David Awards 2009 – irrelevant?

David Awards 2009 - Wohin geht die Reise? (Bild: davidawards.de / Bearbeitung: ekkaleo.de)

David Awards 2009 - Wohin geht die Reise? (Bild: davidawards.de / Bearbeitung: ekkaleo.de)

Seit 2007 gibt es die „David Awards“, vorher waren es jahrelang die „Promikon Awards“ (Promikon ist jedoch bei beiden der Herausgeber). Über die Bedeutung und Relevanz dieser eigen-artigen Veranstaltung wird schon seit Jahren gemutmaßt oder bisweilen sehr kontrovers diskutiert. Der 2009er Jahrgang macht da keine Ausnahme von der Regel. Mir sind keine zwei aufeinanderfolgenden Jahre dieser Awards mit komplett identischen Kategorien oder gar identischer Jury-Besetzung bekannt (falls ich irre, bitte in den Kommentaren melden). Von den Regeln der Nominierung und Abstimmung noch gar nicht gesprochen… Zudem sind mir aus über 10 Jahren dieser Awards gerade mal noch drei oder vier Preisträger in Erinnerung geblieben. Im Rückblick muss ich eher auf die gewachsene, aber gerade deswegen zweifelhafte, Vermarktung der Preise denken: in den Verkaufsblättchen der christlichen Verlage hat es die Awardvergabe meist sofort geschafft, genau wie in die zahlreichen Pressemeldungen. In der Szene selbst und zur Förderung derselben ist mir kein Verdienst dieses Projektes bekannt. Der Eindruck einer selbstreferentiellen Show für die christliche Medienbranche verstärkt sich zusehends.

Ok, kommen wir zu einer Betrachtung des 2009er „David Awards“ bzw. dessen inzwischen vorliegender Nominierungen:

Zuerst, die „Fachjury“:
Hier sind die Musikchefs von Gerth Medien und Hänssler (bzw. SCM – Stiftung Christliche Medien) dabei, was auch sofort verwundert. Selbst wenn es gar nicht so wäre, der Verdacht bleibt, dass man sich damit Auszeichnungen für die Pferde im eigenen Label-Stall zuschanzt. Ansonsten erschließt sich mir die weitere Besetzung des Gremiums ebenfalls nicht. So ist etwa Steve Volke dabei, der als „Musikfachmann“ gelistet ist. Was ihn dazu befähigt, frage ich mich? Etwa, dass er vor ganz vielen Jahren mal ein Musikmagazin herausgab? Oder weil er Leiter von “Compassion Deutschland” ist (was nix mit Musik zu tun hat)? Eine Sucheingabe bei Google mit „steve volke musik“ bringt keine verwertbaren Treffer zutage. Seine Mitgliedschaft bleibt daher untransparent. Bernd Merz als Leiter von tru:tv und BibelTV verstehe ich auch nicht ganz: Ein VJ, also Moderator/in einer Musiksendung von tru:tv, wäre weitaus nachvollziehbarer gewesen. Diese Besetzung bleibt damit ebenso unklar. Patrick Reusch ist als „Sänger von Crushead“ gelistet, wobei dem geneigten Szene-Beobachter auffällt, dass sich die Band 2008 mit viel Getöse aufgelöst hat. Daher stelle ich auch diese Mitgliedschaft in Frage. Somit wäre kein offiziell aktiver Musiker mehr in der Jury – auch interessant. Einzig in Ordnung gehen in der Besetzung Ralf Wieland, als Veranstalterpersönlichkeit sowie der Musikchef des holländischen Flevo Festivals, Wilfred Stegehuis (andererseits: warum unbedingt ein Holländer?).

Weiter, mit der „Nominierung“:
Die Regeln zur Nominierung sind auf der Webseite nachzulesen. Das Prozedere scheint formal soweit in Ordnung zu gehen. Allerdings fällt auf, dass praktisch jede Kategorie von einem anderen Partner bzw. Medium präsentiert wird. Dabei wiederum verstehe ich nicht, wieso die „Stiftung Christliche Medien“ (SCM) mehrfach direkt bzw. indirekt mit auftaucht? Die SCM stellt bereits ein Jury-Mitglied, präsentiert jedoch mit ihrem Web-Portal „jesus.de“ auch die Kategorie „Website“ und mit ihrer Zeitschrift „dran“ die Kategorie „Newcomer“. Zudem ist Kategorie „Nationaler Künstler“ mit CrossChannel.de verbunden, ein Angebot des ERF, dessen Verlag ebenfalls Mitglied in der SCM ist. Fragwürdig bleiben für mich die Abstimmungen bei den einzelnen Kategoriepartnern, die alle auf anderer Grundlage bzw. mit anderer Technik erfolgten. Ob hier manipuliert wurde von Abstimmern bzw. ob rein technisch dazu die Möglichkeit bestanden hätte, ist leider unbekannt. Dabei wäre ein einheitlicher Standard absolut notwendig, um Missbrauch vorzubeugen und einheitliche Vergleichskriterien zu haben. Ob die einzelnen Votings überhaupt in irgendeiner Hinsicht repräsentativ sind (bzw. überhaupt sein können), bleibt für mich persönlich sowieso eine offene Frage. – Auch die jetzt zur Abstimmung stehende Nominierten-Liste läuft ohne Double Opt-In-Verfahren, was Missbrauch zuläßt, wenn etwa Fan-Horden eines Nominierten versuchen, ihren Liebling „nach vorn zu bringen“. Wie die allgemeine Erfahrung im Web seit Jahren zeigt, ist dies bei Votings leider Gang und Gäbe.

Und nun direkt zu den Nominierungen bzw. zur Endausscheidung:
Diese umfangreiche Liste erscheint mir sehr kommentierwürdig zu sein, denn auch da finde ich viele Ungereimtheiten.

a) Newcomer: 1. Arbaitnehmer 2. Sacrety 3. Vicky Preus & Band
Nr. 1 gibt es mindestens seit 2006, wie aus der Bandwebseite hervorgeht. Nr. 3, Vicky Preus, scheint auch absolut keine Newcomerin zu sein, wie ihre Webseite samt sämtlicher Projekte eindeutig ausweist. Nr. 2 ist seit 2007 aktiv und kommt damit dem Newcomerstatus wohl noch am nähesten.

b) Nationaler Künstler: 1. Andi Weiss 2. Die Mütter 3. Echtzeit
Bei aller Liebe, aber was „Die Mütter“ als nationalen Künstler auszeichnet für 2008/2009, verstehe ich nicht. Ihre CD erschien bereits 2006. Nr. 1 und 3 gehen jedoch in Ordnung. Obwohl insgesamt 3 Nominierte doch sehr wenig ist, 5 oder 10 hätten es gut und gerne auch sein können. Übrigens sind Nr. 1 und 2 bei Gerth Medien unter Vertrag…

c) Internationaler Künstler: 1. Casting Crowns 2. Matt Redman 3. Jeremy Camp
Nr. 1 und 3 gehen in Ordnung, da in den Vereinigten Staaten sehr bekannt und auch 2008 mit neuen Projekten am Start. Matt Redman erschließt sich mir nicht, sein letztes Album erschien bereits 2006. Vermutlich wurde er nur nominiert, weil er 2008 beim Christival in Bremen auftrat, so mein Eindruck. Für ihn spricht, dass er eigentlich aus Europa stammt und somit nicht alles den Amis überlassen wäre. Wobei, Mr. Redman ist vor Jahren auch nach Amiland übergesiedelt… :-)

d) Album des Jahres: 1. Jesus bewegt Festival 2. Sarah Brendel 3. Andrea Adams-Frey/Albert Frey
Dies bezieht sich auf „national“ muss man dazu sagen. Diese Kategorie geht einigermaßen, denn Nr. 1 und 2 sind würdige Nominierungen. Das neue 2008er Album von Nr. 3 kenne ich (noch) nicht und enthalte mich deshalb. Und, wer hätte das nicht gedacht: Alle drei sind tatsächlich entweder bei SCM oder Gerth erschienen!

e) Website Künstler/Band: 1. Himmelscafe 2. Ceil 3. Jens Böttcher
Um es vorweg zu nehmen, diese Kategorie schießt den Vogel ab! Wenn man bedenkt, dass die Nominierungen vom Webportal „jesus.de“ vorgenommen wurden (die 1998 als christlicher Suchkatalog starteten und seit Jahren eine Community sind), dann ist das Ergebnis umso unverständlicher. Generell ist zu bemängeln, dass auf der Abstimmungsseite nicht einmal die Webseiten verlinkt sind, daher unklar ist, welche überhaupt gemeint sind. Ich mußte also ergooglen, wer oder was es sein könnte. Nr. 1: Startseite und gesamte Webseite als Metapher gestaltet, was eigentlich seit Jahren aus der Mode ist. Um zu Inhalten zu gelangen, muss man ziemlich raten bzw. wild klicken. Was die ganze Seite soll, weiß ich nach einem Spontanbesuch leider nicht. Zudem fehlt ein Impressum, und da es sich offensichtlich nicht um ein privates Angebot handelt, ist sie damit sogar genau genommen „ungesetzlich“. Nr. 2: Diese Seite geht als Bandseite voll in Ordnung, paßt auch zum Stil der Band: rauh, originell, modern. Da sind mit Blog, Video- und Portallinks alle derzeitigen Standards dabei; sogar Liedtexte bietet die Seite (Impressum vorhanden, übrigens). Nr. 3: Wie Nr. 1 mit Metapher und ohne Impressum, damit im Prinzip ebenfalls „ungesetzlich“. So leid es mir für den Künstler Jens Böttcher tut, aber so eine Webseite geht nunmal gar nicht. Und wie man die als „jesus.de“ nominieren kann, weiß ich nicht. Ich meine, der reine Textinhalt ist absolute Spitze, aber für einen solchen Award muss halt schon das Gesamtsystem stimmen. — Andererseits: würde sie am Ende gewinnen, wäre das für den Künstler und seine Inhalte schön, für die Kategoriepräsenter und aus webtechnischen Überlegungen heraus eher peinlich. Sollte das passieren, verstehen vielleicht die Leute einmal, was bei diesen Awards eigentlich schief läuft?!?

f) “Musik Clip 2009″:
Die Webseite des „David Award“ verrät dazu: „wurde von den Zuschauern von [tru:] young television ermittelt. Der Gewinner wird von der Jury ermittelt.“ – Da frage ich mich, wer nun was wählt oder ermittelt bzw. dies schon getan hat??? Offenbar keine klaren Regeln bzw. Zuständigkeiten!

g) “Künstlerpersönlichkeit 2009″: Christop Zehendner – bereits als Juryentscheidung bekanntgegeben (!)
Warum wird dies knapp zwei Monate vor der eigentlichen Awardshow bekanntgegeben? Was will man damit erreichen? – Christoph Zehendner wäre bzw. ist absolut verdienter Preisträger in dieser Kategorie, dies werden mir sicher viele bestätigen können. Trotzdem ist auch hier die Vergabe nicht ganz unzweifelhaft. Denn: In der Jury sitzt der Musikchef seines derzeitigen Labels und gerade dort hat der Geehrte im Jahr 2008 sein neuestes Album veröffentlicht. – Die Frage bleibt, warum diese Entscheidung vor der Award-Show bekannt gemacht wurde? Etwa damit Gerth Medien seine Prospekte schon mit dem Gewinner drucken kann? Ein Schelm wer Böses dabei denkt.

 
Fazit: Die „David Awards“ tun rein gar nichts, um aus dem undurchsichtigen Fahrwasser ihrer Vorgänger-Awards herauszukommen. Ganz im Gegenteil. Unklare Regularien und Abstimmungsmethoden, fehlende Kontinuität sowie eine mehr als zweifelhafte Jurybesetzung werfen ein sehr schummriges Licht auf diesen Event. Die fromme Musikszene hierzulande, bzw. deren Vertreter, wollen immer so gerne ganz oben mitspielen in der ‚Kultur‘, und immer mit aller Kraft „relevant“ sein. Ein schönes Ziel, doch leider kommen die „David Awards 2009“ nicht über Kreisliga-Niveau hinaus. Von Relevanz keine, aber überhaupt keine Spur. Schon jetzt ist sicher, dass es sich um weitere Staubfänger-Awards handeln wird, die ein paar Pressemitteilungen/ -meldungen, Forendiskussionen sowie Werbeblatt-Einträge erzeugen, mehr jedoch nicht.

 

Hinweise in eigener Sache: Um eventuellen Fragen vorzubeugen, ich habe persönlich nichts mit dem Namen des „David Awards“ zu tun! Und um auch dies klarzustellen: ja, ich habe abgestimmt für den Award, um damit einmal zu zeigen, dass es durchaus auch konstruktiv gehen kann. Hier meine Wahl aus den Vorschlägen:
a) Vicky Preus – aus meiner Sicht die beste Qualität
b) Echtzeit – aus meiner Sicht die beste Qualität
c) Matt Redman – als Persönlichkeit und Songschreiber mein Favorit – oben habe ich kritisiert, dass er überhaupt nominiert wurde!
d) „Jesus bewegt Festival“ – CD besitze ich selbst; ein gelungenes, originelles Projekt, qualitativ hochwertig umgesetzt
e) Jens Böttcher – wegen der Texte und weil er mir als einziger der Nominierten bekannt war – meine Kritik oben bezieht sich auf den Umstand, dass seine Seite überhaupt nominiert wurde!
[f) und g) waren für mich ohne Wahlmöglichkeit!]

Über den Autor

David Decker

Ein Erzgebirger, Jahrgang 1977. Musikliebhaber, Radfahrer, Webseiten- und Bücherleser, Kommunalpolitiker, Gemeindemitarbeiter, Gotteskind, Blogger, WordPress-Anwender... Und: Herausgeber von ekkaleo.de [weitere Infos hier...]

4 Reaktionen zu “ David Awards 2009 – irrelevant? ”

  1. [...] der anderen Seite wird dann allerdings ein „David Award“ aus dem Boden gestampft, der sich aufbläst, als wäre es der Echo – und der gerade in [...]

  2. guck dir das mal an die seite von jens böttcher ist neu gestylt. und ehrlich gesagt noch schrecklicher als vorher. da kann man nur hoffen die die seite nicht gewinnt :-)

  3. @sebastian:
    Erstmal willkommen hier!
    Danke für den Hinweis, aber ich glaub die Seite war schon so, als ich das letzte Mal drauf war, müßte auch schon beim Artikelschreiben so ausgesehen haben… Eigentlich würde ich es Jens ja gönnen von Herzen, dass er gewinnt. Aber für den Award wäre es besser diese Kategorie gleich ganz zu streichen. Denn entweder macht man es richtig, wie etwa beim EKD-Webfish (klare Regeln, transparente Jury usw.), oder man läßt es ganz bleiben. Doch so, wie jetzt, ist das unausgegoren und peinlich…

  4. [...] - nun im neuen Zweijahresmodus - die Promikon-Musikmesse sowie die damit verbundene Verleihung der “David Awards 2009″ über die Bühne. Da ich selber aus verschiedenen Gründen nicht vor Ort sein konnte, [...]

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