Manfred Siebald - Aber sicher

Es soll Liedermacher geben

Manfred Siebald - Aber sicher (2008)

Manfred Siebald - Aber sicher (2008)

Aber sicher, mit Manfred Siebald gibt es einen Lieder-Macher mit besonderen Talenten – und das seit vielen Jahren. „Aber sicher“ ist der Nachfolger des 2006er Albums „Ich lass dich nicht fallen“ Dabei hatte er vor zwei Jahren angedeutet, dass es sein letztes Werk sein könnte. Umso überraschter war ich dann doch, diese neue Studioplatte hören zu können. Vor allem begeistert wie immer die Professionalität, angefangen vom Outfit & Layout der CD, über die Schar der Musiker, hin zu den Arrangements, und, mit am wichtigsten natürlich, den Liedtexten!

“Wir haben schon wieder mal Gott gespielt
und haben uns wieder allmächtig gefühlt.
Wir schaffen wohl nicht, uns nur daran zu freun,
als Menschen zu leben und menschlich zu sein.”

(aus “Wieder mal Gott gespielt”, #3)

Aber sicher, die siebaldsche Musik der letzten Jahre war sowas wie eine Frischzellenkur: meist ließ er sie zusammen mit Freunden in den USA aufnehmen. Das neueste Werk macht da keine Ausnahme (wenn ich die Credits im Booklet richtig interpretiere). Einmal mehr hat Manfred Staiger die dreizehn Stücke produziert und arrangiert, Joe Bellamy erneut aufgenommen und gemixt. Das Ergebnis klingt sehr „rund“, gereift und anspruchsvoll, obwohl die für Siebald typischen, eingängigen Momente nicht fehlen. Von Liedermacher-Pop bis zu zartem Folk reichen die Arrangements, dabei sind sie insgesamt etwas „flotter“ als auf dem Vorgänger. Zahlreiche Freunde in spielten an den Instrumenten, so unter anderem Justo Almario am Saxophon und Grant Geissman an den Gitarren. Die Lieder weisen schöne perkussive Strukturen auf und perlen wohlgemut vor sich hin – es sind Klänge zum aufmerksamen Genießen, doch ebenso gut zum Nebenbei hören. Diese Mischung gelingt relativ selten, bei diesem Werk jedoch ausgezeichnet.

Liedermacher Manfred Siebald (Jahrgang 1948), Mainz (Bild: siebald.org)

Liedermacher Manfred Siebald (Jahrgang 1948), Mainz
(Bild: siebald.org)

Aber sicher, Manfred Siebald reflektiert in seinen sprachlich wohltemperierten und „bebilderten“ Liedtexten meisterlich das menschlich-allzu-Menschliche; stellt fast im Vorbeigehen raffiniert geistliche Bezüge her. Er hinterfragt Charaktereigenschaften, Handlungen und vor allem Motive. Der Blick auf das große Ganze geht dabei nicht verloren, wenn sich der Amerikanistik-Professor und Literaturwissenschaftler einigen Gesellschaftsthemen nähert. Selbst für feinfühlige Beobachtungen des (deutschen) Zeitgeistes hat er eine Ader. Themen bei ihm sind (Un-) Zufriedenheit, Heuchelei, Überheblichkeit, Gottvertrauen, Wahrnehmung von Christen in der Gesellschaft, Himmelssehnsucht und viele andere mehr. Liedtexte bei Siebald lesen, heißt, auch zwischen den Zeilen hören und Stimmungen zu erfassen. Es ist schon genial, wie in „Es soll Menschen geben“ gesellschaftliche Versteckspielerei entlarvt wird! Ebenso stark finde ich seine inspirierten Songs, so unter anderem „Wieder mal Gott gespielt“ (von Horst Eberhard Richters „Gotteskomplex“), der Titelsong (von Francis A. Schaeffers „The Mark of The Christian“), „In der Wunderwelt des Körpers“ (1. Korinther 12,12-31) sowie „Mit Furcht und großer Freude“ (Matthäus 28,8). Eine Widmung ist auf dem Opus ebenso dabei, dieses Mal nicht für seine Frau, sondern für seinen verstorbenen Vater: Erstaunlich, wie die Akustikballade „Du kannst singen“ eine fröhliche Begeisterung vermittelt, von Trauer keine Spur! Für alle Lieder gilt: Seine „Gottesstrophen“ sind weder platt, noch kommen sie als frommer Dampfhammer daher. Vielmehr gelingt es, geistliche Verknüpfungen im jeweiligen Kontext zu stricken. So fühle ich mich plötzlich ertappt, wenn ich in den Spiegel seiner Lieder schaue, komme unweigerlich ins Nachdenken über eigene Versäumnisse, Motive und sicher auch vorhandene Potentiale und ebenso über Berufung im Hier und jetzt genauso wie die Ewigkeit beim himmlischen Vater …

“Dass wir auf deinem Wege sind, das mag man spüren,
wenn wir nach deinen Worten handeln Tag und Nacht,
wenn uns das Unrecht und die Not der Welt berühren
und wenn wir tun, wwas diese Welt gerechter macht.

Aber sicher, aber sicher
wird man erst erkennen, wer du für uns bist,
wenn die Liebe, wenn die Liebe,
mit der du uns liebst, auch unsre Liebe ist.”

(aus “Aber sicher”, #8)

Aber sicher fühlt man sich gut aufgehoben beim Klanghandwerker und Wortschmied Siebald: herzerwärmende handgemachte Musik mit Sinn und Verstand. Dies ist ein weiteres zeitloses Album, mit Liedern die dennoch ins aktuelle Zeitgeschehen hineinsprechen. „Aber sicher“ hat mich seit Erscheinen schon bei zahlreichen möglichen und unmöglichen Alltagssituationen begleitet, doch ich entdecke jedes Mal neue Perspektiven. Dabei funktioniert die Platte genauso gut an einem sonntäglichen Ruhetag bei einem guten Kaffee und einer „stillen Zeit“ mit heimeligen Musikträumereien … — Bei Manfred Siebald gilt der Spruch mit dem Wein nun wirklich: je gereifter, desto besser – aber sicher :-)

Daten: 13 Titel / 55 Min.
Musikstil: Liedermacher-Pop, Folk
Label(s): 2008 SCM/Hänssler, Holzgerlingen / online
Im Web: www.siebald.org

Über den Autor

David Decker

Ein Erzgebirger, Jahrgang 1977. Musikliebhaber, Radfahrer, Webseiten- und Bücherleser, Kommunalpolitiker, Gemeindemitarbeiter, Gotteskind, Blogger, WordPress-Anwender... Und: Herausgeber von ekkaleo.de [weitere Infos hier...]

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