Entschleunigtes Weihnachten

Tempo raus, still werden, neue Inspiration.
Bei der Heiligen Weihnacht lassen wir gerne das „H“ weg. Bewußt oder unbewußt, die „eilige Weihnacht“ wird damit trotz reduzierter Festtagsspeisekarte bisweilen schwer verdaulich. Eben, weil einfach zu stressig. Entschleunigung könnte hier das rechte Stichwort lauten.
Heute war ich im Friseursalon meines Vertrauens und hatte ein aufschlussreiches Gespräch mit der netten Angestellten dort. Ich sagte, mit leicht entschuldigendem Unterton, dass ich erst am 23. Dezember hier erscheinen konnte, weil es letzte berufliche Dinge zu erledigen gab. Lächelnd winkte sie ab. In ihrer Branche sei es nicht viel anders als in meiner… Ich vermutete, dass wohl auch morgen, also am Heiligen Abend, noch letzte Verzweifelte hereinströmen würden. Sie bejahte – doch nicht für dieses Jahr. Zum ersten Mal seit vielen Jahren öffnet das Lokal am 24. Dezember nicht. Ihre Antwort kam freudestrahlend und erleichternd. Endlich mal nicht arbeiten zum Heiligen Abend, zumindest nicht die gewohnte! Ich bestätigte: auch bei mir können manche Projekte gerne bis zum Januar warten. – Irgendwie kamen wir plötzlich auf das Thema Computer zu sprechen. Dabei wurde ihr Ton etwas sorgenvoller, leicht verzweifelt und frustriert. Sie erzählte von ihren leidvollen Erfahrungen, die „Kiste“ zum Laufen zu bekommen, von Versuchen mit Online-Banking und dergleichen. Ich verstand sie – etwa im Alter meiner Mutter – sofort. Solche Problemlagen von Menschen, die einfach keine „Computermenschen“ sind, kenne ich. Ich versuchte ihr Mut zu machen, erzählte von Bekannten, die viele Jahre gebraucht haben, um sich mit dieser „Kiste“ langsam anzufreunden und einen Nutzen für sich abzugewinnen. Ihr jedenfalls, hatte ein Bekannter Online-Banking aufgeschwatzt, obwohl sie bis dahin weder einen Rechner noch einen Internetanschluß besaß. Das ärgerte sie sehr. Ich sagte später, dass es auch Männer gibt, die am Computer maximal eine Textverarbeitung benutzen und wenige E-Mails im Monat absenden. Ich riet ihr, sich absolut keinen Druck zu machen oder machen zu lassen mit der „Kiste“. Sie hörte interessiert zu. Obwohl ihre nächste Kundin schon da war, bediente sie mich ruhig und zuvorkommend weiter. Mir war das peinlich, doch sie machte ganz ruhig ihre Arbeit. – Diese Frau mag vielleicht wenig Ahnung von Computertechnik haben, doch auf ihr Friseurhandwerk versteht sie sich perfekt.
Mich hatte dieses kleine unscheinbare Erlebnis weiter beschäftigt, es hat meinen Tag, der temporeich und leicht verzweifelt mit Bürokramarbeit angelaufen war, auf Normalmaß heruntergefahren. Und das ganze hat für mich auch was mit Weihnachten zu tun: ich freue mich von Herzen mit allen Menschen, die am 24. Dezember und auch die nächsten Tage einmal nicht arbeiten müssen, wie vielleicht zuvor viele Jahre! Ich möchte Menschen, von Gott mit einer einzigartigen Mischung aus Begabung und Begrenzung ausgestattet, in Würde und mutmachend begegnen. Ich will aus meinem eigenen Tempo rauskommen und zuhören können. Einfach mal entschleunigen.
Und ganz wichtig: niemand muss alles bis zum 23.12. oder 24.12. erledigen. Dieser ganze Druck und Stress macht krank. Wenn ich keinen Computer habe, muss ich auch kein Online-Banking machen. Man kann ebenso direkt zur Bank gehen. Deswegen muss man sich auch nicht „wie von gestern“ vorkommen! Solche Art von Druck, den wir uns auferlegen, oder der uns auferlegt wird, ist letztlich eine Lüge. Was wir dagegen setzen können, ist eine gesunde Gelassenheit und die Entscheidung, den Weg unserer Begabung und Berufung zu gehen. Vielleicht bedeutet das ja ganz neu, Dinge zu verlangsamen, sie zu entschleunigen; Sei es in Bezug auf Technik, Verhaltensweisen oder gar Beziehungen. Oft ist wohl der ruhig bzw. langsam erlebte Moment der Bessere, weil wir dabei vielleicht wieder unsere Sinne für das Handeln und Reden Gottes öffnen – und hoffentlich auch die Augen für seine wunderbare Schöpfung.
In diesem Sinne wünsche ich dir und mir Entschleunigung – die dieses Weihnachten neu beginnen darf.





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