Deutschland blickt südost: Sachsens kontinuierlicher Bildungserfolg!

Sachsen trägt derzeit die Krone des deutschen Bildungssystems

Sachsen trägt derzeit die Krone des deutschen Bildungssystems

Da bin ich so stolz drauf: über diesen Sieg, besser: Triumph, des Freistaates Sachsen beim nationalen Pisa-Vergleich in Deutschland (PISA-E). Einige Insider mögen es geahnt haben; Experten waren durch vorherige Tests mit dritten bzw. zweiten Plätzen von Sachsen “vorgewarnt”. Dieser Sieg nun, besonders in seiner Deutlichkeit, hat eine sympathische Botschaft: Sachsen hat seit 1990 sehr gute Arbeit geleistet, ist eigene Wege gegangen und hat das Allermeiste richtig gemacht. So sieht erfolgreiche Aufbau- und Reformpolitik aus! Sachsen ist eines der ältesten und traditionsreichsten Deutschen Länder und knüpft damit an seine eigene Erfolgsgeschichte(n) vergangener Zeiten an. Das Industrieland galt seit jeher als Region der Köpfe, der Tüftler und Erfinder sowie der Kulturschaffenden. All das war und ist natürlich ohne Bildung nicht zu haben!

 
Warum mich das so stolz macht?

Ganz einfach: Sachsen ist meine Heimat und ich habe die Schulreform am Anfang selbst miterlebt. 1992 folgte nach der friedlichen Revolution von 1989 der notwendige “große Einschnitt”. Gymnasien wurden wieder eingeführt, ebenso das neue Kernprojekt Mittelschule (Haupt- u. Realschulabschluß möglich). Die POS aus der DDR, rein bildungstechnisch durchaus ein Erfolgsmodell (mal das DDR-Rotlicht rausgestrichen!), gehörte damit der Geschichte an. Es herrschte Aufbruchstimmung, Wagemut und Experimentierfreude. Lehrer und Schüler, ja die Gesellschaft, waren offen für Neues. Dies wandelte sich jedoch relativ schnell: das Klagen über das sächsische Schulsystem wuchs an. Viele Lehrer, nicht nur “Rübergerettete” aus DDR-Zeiten, auch die neu aufgestellten Gewerkschaftsfraktionen, monierten das Bildungssystem. Beim Blick in die Medien zu dem Thema wurde einem regelmäßig die Stimmung vermiest, nahm man all das ernst, was man las, sah und hörte. Dass es nicht der Realität entsprach, konnte man in Gesprächen mit Schülern feststellen. Oder man sah sich die Schullandschaft und ihre Früchte an, bis hin zu den Unis des Freistaates, und erkannte: hier geschieht viel Gutes, es wird nur von einigen Kreisen schlechtgeredet. Zur Kernkritik gehörte das Schlechtmachen der Mittelschulen, dabei sind gerade sie es, die das gesunde Rückgrat bilden.

Die Beharrlichkeit für das sächsische Konzept gab es nicht nur im Kultusministerium in Dresden, sondern selbstverständlich in der sächsischen CDU und deren Landtagsfraktion. Dort wurden letztlich für das Bildungskonzept die Ideen entwickelt. Auch in den schwierigen Jahren ab 2004, wo aufgrund von Schulschließungen vielerorts Krisenstimmung aufkam, behielt man klaren Kurs. Die schmerzliche Anpassung der Schulstandorte war notwendig, um zukunftsfähig zu bleiben, aufgrund sinkender Schülerzahlen. Diese Zahlen waren übrigens allen seit Jahren bekannt, allein bei der Sächsischen Union bleib das Heft des Handelns hängen. Erfreulicherweise wurde durchgesetzt, dass am Konzept der Mittelschulen nichts verändert wurde - trotz starkem SPD-Widerstand. Heute wird genau dieses Kernkonzept in allen Kommentaren zum sächsischen PISA-Sieg gelobt. Ein später Sieg, jedoch absolut verdient!

 
Und was hat das mit diesem Blog hier zu tun?

Ganz einfach: es geht um Verantwortung, Authenzität und Glaubwürdigkeit. Die Sächsische Landesregierung hielt seit 1992 an ihrem Grundkonzept in Sach(s)en Bildung fest. Gerade diese Kontinuität ist Grundlage des PISA-Triumphes. Veränderungen ja, aber in einem neuen System eben nur “tropfenweise”. Ein Bildungs- bzw. Schulsystem ist eben kein Feld, wo man jeden Tag neu experimentieren könnte. Optimierung ja, jedoch nicht jeden Tag alles über den Haufen schmeißen. Hier haben die Aufbau-Pioniere seit 1990 klug Verantwortung übernommen, die weit in die Zukunft reicht(e). Sie dachten vor und nun kann die ganze Gesellschaft die Früchte ernten. So wird Gemeinwohl gemehrt. Außerdem behält der “Aufbau Ost” seine Glaubwürdigkeit: Hier wurde nichts verpulvert, sondern sinnvoll in die Zukunft aller Menschen investiert. Sicher, einige sogenannte “Alte Bundesländer” mögen etwas alt aussehen mit ihren Ergebnissen. Jedoch ist dies keine Schande. Einmal Richtung Südosten zu blicken und Deutschlands Osten ernst zu nehmen, Ideen-Transfer Ost => West hat noch niemand geschadet. Ganz im Gegenteil.

Weitere Informationen:

Über den Autor

David Decker

Ein Erzgebirger, Jahrgang 1977. Musikliebhaber, Radfahrer, Webseiten- und Bücherleser, Kommunalpolitiker, Gemeindemitarbeiter, Gotteskind, Blogger, WordPress-Anwender... Und: Herausgeber von ekkaleo.de [weitere Infos hier...]

3 Reaktionen zu “ Deutschland blickt südost: Sachsens kontinuierlicher Bildungserfolg! ”

  1. ok, ihr habt nur gewonnen, weil nach der Wende bei euch alle abgehauen sind und ihr auf einmal vieeeel weniger Schüler als andere Bundesländer in euren Klassen hattet. Darauf waren eure Politiker ziemlich schlau und haben die geringe Klassengröße als “Feature” gehypt. Der gute Pisaabschnitt kommt hauptsächlich dadurch, dass es bei euch keine Hauptschulen gibt und ihr viel kleinere Klassen habt, in denen man erwiesenermaßen besser lernt.

  2. @Helm77:
    Da ist etwas Wahres dran, aber eben nur etwas. Nach der friedlichen Revolution gab es hier und da “Verluste” (habs in der eigenen Klasse erlebt). Aber auch nicht so dramatisch. Nach der Schulreform 1992 hat sich aber vieles geändert, die Klassenstärken sind zunächst teilweise massiv angewachsen. Meine 8. Klasse bis Sommer 1992 hatte am Ende noch 22 Schüler, was eigentlich ideal war. Ab dem Schuljahr 92/93, dann erstmals auf dem neuen Gymnasium waren wir 34 Schüler in der Klasse - und so in etwa war das überall. Da gab es zudem noch oft Lehrermangel, weil es bis dato keine Ethik- u. Religionslehrer gab und auch in anderen Fächern für die Lehrer zahlreiche “Umschulungen” bzw. Weiterbildungen anstanden. Dennoch haben wir in 12 Jahren alles gut geschafft.

    Richtig, es gibt keine Hauptschulen, sondern man kann “nur” diesen Abschluss machen. Das ist wirklich gut, die Mittelschulen können so viele Profile anbieten und das bringt allen Beteiligten etwas.

    Der andere Ansatz bei den Naturwissenschaften rührt noch von DDR-Zeiten her, reicht aber in Wahrheit noch weiter in die Geschichte zurück, denn Sachsen war seit dem Mittelalter Bergbauland und seit der industriellen Revolution Industrieland. D.h. es wurden immer entsprechende Fachrichtungen gebraucht. Diese Mentalität hat sich im Prinzip bis heute bewahrt. In den letzten Jahren wurden sogar die Bedingungen wieder verschärft, denn das sogenannte “Abwählen” von naturwissenschaftl. Fächern wurde stark eingeschränkt. Zu meiner Abizeit 1996 war das ganz anders, da reichte im Prinzip Mathe-Grundkurs und eine weitere Naturwissenschaft 1 Jahr. Dies hat man erfreulicherweise etwas geändert.

    Ich persönlich sehe als Faktoren einen Mix: Mittelschule, Naturwissenschaften stark, relativ kleine Klassen, viele Lehrer. Wobei die beiden letzteren erst in den letzten Jahren zum Zug kamen.

  3. …also ich als Lehrer hasse große Klassen. Aus eigener Erfahrung. Mir würde es schon reichen, wenn wir hier Klassen mit 20 Leuten hätten, da wäre vieles einfacher.

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