Obama: Mit Hoffnung statt Furcht

44. US-Präsident: Barack Obama (Bild: Weißes Haus, public domain)

44. US-Präsident: Barack Obama (Bild: Weißes Haus, public domain)

Die Antrittsrede von Barack Obama, dem 44. US-Präsidenten, finde ich bemerkenswert. Er ruft seine Nation auf, endlich aufzuwachen, aufzustehen und die Probleme gemeinsam anzupacken. Insofern vielleicht noch nicht einmal ein neuer Akzent. Jedoch, wie er das rüberbringt, ist schon eine Klasse für sich!

»Unsere Herausforderungen mögen neue sein. Und auch die Instrumente, mit denen wir ihnen begegnen, mögen neu sein. Aber die Werte, von denen unser Erfolg abhängt - harte Arbeit und Ehrlichkeit, Mut und Fairplay, Toleranz und Neugier, Loyalität und Patriotismus -, diese Werte sind alt. Diese Dinge sind wahrhaftig. Sie waren durch unsere ganze Geschichte hindurch die stillschweigende Kraft des Fortschritts. Was wir nun brauchen, ist eine Rückkehr zu dieser Wahrhaftigkeit. Was nun von uns verlangt wird, ist eine neue Ära der Verantwortung - jeder Amerikaner muss einsehen, dass wir Pflichten uns selbst gegenüber, gegenüber unserer Nation und der Welt haben. Pflichten, die wir nicht zähneknirschend hinnehmen, sondern frohen Mutes annehmen in dem festen Wissen, dass es nichts Befriedigenderes für den Geist gibt, nichts, was so sehr unserem Charakter entspricht, als alles zu geben im Angesicht einer schwierigen Herausforderung.«
(Deutsche Übersetzung: Olaf Kanter / Quelle: spiegel.de)

Er appelliert an die Amerikaner, ihre wirtschaftlichen, sozialen und sicherheitspolitischen Probleme verantwortungsvoll, und gestützt auf die “alten” Werte der Nation, zu lösen. Dabei vermittelt Obama vor allem eines: Hoffnung! Man nimmt es ihm ab, so wie er es sagt. Er verurteilt niemand, erteilt keine klugen Ratschläge, sondern erinnert an das gemeinsame Vermächtnis. Dabei ist zugleich erstaunlich, welch hohes Maß an Kontinuität aus der Rede und damit den Absichten des neuen Präsidenten spricht: nicht nur beim Thema Sicherheit hätte das auch ein Clinton oder Bush so sagen können. Bei Obama ist vielleicht der Unterschied, dass eine größere Schar das ernst nimmt und sich dahinter stellt. Politische Techtelmechtel der Vergangenheit sähe er lieber vergessen. Wie bei seinen Vorgängern, ist ebenso bei Obama ein starker Zug von Pragmatismus zu spüren, allerdings auf eine neue, unkonventionellere Art. Er will eine Art dritten Weg gehen, sich nicht von politischen Traditionen vereinnahmen lassen. Er will sich mit seinen Mitbürgern die Freiheit dazu nehmen. Überhaupt ist das Thema Freiheit eine weitere wichtige Säule der Ansprache. Er will die äußere Freiheit bewahren, genauso wie die Innere Freiheit der starken Überzeugungen.

Unser Motto hier bei ekkaleo lautet “Herausgerufen zur Verantwortung”. Wenn ich mir Obamas Worte an das Land - und weltweite Fernsehpublikum - zu Gemüte führe, dann erkenne ich daraus eben jenes Motto. Es blitzt zwischen den Zeilen hindurch und es “zieht”. Gerade mit der Erwähnung einiger Beispiele, auch aus der alltäglichen Lebenswelt ganz normaler Bürger, also der “kleinen Leute”, scheint er den Nerv seiner Zuhörerschaft getroffen zu haben.

Obama geht es darum, nicht wie Angsthasen wegzulaufen, sondern mit Mut und Hoffnung voranzugehen. Ganz egal, ob die Sorgen und Nöte mit einer Finanz- und Wirtschaftskrise, Terroranschlägen, einem Energieproblem oder einem nicht funktionierenden Gesundheitssystem zu tun haben; für ihn wäre es unverzeihlich, sich diesen Herausforderungen nicht stellen zu wollen. Interessant finde ich dabei, dass er am Ende auch die Gnade Gottes erwähnt und sich darauf beruft. Erst dadurch wird sein Hoffnungs-Programm zu echter Freiheit führen.

 
Obamas Antrittsrede im Wortlaut:

 
Video von der Rede:
Teil 1:

(Videolink)

Teil 2:

(Videolink)

Über den Autor

David Decker

Ein Erzgebirger, Jahrgang 1977. Musikliebhaber, Radfahrer, Webseiten- und Bücherleser, Kommunalpolitiker, Gemeindemitarbeiter, Gotteskind, Blogger, WordPress-Anwender... Und: Herausgeber von ekkaleo.de [weitere Infos hier...]

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