Wichtig und wirksam?!

Der Stern weist den Weg (Bild: SXC.hu, bjearwicke)
Die Sterne dort …Das Wichtigste an Weihnachten
ist: Auf den Glühwein achten.
Und: Wem wir letztes Jahr wie viel,
was für Geschenke machten.
Ganz wichtig auch:
Die Niedlichkeit.
Das süße Jesusbübchen.
Es strahlt uns an aus Äuglein weit,
hat Pausbäcken und Grübchen.Vor Krippenkitsch und Tannenduft,
vor Keksen und vor Kerzen
flieh ich das nachts raus an die Luft
und sag’ aus tiefstem Herzen:Die Sterne dort, die sind von dir!
Das Leben jeder Art!
Den Geist, das Gen, die Galaxien -
du bringst sie an den Start.
Du bist die Macht! Die Macht schlechthin -
und machtest dich ohnmächtig?
Gabst dich als Kind den Menschen hin,
bedürftig und verletzlich?Das Wirksamste an Weihnachten
ist: Christus zu betrachten.
Ihn in Gestalt des Flüchtlingskindes
nicht gering zu achten.
Ganz richtig auch: Die Niedrigkeit,
arm in Marias Armen.
Wen die Erbärmlichkeit berührt,
hat mit der Welt Erbarmen.Bin zu gelähmt, bin zu gehetzt
für solche Herzensregung.
Die Macht des Kindes setzt
mich liebend in Bewegung.Du bist die Macht. Die Macht schlechthin.
Machtest dich missverständlich
durch deinen Abstieg zu mir hin.
Weil du mich liebst. Unendlich.Die Sterne dort, die sind von dir!
Das Leben jeder Art!
Den Geist, das Gen, die Galaxien -
du bringst sie an den Start.
Du bist die Macht, die Macht schlechthin -
und machtest dich ohnmächtig.
Gabst dich als Kind den Menschen hin,
bedürftig und verletzlich.Text: Andreas Malessa / Musik: Manfred Staiger
© 2006 Andreas Malessa / Manfred Staiger
(CD: Verschiedene - “Er kommt an”, 2006)
Es ist wohltuend, auch einmal ein ganz anderes, neugeschriebenes Weihnachtslied zu hören bzw. zu lesen. Andreas Malessa (ja, der von “Arno & Andreas”!) ist hier ein hervorragender Text gelungen, der manches auf den Punkt bringt. Vortrefflich wird dem Stilmittel der Ironie gearbeitet, und das in einem andächtigen Weihnachtslied. Gar nicht so einfach, das.
All das, was zur Weihnachtszeit dazugehört, was sie schön und einzigartig macht, kann auch zur Gefahr werden: Wenn es das Wichtigste und selbst zum “Inhalt” wird. Äußere Formen können hilfreich sein, Bedeutungen zu erfassen, aber eben nur hilfreich. Vom “Jesusbübchen” im Krippelein wird man keine Hilfe erwarten. Das ist ja nur das schmückende niedliche Beiwerk für die Feier der Menschen. Damit es “schöner” wird, damit das ganze einen “Aufhänger” bekommt. Wir fügen das “chen” und das “lein” gerne an, um Unbequemes passender zu machen. Um es zu uns zu holen, anstatt uns mit ihm auseinanderzusetzen. Die entsetzliche Armut des Jesuskindes finden wir abstoßend; das darf einfach nicht sein. Die Krippe ist uns zu primitiv, also verzieren wir sie und machen “unser Ding” draus. — Traurig, denn dabei bemerken wir nicht mehr, dass Gott alles mit dem Kind schenkt. Er ist der Schöpfer, der kreativ Tätige, der Weltenherrscher, der einzige wirklich Mächtige. Er ist jedoch gleichzeitig der, der sich “bedürftig und verletzlich” den Menschen schenkt, sich ihnen hin-gibt.
Deshalb ist es das Wirksamste, Jesus Christus an Weihnachten zu betrachten. Ganz ohne Verzierungen, Verniedlichungen und Zurecht-Biegungen rein menschlicher Art. Wir kommen nicht umhin, die Bibel aufzuschlagen, nachzulesen und das neu auf uns wirken zu lassen: Kälte, Dunkelheit, Armut. Aus damaliger gesellschaftlicher Schicht betrachtet, schildert uns Gottes Wort eigentlich ein Randereignis, was zuerst niemand richtig mitbekam. Es paßte eigentlich nicht ins Konzept. Nur ein paar “dumme Hirten” und ein paar “Zugereiste” machen sich eine Rübe darum. Sie haben aber den Christus als Kind in der Krippe betrachtet. Sie verstanden, was dort abging, weil sie unvoreingenommen glaubten. Sie nahmen das als Realität an und verbogen es nicht in ihre Welt hinein. Sie veränderten nicht, sie wurden verändert, weil sie zuvor berührt wurden.
Es wäre absolut toll, wenn wir Gott erlauben würden, da unser Denken zu verändern. Lassen wir ihn die Wichtigkeiten neu bestimmen. Und lassen wir die Geschichte, die Geschehnisse auf uns wirken, damit wir berührt und verändert werden.
~’s Andachts-Wichtel





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