Armut? Biblisch? (Blog Action Day 2008 Teil II)

Blechbüchse & K(l)eingeld.

Blechbüchse & K(l)eingeld.
(Bild: SXC.hu, renatodc / Effekt: ekkaleo.de)

Im Rahmen des 2008er Blog Action Day habe ich mich bereits über Fairness und Armut im Handel ausgelassen, nun möchte ich noch einen mehr geistlichen Aspekt anschneiden.

Die Frage ist ja: Warum läßt Gott Armut zu? — Ehrlich gesagt, die Antwort weiß ich nicht und es wäre müßig sich da den Kopf zu zerbrechen. Vielmehr macht die Bibel klar: Gott weiß von der Armut, er kennt sie in ihren Auswirkungen auf der Erde. Er hat nicht nur den Überblick, er hat Einsicht. Schlägt man die Heilige Schrift auf, wird man das sowohl im Alten wie im Neuen Testament feststellen. Soviel ist erstmal Fakt.

Die nächste Frage ist: Sollte man etwas gegen die Armut tun, und wenn ja, wie? — Etwas tun, dazu ruft die Bibel gerade zu auf! Diese Frage ist also schnell geklärt; schwieriger wird es beim ‘Wie’. Dazu gibt es sowohl im Alten wie im Neuen Testament interessante Ansätze.

 
Biblische Maßstäbe

Armut ist für uns nicht verständlich ohne Reichtum - es braucht eine Vergleichsgröße, um Verhältnismäßigkeiten klarzumachen. Die Bibel setzt hier klare Maßstäbe: Kein Besitz bzw. Eigentum ohne Arbeit. Wer zum Beispiel einen Brunnen gegraben hatte, dem gehörte er als vererbbares Eigentum. Allerdings ist Besitz immer das maximal Vorletzte im Leben, nie das Letzte. Dies ist ein weiterer entscheidender Grundsatz. Die Bibel hat ein grundsätzlich positives Verhältnis zu Besitz und Eigentum - ebenso zur Arbeit. Sie verurteilt Reichtum nicht per se und das finde ich auch gut so.

Blog Action Day 2008 - Thema Armut

Blog Action Day 2008 - Thema Armut

Das geniale an Gottes Wort ist jedoch, wie “Sicherungen” eingebaut sind in die göttliche Ordnung: schon im Alten Testament gab es Verordnungen, die Großgrundbesitz verhinderten, d.h. die Sabbatjahr (Schuldenerlass / Dtn 15), die Jubeljahrverordnung (zur Restitution / Lev 25) sowie das Zinsverbot (Ex 22,24; Dtn 23,20f). Wobei der Wahrheit halber eingefügt werden muss, dass das Jubeljahr (jedes 49. Jahr) praktisch nie eingehalten wurde, dennoch war es ein Gebot Gottes. Das Ziel dieser Gebote ist klar: keiner soll auf der Strecke bleiben und keiner soll abheben. Somit gab es praktische Ober- und Untergrenzen, dennoch wurde Besitz und Eigentum geschützt. Die Bibel kennt keine Verstaatlichung; Besitz ist untrennbar mit der Familie verbunden, Grund und Boden gehört Gott (Lev 25,23f).

Auch eine Umverteilung, wie sie heute in aller Munde ist, kennt die Bibel nicht. Vielmehr zäumt die Schrift das Pferd von hinten auf, wenn sie die Finger in die offenen Wunden des Reichtums legt. Reichtum kann nämlich Sünde sein, wenn:

  • der Arme vor der Tür verkommt (Lk 16)
  • er durch Gier zum Götzen wird (Mt 6,24)
  • er die Nachfolge verhindert (Mt 19,21)
  • die Seele für ihn verkauft wird
  • er gegen die Jubeljahrverordnung erworben wird

Das ist starker Tobak! Hier werden die Dinge beim Namen genannt: der Arme als Person, die Gier als Götze, Verhinderung des Glaubens, Verkauf der eigenen Seele und Verstoß gegen ein göttliches Gebot. Es sind alles Dinge, die ich in der heutigen Zeit - oder Mediengesellschaft, wie man will - so nicht sehe. Das wird ausgeblendet oder gar nicht wahrgenommen. In der Tat ist es aber der Kern des Problems - sowohl mit der Kehrseite der Armut als auch des Reichtums.

 
Keine Umverteilung

Umverteilung basiert auf Neid und Gewalt. Das biblische Modell ist dagegen die Verantwortung - für die Mitmenschen und vor Gott. — Heute wird überall Umverteilung gepredigt, d.h. wenn ich 1.000,00 EUR im Monat verdiene, Mister X aber 1.000.000,00 EUR (1 Mio.), dann wird Mister X die Pflicht auferlegt, automatisch davon etwas abzugeben an mich. Diese “automatische Pflicht” erfüllt dann sozusagen der Staat, welcher ein System schafft, was genau dies bewerkstelligt. Die Bibel löst das Problem anders: zunächst einmal fragt sie, ob der Arme arbeitet, denn es gibt die Pflicht zur Arbeit, auch für Bedürftige[1]. Ist dort alles geklärt, wird auf den Reichen geblendet: Wenn der Arme in seiner Nachbarschaft bzw. vor der Haustür Qualen leidet, hat er (d.i. Mister X, also der Besitzende) zu helfen. Es ist seine Verantwortung, weil es sein Verhältnis zu Gott mitbestimmt. Wichtig: beide bleiben jedoch in ihrer Entscheidung frei!

Interessant ist auch, dass letztlich nur der Besitzende in der Lage ist, zum Beispiel die Eltern finanziell zu unterstützen (Mt 7,9f), Notleidenden zu helfen (Mt 6,2; 25,43ff u.a.) und eine Armenfürsorge zu betreiben (31,20). Deutlich wird: Reichtum und Besitz haben auch eine Seite des Segens, was praktisch eine Verheißung Gottes ist. Bitte nicht falsch verstehen: es geht hier nicht um “Wohlstands- oder Besitzevangelium”. Die obige Herleitung[2] dürfte aber den Unterschied klargemacht haben.

 
Fazit

Biblische Gedanken zu Armut - und damit auch Reichtum - sind sehr aussagekräftig, wirkungsmächtig und vor allem aktuell. Vielen Zeitgenossen scheint das nicht unbedingt klar zu sein, dennoch sollten wir diese Schätze vermehrt heben. Aus einem Grund: die Bibel sagt die Wahrheit über den Menschen aus, über seinen Zustand, sein Handeln und seine Absichten. Die biblischen Lösungen sind deshalb so genial, weil sie die Probleme an der Wurzel packen, statt Symptome zu behandeln. — Christen sind herausgerufen zur Verantwortung, gerade in und für die Gesellschaft. Dieser Artikel sollte ein klein wenig dazu einladen, sich mehr damit zu beschäftigen. In den Kommentaren hier ist natürlich auch Raum dazu :-)

 


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  Fussnoten:
  1. Das Buch Rut im AT ist hier das große Beispiel; es gibt aber viele weitere Stellen im AT & NT! []
  2. Gottes Ordnung - Arbeit(en) - Essen & Besitz - Verantwortung zur Fürsorge []

 

Über den Autor

David Decker

Ein Erzgebirger, Jahrgang 1977. Musikliebhaber, Radfahrer, Webseiten- und Bücherleser, Kommunalpolitiker, Gemeindemitarbeiter, Gotteskind, Blogger, WordPress-Anwender... Und: Herausgeber von ekkaleo.de [weitere Infos hier...]

2 Reaktionen zu “ Armut? Biblisch? (Blog Action Day 2008 Teil II) ”

  1. [...] DE: Dieser Beitrag ist Teil I meines Feature zum “Blog Action Day 2008 - Armut” — Teil II hier … [...]

  2. [...] Doch gerade dieser Nebeneffekt schaffte Vertrauen. Einiges von diesem Vortrag habe ich meinem Artikel zur Armut zum 2008er Blog Action Day bereits mit [...]

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