Mentoring - sinnvolle Begleitung?

Herausforderungen gemeinsam angehen - zusammen Zeit verbringen (Bild: SXC.hu, CraigPJ)

Herausforderungen gemeinsam angehen - zusammen Zeit verbringen
(Bild: SXC.hu, CraigPJ)

Nur ein Beispiel
Der bekannte Sänger Michael W. Smith dankt in jeder seiner CDs in den Credits Don Finto. Damit ist sein Mentor gemeint, der ihn schon seit vielen Jahre begleitet. Nun fragt man sich vielleicht, wozu braucht dieser efolgreiche Musiker und smarte Ehemann einen Mentor, bzw. einen Berater und Begleiter? Ganz einfach, weil er einen Freund braucht. Jeder braucht einen guten Freund. Michael W. Smith wertet dies nicht als Schwäche, ganz im Gegenteil, er spricht mit Begeisterung von dieser Beziehung, die sein Leben bereichert hat und ihm, nicht nur in schwierigen Situationen, geholfen hat. Sein Freund Don Finto würde das umgekehrt wahrscheinlich genauso sagen, vermute ich.

Nun heißt das nicht, nur weil frommer Sänger einen Mentor hat, braucht jeder andere, z.B. seine Fans, ebenso einen. Das wäre ja Quatsch; nein, vielmehr zeigt es, dass Smitty auch nur ein ganz normaler Mensch ist, mit Schwächen, Fehlern, Begrenzungen, Zweifeln, Versagen … Und er hat offenbar erkannt, wie wichtig Persönlichkeitsentwicklung ist, wie bedeutsam Begleitung über einen längeren Zeitraum ist. Jemand, zu dem man gehen kann, um sich Rat zu holen oder einfach eine Wegstrecke im Leben gemeinsam zu gehen. — Michael W. Smith jedenfalls ist es wichtig, auf dieses persönlichkeitsbildende Element hinzuweisen, denn Mentoring ist oftmals der Beginn guter Freundschaften. Unter anderem stößt man bei MWS in seinen Büchern “I Will Be Your Friend” (2001) und “This Is Your Time” (2000) auf das Thema.

 
Es könnte was fehlen
Ich komme aus einer (Orts-) Gemeindetradition, wo so eine Art von Mentoring bisher nur sehr schwach ausgeprägt ist. Das heißt nicht, dass es das nicht gab oder gibt, aber es gehört eher nicht zur “normalen” Mentalität der Gemeinschaft. 2006 ist mir das durch verschiedene Ereignisse, Gespräche, Kontakte bewußt geworden - seitdem immer mehr. Bewußt wurde mir, welcher Verlust das eigentlich ist und welches Potential wir in unserer Persönlichkeitsentwicklung vergeben. Chancen für Ermutigung, Beistand, Vergebung und Wachstum könnten verpaßt werden …

Wie es dazu kommen konnte, dass über lange Zeit kein oder nur ganz wenig Mentoring stattfindet, hat sicher viele verschiedene Ursachen. Eine davon dürfte sein, dass die Grundkonzeption der Gemeinde, sozusagen ihre “DNA” (also Gene, die sie bestimmen), noch nicht radikal auf Beziehungen ausgelegt ist. In einer Gemeinde, die geistliche Aufbrüche erlebt, ist sowas immer ein Prozeß und wir befinden uns vermutlich gerade erst am Anfang. Eine weitere wichtige Ursache ist wahrscheinlich fehlende Offenheit im Umgang miteinander, d.h. wir müssen es einüben, hinter unsere Fassaden schauen zu lassen, ehrlich und authentisch zu werden. Dazu gehört auch Einfühlungsvermögen (Empathie) und Wertschätzung für den Anderen. Doch eigentlich beginnt es im Herzen und im Denken, glaube ich. Von wem oder was lasse ich mich bestimmen und welchen Wert haben dabei Geschwister in der eigenen Gemeinde bzw. der weltweiten Gemeinde Jesu?

 
Potentiale von Mentoring
Mentoring ist kein besonderes Alleinstellungsmerkmal von irgendeinem christlichen bzw. religiösen Bereich. Auf direktem oder indirektem Wege begegnet es uns an vielen Stellen im Leben, besonders zum Beispiel in der Wirtschaft, ferner der Politik. Dabei geht zumeist um konkrete Förderung von Menschen, Lernprozesse und Vernetzung. Die Förderung wird dabei als eine Befähigung für bestimmte Aufgaben verstanden. Zuerst einmal, und so ist es ja auch gedacht, profitiert die begleitete Person, also der Mentee. Es geht darum, eigene Fähigkeiten besser kennen und einschätzen zu lernen. Natürlich geht es gleichfalls um Ermutigung und Respekt, Einblicke in Erfahrungen und Strukturen und Vermittlung neuer Ideen. In der anderen Richtung kann gleichzeitig der Mentor (also Förderer) von der Begleitung profitieren: auch sein Denken bleibt durch den Austausch frisch und es kann der eigene Dienst reflektiert werden.

Ich bin inzwischen überzeugt, dass wir in unserer Gemeinde Mentoring stärken sowie die gesamte Arbeit beziehungsorientiert(er) nach innen und außen vernetzen müssen. Mentoring erfüllt dabei in der Befähigung der Mitarbeiter für den Dienst (u.a. eine Aufgabe von Gemeindeleitung!) eine unersetzliche Funktion. — Wie sich das bei uns weiter entwickelt und was ich dabei erlebe, versuche ich hier hin und wieder ein wenig zu reflektieren. Vielleicht findet sich der ein oder andere ja sogar darin wieder - oder hat Anregungen in den Kommentaren …?

Über den Autor

David Decker

Ein Erzgebirger, Jahrgang 1977. Musikliebhaber, Radfahrer, Webseiten- und Bücherleser, Kommunalpolitiker, Gemeindemitarbeiter, Gotteskind, Blogger, WordPress-Anwender... Und: Herausgeber von ekkaleo.de [weitere Infos hier...]

Kommentar hinterlassen

Du kannst folgende XHTML Befehle einsetzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <blockquote cite=""> <code> <em> <strong>