Armenspeisung im reichen Land
„Überflüssige“ Lebensmittel gleichen Mangel aus
Unter dieser Überschrift berichtete das evangelische Wochenmagazin ideaSpektrum am 22. Oktober 2008. Es ging dabei um das 15-jährige Jubiläum der Tafeln in Deutschland. Davon gibt es bereits 800 in der ganzen Bundesrepublik: 35.000 (!) ehrenamtliche Helfer versorgen damit etwa 1 Million Bürger, die am Existenzminimum leben, Tendenz steigend. Los ging es 1993 in Berlin, mit der Initiative von Sabine Werth. Sie ließ sich von New York inspirieren, wo es schon „City Harvest“ (Stadternte) gab. Die Berliner Tafel ist die größte in Deutschland, sie beliefert schon 300 soziale Einrichtungen und hat 45 Ausgabestellen. Man arbeitet eng mit Kirchengemeinden zusammen und erreicht rund 125.000 Menschen in der Hauptstadt.In der sächsischen Landeshauptstadt sieht es ähnlich aus. Die Leiterin dort, Edith Franke, spricht von derzeit 10.500 Menschen, die das Angebot nutzen. Pro Woche kommen 50 Bürger hinzu. Sie geht davon aus, dass in Dresden bis zu 100.000 Menschen unter der Armutsgrenze leben. Man bedenke dabei: die Stadt hat „nur“ 500.000 Einwohner. Edith Franke sagt: „Die Armen sind nicht irgendwo in der Welt. Sie sind mitten unter uns“[1]. — Und ideaSpektrum ergänzt: „Die Zahl der Bedürftigen wächst: Alleinerziehende, Rentner und Studenten freuen sich über die angebotenen Produkte der Tafel in Dresden.“[2]
In der Hauptstadt des Erzgebirges gibt es auch eine Tafel, seit Herbst 2005. In Annaberg-Buchholz wird sie von den Maltesern geführt, die Ausgabestelle ist in der Diakonie. Leiter ist Günther Jacobs, Schirmherrin die Oberbürgermeisterin Barbara Klepsch. 26 ehrenamtliche Helfer versorgen so rund 300 Bedarfsgemeinschaften, das sind rund 600 Personen. Lebensmittel kommen aus den Geschäften der Stadt und des Umlandes. Spender und Förderer unterstützen seit Jahren das Projekt.
Ja, es gibt auch bei uns im Erzgebirge eine Tafel. Das ist aber gar nicht „schlimm“ – ganz im Gegenteil. Es geht darum, Menschen unkompliziert und direkt zu helfen. Es geht darum, die Würde des anderen zu achten und Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen – direkt vor Ort.
Wer als Christ seinen Glauben offen im Alltag leben will, der wird sich informieren und einbringen. Christen und Gemeinden müssen nicht jedes Rad neu erfinden. Es gibt zahlreiche Vereine und Initiativen auf allen Gebieten, wo man sich einbringen kann: mit praktischer Hilfe, mit Geld, mit Gebet, mit Begleitung und Kontakten.
In diesem Sinne: kommen wir unserem biblischen (vgl. 3. Mose 19,9+10) Auftrag nach!
—Euer David :)
(Kolumne für die “pusteblume” 06/2008, das Gemeindemagazin der EFG Herold/Erzgebirge)
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Fussnoten:






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