Volkstrauertag - im Bewußtsein oder vergessene Tradition?

Kerzen der Trauer (Bild: SXC.hu, korionov)

Kerzen der Trauer
(Bild: SXC.hu, korionov)

Vermutlich eher Wenigen ist im Bewußtsein, was heute für ein sogenannter “Stiller Gedenktag” in Deutschland ist. Der Volkstrauertag entstand 1919 auf Initiative des “Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge”. Ziel des Volksbundes war es, den gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges zu gedenken. Zunächst war der Gedenktag stark patriotisch, ja nationalistisch aufgeladen. Als dem Ersten unseligerweise ein Zweiter Weltkrieg folgte und die Zahl der Gefallenen, nicht nur der Soldaten, ins unermeßliche stieg, wurde die Notwendigkeit einer echten Trauer, eines Gedenktages immer dringlicher. Seit 1952 gibt es den Volkstrauertag in der Bundesrepublik als offiziellen Gedenktag; immer zwei Wochen vor dem 1. Advent. Bisweilen mag dieser Tag vergessen werden oder zu einer lieben Tradition geworden sein. Schade wäre das, denn dazu brauchen wir es nicht kommen lassen.

 

“Richte uns wieder auf, Gott unseres Heils! Lass deinen Unmut gegen uns schwinden! Willst du denn ewig auf uns zornig sein? Wird dein Grimm denn nie zu Ende gehen? Willst du uns nicht selbst wieder beleben, damit dein Volk sich über dich freut?

Lass uns deine Gnade schauen, Jahwe, und schenke uns wieder dein Heil! Hören will ich, was Gott sagt, was Jahwe reden wird. Gewiss spricht er vom Frieden für sein Volk und für alle, die ihm gehorchen. Doch sollen sie ihre Torheit nie wiederholen!

Gewiss ist sein Heil bei denen, die ihn fürchten, damit seine Herrlichkeit bald wieder in unsrem Land wohnt. Gnade und Wahrheit sind sich begegnet, Gerechtigkeit und Friede küssen sich. Die Treue sprießt aus der Erde hervor und die Gerechtigkeit schaut vom Himmel herab. Jahwe wird Gelingen geben und unser Land bringt reichen Ertrag. Gerechtigkeit geht vor ihm her und bereitet seinen Füßen den Weg.”

~ Die Bibel (Psalm 85,5-14 - nach Neuer evangelistischer Übersetzung)

 
In den letzten Jahren durfte ich bereits an einigen Gedenkveranstaltungen zu diesem Tag teilnehmen, in diesem Jahr war ich in Hormersdorf/Erzgebirge am Denkmal für die Toten dieses Ortes. Das Denkmal wurde 1928 von Bürgern des kleinen Dorfes errichtet, feierte also heuer sein 80-jähriges Bestehen. Bisher galt das Denkmal den Opfern des 1. Weltkrieges, nun liegt die Entscheidung vor, es in nächster Zeit für die Opfer des 2. Weltkrieges zu erweitern. Dies ist nicht nur sinnvoll, um als Mahnmal der Kriege zu wirken, sondern auch, um das Erinnern in die nächste Generation “zu bringen”. Dies ist notwendig, weil genau das bei den jungen Leuten wegzubrechen scheint. Zwar waren erfreulicherweise Bürgerinnen und Bürger der jungen, mittleren und älteren Generation zur Gedenkstunde 2008 anwesend, doch leider gibt es ebenso unerfreuliche Entwicklungen: Redner berichteten von 7. und 8. Schulklassen, die keine Antwort wußten auf die Frage, was “Reichskristallnacht” oder Pogrom bedeutet. Das stimmt nachdenklich, zeigt aber gleichzeitig, dass es eine Gesellschaftsaufgabe ist, dieses Wissen wachzuhalten.

Es geht nicht um eine aufgesetzte oder erzwungene “Erinnerungskultur”, sondern es geht um Information und Aufklärung, damit auch nachfolgende Generationen wissen, was einst war, damit es sich nicht wiederholt. In den Kriegen wurde unvorstellbares Leid über Europa gebracht; erst in den Einzelschicksalen von Familien wird es nachvollziehbar und verstehbar. Wenn man nur bedenkt, wieviele Tote die beiden Weltkriege in nur einem einzelnen Erzgebirgsdorf forderten, dann schaudert es einen. Deshalb ist es gut, einmal im Jahr an einem naßkalten, stürmischen Novemberabend so eine Gedenkstunde “durchzuziehen”, mit dem notwendigen Maß an Einfühlungsvermögen, damit Nachwirkungen entstehen.

In einer Ansprache des Pfarrers wurde der Bogen vom Gedenken hin zur Überwindung von Krieg, Terror und Trauer gezogen: Versöhnung und Frieden machte er den Anwesenden groß. “Frieden ohne Gottesbezug ist undenkbar”, hieß es da. Die Gottesbeziehung des Einzelnen ist notwendig, weil Vergebung, Versöhnung und Friedensstifter-sein Zuhause beginnt, im Alltag. Die Kraft dafür will Gott schenken durch Jesus Christus.

Der Liedermacher Lutz Scheufler singt in einem Lied zum Thema Frieden:

Frieden wird werden, Frieden auf Erden.
Frieden wird sein, läßt du Jesus in dein Leben ein.

Kein Frieden in der Welt ohne Frieden zwischen Völkern,
kein Frieden zwischen Völkern ohne Frieden im Land,
kein Frieden im Land ohne Frieden in den Städten,
kein Frieden in den Städten ohne Frieden im Haus.

Kein Frieden im Haus ohne Frieden zwischen Menschen,
kein Frieden zwischen Menschen ohne Frieden in mir,
kein Frieden in mir selber ohne Frieden mit dem Schöpfer,
nur Jesus ganz allein, gibt dir den Frieden mit Gott!

Wo solch ein Frieden da ist, wird kein Gedanke an Krieg gehegt. Ich wünsche uns diesen Zustand, nicht nur persönlich, sondern für unser Land und weltweit. In diesem Sinne sei der Volkstrauertag ein Gedenktag, der uns das bewußt macht und damit höchst lebendig wird, bzw. ist und bleibt.

Über den Autor

David Decker

Ein Erzgebirger, Jahrgang 1977. Musikliebhaber, Radfahrer, Webseiten- und Bücherleser, Kommunalpolitiker, Gemeindemitarbeiter, Gotteskind, Blogger, WordPress-Anwender... Und: Herausgeber von ekkaleo.de [weitere Infos hier...]

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