Jonathan Böttcher - Hell die Nacht

Jonathan Böttcher - Hell die Nacht (2000)

Jonathan Böttcher - Hell die Nacht (2000)

Auch der fromme Folkbarde aus deutschen Landen, Jonathan Böttcher, hat nun endlich ein Weihnachtsalbum veröffentlicht. Jedoch ganz auf seine Art - wie es sich auch gehört. Auf seiner Homepage heißt es dazu: “Wer Jonathan kennt, weiß, dass er zum Thema Weihnachten ganz sicher nicht das tausendste süßlich-triefende Album beisteuern, sondern dass er die Sache ganz anders angehen wird.”

Das andere an diesem Album stellen die neuen Texte zu vielen bekannten Weihnachtsliedern dar (z.B. “Es kommt ein Schiff geladen”, “Nun danket alle Gott”, “Vom Himmel hoch”, “Ich steh an deiner Krippe hier”, “Schönster Herr Jesu”, “Herbei, o ihr Gläubigen”). Jonathan hat tatsächlich den Mut gehabt, etwas Neues in sie hineinzulegen. Mir gefällt das außerordentlich gut, denn so ist man gezwungen wieder genau hinzuhören und auch mal nachzulesen. Dadurch kommt man wieder ganz nah an die eigentlichen Inhalte von Weihnachten heran. Das Thema der ursprünglichen Texte wurde im Prinzip beibehalten, auch so manche komplette Passage, aber hier und da modernere Formulierungen eingebaut, ebenso die Perspektive der heutigen Zeit.

David Plüss hat die Arrangements produziert, und da hört man von vorn bis hinten, daß hier ein Profi am Werk war. Hauptakteure bei den Instrumenten sind akustische Gitarren sowie Keyboards bzw. Flügel. Alles sehr dezent eingesetzt, weil der Gesang immer im Vordergrund steht. Natürlich sind auch musikalische Gäste dabei, wie zum Beispiel Luca Genta (Cello) und Helmut Kandert (Percussion). Sehr schön ist der Background-Gesang bei einigen Titeln, der die Atmosphäre perfekt macht. Da es ja meist alte Kirchenchoräle sind, bleibt bei diesem Sound der Orgel-Choral irgendwie noch “greifbar” im Hintergrund, obwohl es hier mit “Liedermacher-Instrumenten” eingespielt wurde. Wo David Plüss schon mal da war, hat er auch gleich noch fünf Instrumentalstücke beigesteuert (bzw. spielt er sie). Dies gibt der Platte auch einen gewissen experimentellen Aspekt.

Ob allerdings das Cover von “Hymn” (#12) - damals von Barclay James Harvest (säkulare Rockband) - nötig war, sei dahin gestellt. Ursprünglich war der Text wohl schon ein bißchen anders gemeint, nachdem was ich da bisher so drüber gehört habe. Naja, das mal außer Acht gelassen, ist das Arrangement wirklich einsame Spitze. Die beste Version, die mir von diesem Titel bekannt ist! Ein weiteres Cover, das beschwingte “Wonderful Counsellor” (#4) von John Michael & Terry Talbot, dagegen, ist nicht “vorbelastet”. Hier zeigt Jonathan nochmal ganz deutlich, wo er musikalisch steht, denn er ist ja so etwas wie deutsche Ausgabe der Talbot-Brüder - moderne geistliche Folkmusik machen sie alle drei.

Diese CD ist quasi ein Anstoß zur Freude. Sie nimmt nicht den Jubel schon vorweg, sondern will auf vielfältige Weise Herz und Verstand anregen. Dabei bleibt es dem Hörer überlassen, was er daraus macht. In die Ruhe geführt wird man auf jeden Fall - die Arrangements sind sehr behutsam und nie aufdringlich, eben eine Wohltat für weihnachtsgestreßte Seelen.

Fazit: Mich hat die Musik auf diesem Album außerordentlich positiv überrascht. Wo hört man sonst noch so schöne Weihnachtslieder, die mit soviel Liebe eingespielt- und gesungen wurden? Danke Jonathan, für dieses herrliche Weihnachtsgeschenk!

—David Decker für CCM-Rezis, Dezember 2000

Daten: 17 Titel / 46 Min.
Musikstil: Folk-Pop - Weihnachten
Label(s): 2000 MCM Music, Würzburg / Asaph Musik, Lüdenscheid; online
Im Web: www.jonathan-boettcher.de

Über den Autor

David Decker

Ein Erzgebirger, Jahrgang 1977. Musikliebhaber, Radfahrer, Webseiten- und Bücherleser, Kommunalpolitiker, Gemeindemitarbeiter, Gotteskind, Blogger, WordPress-Anwender... Und: Herausgeber von ekkaleo.de [weitere Infos hier...]

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