Cae & Eddie Gauntt - Christmas
In einer seiner Weihnachtspredigten sagte Martin Luther einmal:
“Was nützte es mir, wenn Christus eintausend Mal geboren wäre und es würde täglich auf liebliche Weise in meine Ohren hineingesungen - wenn ich aber doch niemals vernähme, dass er für mich geboren und mein Eigen sein?”
(frei nach Martin Luther, Weihnachtspostille von 1522 / WA 10,1,1; 79,14-16)
So “beginnt” das vorliegende Album im Booklet. Und es ist ja wirklich was dran: Cae & Eddie Gauntt können noch so würdig und lieblich in unsere Ohren singen, wenn das, was sie darbieten, nicht im Herzen ankommt, wird die Mühe vergeblich sein. Womit wir mitten im Geschehen wären:
Nach rund sechs Jahren hin- und her bzw. “Pause” liegt nun 2005 endlich das Weihnachtsalbum vom Ehepaar Gauntt vor - von der beliebten christlichen Popsängerin und vom geschätzten Opern-Bariton. Beim Untergang ihres Labels ‘Pila Music’ war jene Veröffentlichung erst verschoben, dann gestrichen worden. Nun hat sich ihre neue Plattenfirma über das Projekt “erbarmt”, es mit neuem Elan - aber gleichem Produzenten - angegangen und dabei einen Volltreffer gelandet. Neben den vier, von der limitierten Vorab-Single “This Love Is A Child” (2000, Hänssler) bekannten, Stücken und dem Beitrag zum 1998er Hänssler-Weihnachtssampler gibt es immerhin neun brandneue Titel zu hören. Und ja, auch für treue Fans lohnt sich allein deswegen die Anschaffung! Schlicht mit “Christmas” (dt.: “Christ-Messe”; “Weihnachten”) betitelt, deutet schon allein dieser Umstand auf eine mögliche neue Referenz für das Genre hin.
Man hört, dass dieses Opus beiden Künstlern ein Herzensanliegen war und kein reiner Labelauftrag, hier stimmt einfach alles. Mit Florian Sitzmann konnte wohl auch kein prädestinierterer Produzent verpflichtet werden. Alles ist auf den Punkt arrangiert, die Vokals dabei natürlich immer im Vordergrund. Neben zahlreichen Gastmusikern bzw. Instrumentalisten, war übrigens auch ein Orchester an den Aufnahmen beteiligt. Besonders gut gefällt mir die Aufnahme zweier Neukompositionen, geschrieben von Cae Gauntt (”It Took A King”, #2) und Danny Plett (”Symbols And Saints”, #5). Daneben gibt es Cover von Jochen Klepper (”Die Nacht ist vorgedrungen”, #7), Leonard Bernstein (”Somewhere”, #8) sowie Traditionals (”I Wonder As I Wander”, #3 sowie “Stille Nacht / Silent night”, #1) zu hören.
“Sing Your Praise To The Lord” von Rich Mullins geht hier eine überraschende Liason mit dem Choral “Lobet den Herren” ein: Das ist kein Experiment, sondern frohes Gotteslob auf eine erfrischende Art und Weise. Eben, lobet den Herren, Psalter und Harfe wacht auf ;-) Eine - durchaus streitbare - deutsche Übertragung des Neuzeit-Weihnachtsklassikers von Amy Grant hat Marion Sitzmann vorgelegt: Cae Gauntt singt den “Hauch des Himmels” (#10; Original “Breath Of Heaven”) absolut souverän und wird sicher nicht der letzte Interpret dieser neuen Version bleiben! Mit “Child In A Manger” (#11) erklingt eine gälische Volksweise - nun ist außerdem klar, woher Cat Steven’s Melodie zu “Morning Has Broken” stammt… Thematisch dreht sich hier alles glasklar um das “heiligste Kind, welches Rettung bringt”. Jesajas Prophetie genau darauf ist bekanntlich im frühneuzeitlichen “Es ist ein Ros entsprungen” (#6) vertont; hier in einer kurzen, doch atemberaubenden Version vorgetragen, sogar mit lateinischem Präludium.
Neben dem großvolumigen, dennoch zu keiner Zeit bombastischen, Gesang und Sound (gute Anlage erforderlich!) vertieft das liebenswürdig gestaltete Äußere den positiven Gesamteindruck. Das zweisprachige Booklet im edlen Digipack liefert so die deutschen Übertragungen englischer Liedtexte - damit die Botschaft ankommt.
Fazit: Cae und Eddie Gauntt schicken sich an, das wohl überraschendste und “klassischste” zeitgenössischte Weihnachtsalbum des Jahres vorgelegt zu haben. “Christmas” ist Musikgenuß auf hohem Niveau und gleichzeitig die Erinnerung, dass Weihnachten für dich und mich ganz persönlich geschah und sein mußte.
—David Decker für CCM-Rezis, November 2005
Daten: 14 Titel / 55 Min.
Musikstil: Weihnachts-Klassik-Pop
Label(s): 2005 Gerth Medien, Asslar
Im Web: www.caegauntt.de






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