Zwischen WordPress, Wortbruch, Wahlkampf und Weltuntergang

Freie Sicht vom Gipfel - Was hat das Jahr 2008 gebracht?

Freie Sicht vom Gipfel - Was hat das Jahr 2008 gebracht?

Mein Jahresrückblick 2008

Es war am Abend 27. Januar 2008, ich saß im ICE von Hamburg nach Leipzig, war auf der Heimfahrt vom WordCamp 2008 (WordPress Camp Hamburg). Über mein Handy erfuhr ich via Radio und Internet die ersten Hochrechnungen aus HessenRoland Koch würde es vermutlich nicht schaffen, aber es war noch alles sehr knapp… Spätestens da hatte das Jahr für mich so richtig begonnen – und dann noch so spannend! Einerseits kam ich von einer Webkonferenz über das CMS WordPress und damit im weitesten Sinne einer beruflichen Weiterbildung, andererseits hatte mich nun die Politik wieder, bzw. das Interesse daran. Was dann in Hessen und darüber hinaus in Deutschland geschah, ist schon fast historisch. Die Pleiten einer Frau Ypsilanti mit ihrem Wortbruch und weiteren Ausfällen haben nicht nur einem starken Bundesland wie Hessen enorm geschadet, sondern der Deutschen Demokratie insgesamt. (Ganz nebenbei habe ich aus meiner Sympathie für Roland Koch nie einen Hehl gemacht, auch wenn dies fast immer gegen den „Trend“ war. Würde er nun erneut gewinnen, wäre das nur recht und billig und würde unter anderem bestätigen, dass ihn nach wie vor einfach zu viele unterschätzen.)

Während das Wortbruch-Theater erst im November einen – Gott sei Dank! – glücklichen Ausgang nahm, beschäftigte mich ein anderes politisches Unterfangen nicht ganz so lange, dafür umso heftiger. Ich hatte die große Ehre im Wahlkampf für den erzgebirgischen CDU-Landratskandidaten Frank Vogel ein wenig mithelfen zu dürfen. Wir haben uns riesig über die Ergebnisse im ersten und zweiten Wahlgang gefreut und unser Mann wurde dann wie erhofft unser neuer Landrat. Diese Wahl war ja überhaupt erst notwendig geworden, weil am 1. August der neue Landkreis Erzgebirge entstanden ist – durch die Verwaltungs- und Funktionalreform im Freistaat Sachsen. Diese Fusion von vier erzgebirgischen Landkreisen zu Einem ist auch ein Projekt, welches ich indirekt rund vier Jahre lang mit begleiten durfte und was nun endlich zu einem erfolgreichen Abschluß gebracht wurde. Ich empfinde das einfach sehr bereichernd: Politik kann noch gestalten und Politik ist in der Praxis nur selten das, was uns (Medien-) Klischees weißmachen wollen. Nur, man muss halt möglichst live dabei sein. (Dieses live-dabei-sein wird sich wohl 2009 bei mir leicht dramatisch verschärfen, doch dazu zu gegebener Zeit mehr.)

Das Thema WordPress ließ das Jahr quasi beginnen und es ließ (und läßt) mich nicht mehr los! Nach mehr als 12 Monaten Planungen und Vorüberlegungen startete Anfang Juli endlich dieses, mein neues Herzens-Projekt „ekkaleo“ – natürlich basierend auf WordPress. Damit habe ich nun endlich, nach mehr als fünf Jahren gelegentlicher Bloggerei-Erfahrungen, ein Langzeit-Blogprojekt gestartet, noch dazu mehr oder weniger in Magazin-Form. (Hey, dieser Jahresrückblick kann als Teil des Projektes angesehen werden.) Bisher läßt sich ekkaleo gut angehen, entwickelt sich positiv und hat mir bereits viele wertvolle Erfahrungen in technischer, schreiberischer sowie planerischer Hinsicht gebracht, von den geistlichen Impulsen und Kontakten ganz zu schweigen.

Wer sich seit Sommer gewundert hat, warum hier auf ekkaleo an den ungewöhnlichsten Tagen und Zeiten Beiträge aufschlagen, sollte in Zukunft auch an WordPress denken. Denn das CMS meiner Wahl kennt das zeitversetzte Publizieren und ließ genau das für mich zu einer unersetzbaren Funktion werden. Denn nur so konnte ich zu allen möglichen und unmöglichen Zeitpunkten hier Beiträge raushauen lassen – natürlich alle vorgeschrieben. Na gut, manchmal mußte der Admin trotz editiertem Datum den Status von „nichtveröffentlichter Entwurf“ auf „veröffentlicht“ setzen … Perfekt ist selbst WordPress nicht :-). – Um bei der Technik zu bleiben: In der zweiten Jahreshälfte habe ich übrigens für diverse Klienten zahlreiche WordPress-Projekte aufgesetzt und damit dieses geniale Stück Software mehr als je zuvor schätzen gelernt. Es geht doch nichts über Open Source und eine große Community!

Community bzw. Gemeinschaft ist ein weiteres Stichwort für das abgelaufene Jahr, denn beim BarCamp Leipzig im Mai lernte ich René Goldschadt vom annaberger-internet kennen. Wir entdeckten schnell viele Gemeinsamkeiten und mit anderen Partnern wurde im Juli das 1. Erzgebirgische Bloggertreffen veranstaltet. Bereits im Oktober gab es eine Neuauflage. Beide Aktionen haben neben fachlicher Weiterbildung vor allem viel Austausch, neue Erfahrungen und Ideen hervorgebracht. Ohne Gemeinschaft wäre sowas nie möglich geworden! Eine Idee aus diesem Kreis internetschaffender ErzgebirgerInnen war der „Weihnachtsmarkt-Blog.de“, welcher im November tatsächlich startete. Hier wurde erstmalig im Erzgebirge live von Weihnachtsmärkten berichtet, sowie von anderen weihnachtlichen Themen. Im neuen Jahr wird es eine Neuauflage geben, dann vermutlich noch besser, weil einfach länger vorbereitet. Ein weiteres erzgebirgisches Webprojekt konnte ich im September mit starten helfen, und zwar Erzgebirge-heute.de, ein kleines Infoportal aus der Region, welches 2009 auch vorhat, langsam aber stetig weiter zu wachsen.

Und was wäre das Jahr 2008 ohne einen Hinweis auf die allgegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise? Oder sollte ich lieber gleich sagen, den Weltuntergang? Ich kann, wie die Mehrzahl der Menschen in Deutschland, dieses ganze Krisen-Gelaber einfach nicht mehr hören, da kann einem schnell die nicht vorhandene Hutschnur platzen. Ohne Humor bzw. Satire ist das Ganze kaum noch zu ertragen. So schlimm wie die realen Ursachen (bzw. ihre Verursacher!) sind, so eigentümlich ist der (mediale) Umgang damit. Was das ganze bringen wird, werden wir sehen: ob die Leute während des Jahres 2009 noch einkaufen gehen (können), ob wieder Gärten zwecks Eigenbedarf angelegt werden (müssen), ob unsere geliebte (Auto-) Industrie zusammenbricht, oder die in Amerika. Wir wissen es nicht. Sollte es soweit sein, falls überhaupt, werden wir es rechtzeitig erleben. Die Bibel meint, wir sollten uns um den heutigen Tag sorgen, denn der hat bereits Sorgen genug. Und jeder Tag würde für sich selbst sorgen. – Eine einfache, aber geniale Weisheit von Gott! Angebrachter denn je!

Eines weiß ich jedoch schon jetzt, und das sehe ich unter dem Aspekt „Verantwortung“: bei uns in Sachsen bzw. Deutschland stehen vier Wahlen (Kommunal, Europa, Landtag, Bundestag) an drei Terminen (7.6., 30.8., 27.9.) bevor. Für mich heißt das auch nochmal drei Wahlkämpfe, wo ich aktiv beteiligt sein werde, was viel Arbeit bedeutet – aber ebenso viele geniale Erlebnisse, Erfahrungen und vor allem Kontakte mit Menschen! Im Dezember wurde ich zum Ortsvorsitzenden unserer Erzgebirgs-Union in meiner Heimatstadt gewählt. Ich empfinde dies als Ehre und vor allem Verantwortung. Hier möchte ich mich zum Wohle meiner Heimatstadt gerne einbringen und „der Stadt Bestes suchen“ (vgl. Jeremia 29,7).

Dies soll als kleiner Ausblick genügen, denn es geht ja hier eher um einen Rückblick. Und da ist noch ein ganz besonderes Erlebnis, welches ich im August hatte: zum ersten Mal seit vielen Jahren konnte ich länger als ein Wochenende Urlaub machen; verweilte eine reichliche Woche mitten in Südtirol. Die wunderbare Landschaft versetzte mich in ehrfürchtiges Staunen über den Schöpfergott. Für diese Zeit und alle Erlebnisse zwischen den hohen Gipfeln und engen Tälern bin ich absolut dankbar. Zum Beispiel hat so ein zünftiges Mittagessen auf 1.800 Meter Höhe bei perfektem Kaiserwetter und Wahnsinnspanorama fast schon was „außerweltliches“ an sich. Oder als ich auf dem Pordoj-Joch stand, direkt vor dem Fausto-Coppi-Denkmal, einfach nur WOW! – Ziemlich sicher wird dies nicht meine letzte Begegnung mit der Bergwelt weiter südlich bleiben! Das Erzgebirge ist zwar wunderschön, doch leider sind die Hügel so schnell „alle“ … :-)

Deshalb ist nun auch Zeit, um Innezuhalten und festzustellen, dass auch 2008 ein gesegnetes, gutes Jahr des Herrn war. Er hat mich in seiner Gnade erhalten, mich bewahrt, beschenkt, mir vergeben, mich ermutigt und korrigiert und mich „auf weiten Raum gestellt“.

 
P.S. Sicher, es gab 2008 weit mehr Berichtenswertes. Hier habe ich lediglich Platz eingeräumt für ein paar ganz subjektive Erlebnisse und Sichten, völlig unrepräsentativ. Was das Jahr musikmäßig gebracht hat, erzählen die Playlisten, sowie das Archiv und die Suche hier – ansonsten wäre der Jahresrückblick nämlich dreimal solang geworden …

(Foto oben: © DECKERWEB)

 
Wie erging es dir in deinem Jahr 2008? Was hast du so erlebt? – Die Kommentare bieten reichlich Platz:

Über den Autor

David Decker

Ein Erzgebirger, Jahrgang 1977. Musikliebhaber, Radfahrer, Webseiten- und Bücherleser, Kommunalpolitiker, Gemeindemitarbeiter, Gotteskind, Blogger, WordPress-Anwender... Und: Herausgeber von ekkaleo.de [weitere Infos hier...]

27 Reaktionen zu “ Zwischen WordPress, Wortbruch, Wahlkampf und Weltuntergang ”

  1. Hallo David, großer Rückblick, super. Ähnlich wie Dir, ging es auch mir. Die WordPress-Geschichte lässt auch mich nicht mehr los. Der Sprung über die “Klinge” und die Fahrt zu meinem ersten BarCamp, in Leipzig 2008, werde ich nie vergessen. Fantastisch im Erleben und im Begreifen von Netzwerken und Bloggern und dem bloggen an sich.
    Unsere initiierten Projekte in der Bloggergemeinde im Erzgebirge waren ein Anfang und eine enorme Hilfe auch in der eigenen beruflichen Entwicklung.

    Bloggertreffen Erzgebirge.

    Das muss mal mal ganz alleine stehen und für sich wirken. Wir haben begonnen ein Netzwerk im Internet aufzubauen.
    Lass uns weiter zusammen daran arbeiten.

    Nette Grüße zu einem neuem Jahr wünscht Dir René

  2. Hallo René, eine etwas verspätete Antwort, aber deswegen nicht weniger herzlich: vielen Dank für deinen Gruß! Ja, wenn man mal innehält und drüber nachdenkt, ist das wirklich eine großartige Sache, was letztes Jahr lief. Da können wir nun weiter drauf aufbauen. Bin gespannt, welches Potential noch im Erzgebirge steckt :-)

    Glück auf! David.

  3. Also ich persönlich hab von der Finanz- und Wirtschaftskrise noch nicht viel mitbekommen ausser reisserische Schlagzeilen in der Zeitung.

  4. ach mensch…wenn ich das hier alles lese bekomme ich auch wieder voll lust auf reisen zu gehen. wollte mich im september auch mal mit meinem bruder auf ne reise ins erzgebirge machen.

  5. @megamaus: ich habe auch noch keine Auswirkungen feststellen können, hoffe das bleibt auch so.
    Nur leider hab ich noch ein paar Aktien die ich besser für ein paar Jahre einfach nicht ansehe…

  6. Auch wenn ich zum ersten mal hier bin und mich gerade etwas durchlese, finde ich die Zusammenfassung des Jahres toll erläutert - Auch für Erstblogger
    Der Link zur Playlist und zum Archiv ist auch gut platziert, denn wenn man deinen Artikel so liest will man gleich mehr lesen. Habe gerade die Seiten durchgestöbert und muss dir mein Lobs aussprechen! Weiter so :-)

  7. @Dominik & Teha:
    Herzlich willkommen hier!

    Ich hoffe für uns alle, dass größere Auswirkungen bzw. Einschnitte erspart bleiben mögen!

    @Teha:
    Danke für dein tolles Feedback, sowas geht natürlich immer runter wie Öl :-) Wenn ich dazu noch “Erstbloggern” weiterhelfen konnte, dann freut es mich um so mehr. Danke, ich geb mir Mühe, weiter so zu machen.

  8. Also ich habe von der weltkrise nicht viel mitbekommen. Ich denke dass es damit auch viel spekuliert wird…
    Grüße,
    Mandy

  9. Hallo,
    wir haben von der Weltkrise auch nicht viel mitbekommen. Aber danke für diesen schöne Zusammenfassung!

    Gruß
    Jonas

  10. Ich muss sagen, ich persönlich hab von der Finanz- und Wirtschaftskrise noch nicht viel mitbekommen ausser reisserische Schlagzeilen in der Zeitung. Wenn man die Zeitschriften und Zeitungen liest, kommt man gar nicht vorbei, etwas über die vermeintliche Krise lesen zu müssen.

  11. thank you.. it’s wonderfull

  12. Wir haben nichts von der Finanz- und Wirtschaftskrise abbekommen, auch privat kann ich nichts sagen.

  13. Habe jetzt gerade im Radio gehört, das die Arbeitslosigkeit bei uns um 30% gestiegen ist. Ich hoffe, es geht wieder bald bergauf!

  14. Hallo,
    von der Weltwirtschaftskrise lese ich nur viel, aber persönlich bin ich nicht betroffen. Ich bin davon überzeugt, dass dieser Abschwungsphase nächstes Jahr vorbei ist.
    Alles wird.

  15. Großartige Zusammenfassung! Mal schauen wie es weitergeht

  16. Geschäftklimaindex zeigt ja jetzt langsam nach oben, aber das wird sich wohl erst in ein paar Monaten und zunächst nur in den Betrieblichen Investionsebenen auswirken. Der Arbeitsmarkt wird wohl weiter erstmal Brigittes Radiomeldung “treu” bleiben.

  17. Sehr gute Zusammenfassung!
    Mir gefällt dein Denkansatz, wie du Sachverhalte von verschiedenen Perspektiven aus beleuchtest.
    Wie wäre es mit einem Halbjahresrückblick 2009? Auf die Idee ist bisher kaum jemand gekommen :)

  18. Ich denke, dass wir derzeit der Wirtschaftskrise noch sehr gut trotzen, das ist wohl auch der Grund, dass viele Leute sich (noch) nicht betroffen fühlen. Sollten die Arbeitslosen zahlen allredings wieder deutlich steigen, dann kann sich das ziemlich schnell ändern - hoffen wir das Beste

  19. Wirtschatfskrise? Das ist nur Kopfsache und wird die Blogger nicht beeinflussen.

  20. Echt supa zusammenfassung !!
    Also ich persönlich habe noch nicht viel von der Wirtschaftskrise mitbekommen.
    Habe aber leider einige bekannte die davon betroffen sind !! :-(
    Sie haben teilweise aktien gekauft die jetzt halt im keller sind und einer meiner bekannten arbeitete bei magna !!
    Uns allen weiterhin viel glück !!
    Wir brauchens !!

  21. Es ist kaum zum Glauben, wie man eine Krise hrbeireden kann. Alles nur Kopfsache

  22. Die Krise wird langsam überstanden denke ich. Mal gucken wann es das nächste mal wieder auftaucht.

  23. ich hoffe, sie taucht nicht mehr auf

  24. thank

    very nice

    جامعة

  25. Hi, ich glaube nicht, dass die Krise schon überstanden ist. Aber ich denke es wird nicht so schlimm werden, wie viele behaupten.
    Wer jedoch einen Job sucht und mehr Informationen will kann das unter http://www.hhjobexpress.de tun.

  26. Hallo, auch ich habe jetzt seid einiger Zeit einen eigenen Blog, auch wenn ich es nicht für einen ähnlich denokratischen Zweck nutze wie Du. Allerdings versuche auch ich für die werte Web-Gemeinde einen gewissen Mehrwert zu schaffen, indem ich mein Wissen mit anderen teile, so wie auch ich durch andere gelernt habe.

  27. ich denke, die krise ist schon vorüber. Man hört immer weniger davon.

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