Was ich an der Emerging Church liebe
So, und nun aufgemerkt:
- Ich finde es absolut klasse, dass die Emerging Church viele Dinge wieder vom Kopf auf die Füße stellt. Zumindest wird es das bedeuteten für Christen bzw. Gemeinden, die dies neu ernst nehmen. Ich meine solche Sachen, dass der Glaube in den Alltag gehört, den Fokus auf das Evangelium, auf die Mission und den sozial-missionarischen Dienst an den Menschen! Bis dahin, dass es gar um missionale Gemeinschaften geht, also wo Mission alle Fasern des Gemeindelebens bestimmt. – Dies trifft vielfach wunde Punkte, es ist aber notwendig, dass wir uns dem stellen und die Antworten für die heutige Zeit und Generation finden. Für mich verkörpert die Emerging-Church-Bewegung genau damit den Paradigmenwechsel.
- Eine Sache, die einen wirklich fast anspringt, ist? – Leidenschaft! Emerging Church könnte auch Leidenschaft oder „Passion“ heißen! Warum: einfach, weil die Leute so leidenschaftlich ihr Ding tun! Sie sind angezündet vom Evangelium, lieben Gottes Wort und ihre Mitmenschen. Sie leben ihren Glauben, weil es das Höchste für sie ist, sie tun es nicht aus Zwang, aus einem (frommen) Leistungsdruck heraus. Es ist ihre Berufung. Sie können nicht anders. Das fasziniert mich, weil es eine neue, unverkrampfte Radikalität zum Ausdruck bringt, oder mit einem alten Wort gesagt: „natürlichen Glauben“.
- Ich finde es richtig stark, dass die EC kulturelles, politisches, wirtschaftliches, soziales Engagement von Christen nicht nur befürwortet, sondern auch begründet und für notwendig für die Gemeinde ansieht. Das mag für viele revolutionär erscheinen. Und genau das ist es auch, zumindest, wenn man die vielen „Verkrustungen“ in diesen Bereichen ansieht. Leider ist es für manche Christen bzw. Gemeinden geradezu ein Dogma, sich „aus der Welt abzusondern“. Die Emerging-Church-Bewegung bemüht sich hier ein notwendiges Gegenmodell darzustellen: die verminten Felder müssen geräumt werden. Christen in der Politik sollten beispielsweise nicht weiter verdammt werden, sondern Unterstützung erfahren und ihr Dienst in einen größeren Kontext gestellt werden.
- Ich liebe es, dass die (übergroße Mehrheit der) EC versucht, sich ganz an der Bibel zu orientieren: d.h. wörtlich nehmen. Insofern kann man die EC als Bibelbewegung bezeichnen. Auch wenn es bereits Bibelbewegungen gab und gibt: so ein Vorgehen und Anliegen ist absolut löblich und unterstützenswert! – Wenn Gottes Wort ewige Wahrheit ist, dann gilt es auch jetzt in dieser Zeit und in Zukunft. Daher gibt es keinen Grund, die Bibel gering zu schätzen, selbst in der Postmoderne.
- Der EC geht es um lebendige, relevante christliche Gemeinschaften – sie predigt absolut keine Gesetzlichkeit, sondern inkarnierten Glaube. Gerade der „verkörperte Glaube“ ist für den einzelnen Christen lebensnotwendig, wie für die gesamte christliche Gemeinde. Dadurch entsteht automatisch Relevanz. – Dies ist jedoch auch eine sehr schmerzliche Frage für bestehende Gemeinschaften (bzw. Gemeindehäuser…): Was wäre, wenn es euch ab morgen nicht mehr geben würde an diesem Ort? Wäre dann etwas in diesem Ort anders? An solche Fragen müssen wir endlich ran!
- Fast allen Vertretern der EC spürt man ein ernstes, authentisches Bestreben für Gemeinde, für Mission und Beziehungen an. Dies schafft Glaubwürdigkeit und bietet zahlreiche Vorbilder. Hier wird nicht nur gepredigt, diskutiert und „erfunden“, sondern bereits vorgelebt.
- Die EC sieht sich als unfertig und als in der Entwicklung begriffen an. Man sieht sich auf dem Weg und nicht am Ziel. – Dies ist wichtig, denn bisher wird viel bereits „vom Ende her gedacht“ und damit unüberwindlicher Perfektionismus erzeugt. Wichtig für Gemeinde muss jedoch sein: ‚Fehler dürfen gemacht werden‘ – sie passieren ja automatisch, doch unser Perfektionismus führt oft in eigentlich vermeidbare Konflikte.
- Die EC lenkt die Blickrichtung weg vom Kirchen- und Gemeindegebäude hin zu den Menschen und tut es damit Jesus gleich. Der Mensch ist eben nicht nur gefallener Sünder, sondern er wurde ja auch im Bilde Gottes erschaffen. Wenn Jesus das Reich Gottes predigte, dann vertrat er eine ganzheitliche Sicht. Und dabei lagen und liegen Ihm die Menschen in diesem göttlichen Reich am Herzen!
- Der EC geht es nicht um „erneuerte Gemeinden“, sondern Gemeinden neuen Typs, d.h. Gemeinden für den jeweiligen Kontext. Dabei versucht sich die EC ganz stark am biblischen/ urgemeindlichen Modell zu orientieren. Die Herausforderung wird dabei aus meiner Sicht sein, wie man den Kontext definiert und wie es letztlich dabei gelingt, das Salz kraftvoll zu halten und das Licht leuchtend hell (vgl. Matthäus 5,16).
- Die EC ermutigte und ermutigt viele Menschen weltweit ganz neu ihre Welt (ihre Region, ihren Mikrokosmos, ihren Ort) zu transformieren, missionieren, evangelisieren. Dieser (neue?) kulturrelevante Ansatz ist wirklich für viele eine Ermutigung ihr Umfeld mit Christus in Verbindung zu bringen bzw. die (vorbereiteten) „Change Agents“ zu finden. Mein Verständnis davon ist, dass wir als Botschafter an Christi statt gesandt sind und Menschen bitten, sich mit Gott versöhnen zu lassen (vgl. 2. Korinther 5,20). D.h. Christen gehen hin, lassen nicht kommen. Und es heißt weiterhin, nicht fromme Literatur abzusetzen und dann zu verschwinden, sondern Beziehungen aufzubauen und den Menschen zu dienen, um dadurch auch Gesellschaft im Sinne Gottes umzugestalten.
- Die EC hat keine Angst vor neuen Ansätzen und ist daher in der Lage, wo notwendig, alte Zöpfe abzuschneiden. Eine Eigenschaft, die leider viele Christen und Gemeinschaften absolut verlernt haben. Zu hinterfragen, warum und wie man etwas macht, und vielleicht auch wer, ist notwendig, um korrigierbar und authentisch zu bleiben.
- Die EC verkörpert einen dialogischen, dezentralen Ansatz. D.h. für mich, dass es kleine Einheiten geben kann und darf, die selbständig sind, aber auch über den eigenen Tellerrand hinaus vernetzt sind und sich gegenseitig befruchten.
- Zahlreiche barsche, handfeste, meist konservative Kritiker heben erstaunlich einstimmig viele der oben genannten positiven Eigenschaften besonders hervor. Dabei ist dieser Umstand vielleicht das schönste und unumstößlichste Lob selbst!






[...] Was ich an der Emerging Church liebe Das, was mich begeistert an dieser Bewegung, womit ich mich identifiziere [...]
[...] nachahmenswert finde! – D.h. erst die Anfragen und Bedenken, dann aber notwendigerweise auch die Begeisterung und die Ermutigung. Ich hoffe diese ausgleichende Vorgehensweise wird anerkannt werden. Dafür Danke im [...]
[...] “Was ich an der Emerging Church liebe“ [...]
Den letzten Punkt sehe ich leider nicht wirklich, vielleicht lese ich ja die falschen Konservativen :-)
Ich habe manchmal eher das Gefühl, wenn man bei den Konservativen kritisiert wird, weiß man, dass man auf dem richtigen Weg ist.