mehr glauben. — Unter diesem Blickwinkel ist auch die bewusst geführte Volksverdummung über eine Frau namens Sarah Palin zu sehen:

Sarah Palin bringt entscheidene Qualitäten mit
Die Medien meinen, eine fünffache Mutter, ex-Bürgermeisterin einer Kleinstadt, Mitglied der Waffenlobby und Anhängerin des christlichen Schöpfungsglaubens sei genau aus diesen Gründen für das Vizepräsidentenamt disqualifiziert. Viele Amerikaner meinen genau aus diesen Gründen sei sie sehr wohl dafür geeignet. Und ich als nicht relevanter deutscher Außenbeobachter übrigens auch :-)

Warum wird hierzulande eigentlich das Muttersein so abgewertet? Mütter bringen sehr viel Lebenserfahrung und Menschenkenntnis mit. Wer eine Familie managen und Kinder erziehen kann, der kann wirklich was. Und: wer sich auf der niedrigsten Politikebene - sprich: der Kommunalpolitik - bewährt hat, warum sollte der oder die nicht für Höheres berufen sein? Genau diese Erdung ist doch das, was wir wieder bräuchten. Dieses grundsolide, “normale”, erarbeitete Feeling für Menschen. Genau, um Menschen geht es in der Politik. Und Politik sollte Ausschau halten nach solchen Menschen die sie dann letztendlich machen. Sarah Palin hat schon durch ihre wenigen Auftritte innerhalb der Kampagne gezeigt, dass sie ihr Volk versteht und die Menschen sie verstehen. Ich finde, sie wäre sehr gut geeignet.

Dass Palin Mitglied der Waffenlobby ist, verwundert nicht. Das sind viele in Amerika, ganz egal, ob sie Demokraten oder Republikaner, männlich oder weiblich sind. Es zeigt bei ihr eins: sie steht auch zu unbequemen und unbeliebten Überzeugungen. Und es spricht ja auch nicht alles gegen die Waffenlobby, obwohl ich das als Europäer nicht wirklich verstehen muss. Wobei: auch in Deutschland darf man Waffen besitzen, zwar streng reglementiert, aber man darf es und dabei passiert ebenso Mißbrauch; dies nur als Randbemerkung.

John McCain & Sarah Palin / Copyright: johnmccain.com

John McCain & Sarah Palin / Copyright: johnmccain.com

Weiterhin finde ich es sympathisch, dass Palin zu ihrem Glauben steht. Sie zeigt damit, dass sie auch in der Politik jemand über sich sieht, nämlich Gott. Wir wünschen uns immer eine derart ausgerichtete Politik: geerdet in der Lebenswirklichkeit und in der letzten Verantwortung vor Gott. Wenn es ein Politiker so lebt und auch so kommuniziert, wird er oder sie diffamiert, zumindest in ein schäbiges Licht gerückt. Viele Menschen haben diese Medienscheinheiligkeit durchschaut, dennoch ist es nicht fair, Leute so darzustellen, finde ich.

Wirklicher Wandel und echte Versöhnung - mit McCain & Palin?
Ich finde es sehr spannend, dass McCain & Palin wirklich eine Riesenschance haben, sowohl die öffentliche Meinung völlig zu drehen als auch einen soliden Wahlsieg einzufahren. Wie gesagt, sicher ist rein gar nichts, doch es gibt realistische Chancen - genauso wie für das konkurrierende Lager! In diesem Zusammenhang finde ich es kein Problem, dass die sogenannten Skandale über Palin so ins Kraut schossen: für die McCain-Kampagne war der frühe Zeitpunkt und die geballte Ladung ein Glücksfall. Erstens, liegt nun alles auf dem Tisch und zweitens, kann man jetzt langsam zu den Sachthemen übergehen. Will heißen: Obama und Biden müssen sagen, was sie wollen. Obama wird offenbaren müssen, wo er seine “Erfahrung” herzunehmen sich vorstellt, die er für eine Umsetzung seines Wandel- und Versöhnungsprogramms braucht.

Apropos Wandel und Versöhnung: könnte es nicht sein, dass auch diese Themen vom Lager McCain/ Palin weitaus besser verkörpert werden? Ein Präsident McCain könnte die Amerikaner mit ihrer eigenen Geschichte versöhnen, d.h. die verpönten “Babykiller” aus dem Vietnamkrieg bekämen vielleicht eine ganz andere Gewichtung in der Gesellschaft? Und ich glaube schon, dass auch und gerade im Zeichen des Irakkriegs noch zahlreiche ungeklärte Verhältnisse zu Armee, Soldaten usw. bestehen. Die Amis haben wirklich ein Problem mit ihren Ex-Soldaten und das ist eine tickende Zeitbombe, nicht nur dass es Milliarden auffrißt! John McCain wäre eine glaubwürdige Persönlichkeit, um hier notwendige Veränderungen im Volk anzustoßen. Und Sarah Palin stünde für eine Art von Wandel, dass auch jemand von Alaska, fernab des Washingtoner-Politikbetriebs, plötzlich die Bundespolitik aufmischen kann. Obama, steht doch immer noch für viel “System”: er ist Senator in Washington, er ist Jurist und er ist ein Intellektueller. Ich möchte ihn keineswegs als Person verurteilen, habe im Gegenteil viel Respekt, jedoch kann ich mir nicht vorstellen, warum gerade er glaubhaft den Wandel verkörpern will. Noch dazu, wo er bisher nicht mit eigenen (Politik-Umsetzungs-) Erfahrungen auftrumpfen kann. “Kampagne 2.0″ ist eben nicht alles, um es mal flapsig auszudrücken… Auch für das ganze Thema ‘Frauen in der Gesellschaft’ ist Palin die perfekte Besetzung: Frauen haben meiner Meinung nach eine starke Rolle in Amerika; wir in Europa sehen da viel falsch, glaube ich. Frau Palin könnte und sollte da mal einiges geraderücken. Ein alter Slogan der deutschen Frauen Union der CDU lautete ja: ‘Ohne Frauen ist kein Staat zu machen’ - was ohne Frage stimmt.

Der Countdown läuft!
In diesem Sinne sehe ich dem 4. November 2008 mit großer Spannung entgegen. Um nicht wieder Berichte à la ‘John Kerry ist aber der eigentliche Sieger der Wahl…’ lesen, sehen und hören zu müssen, empfehle ich zu guter Letzt einige vernünftige Infoseiten zu den US-Wahlen 2008:

Über den Autor

David Decker

Ein Erzgebirger, Jahrgang 1977. Musikliebhaber, Radfahrer, Webseiten- und Bücherleser, Kommunalpolitiker, Gemeindemitarbeiter, Gotteskind, Blogger, WordPress-Anwender... Und: Herausgeber von ekkaleo.de [weitere Infos hier...]

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