Wenn ich stehe …
Oder: Ein Lied über das Leben und Gott

Mehr als ein Sonnenaufgang am Morgen (Bild: SXC.hu, ane)
Rich Mullins: If I Stand – Wenn ich steheEs gibt mehr, was am Morgen aufgeht,
als die Sonne,
und mehr, was in der Nacht leuchtet,
als nur der Mond.
Es gibt mehr als nur dieses Feuer hier,
das mich warm hält,
in einem Unterstand, der größer ist
als dieses Zimmer.Und es gibt eine Treue, die tiefer ist,
als bloßes Gefühl,
und eine Musik, die höher ist als die Lieder,
die ich singen kann.
Die Dinge der Erde konkurrieren
mit der Ergebenheit,
die ich nur für den Geber aller guten Dinge habe.Chorus:
Daher, wenn ich stehe, dann lass mich auf der Verheißung stehen,
dass Du mich da durchziehen wirst.
Und wenn ich es nicht kann, dann lass mich auf die Gnade fallen,
die mich zuerst zu Dir brachte.
Wenn ich singe, dann lass mich für die Freude singen,
die in mir diese Lieder geboren hat.
Doch wenn ich weine, dann lass es wie bei einem Menschen sein,
der sich nach seinem Zuhause sehnt.Es gibt mehr, was in den Prärien tanzt,
als den Wind,
mehr, was im Ozean pulsiert,
als die Welle.
Es gibt eine Liebe, die heftiger ist,
als die Liebe zwischen Freunden,
zärtlicher als die einer Mutter,
wenn sie ihr Baby auf dem Arm hat.Und es gibt eine Treue, die tiefer ist,
als bloßes Gefühl,
und eine Musik, die höher ist als die Lieder,
die ich singen kann.
Die Dinge der Erde konkurrieren
mit der Ergebenheit,
die ich nur für den Geber aller guten Dinge habe.- Chorus (2x) -
Original: Text & Musik: Rich Mullins, Steve Cudworth
© 1988 BMG Songs, Inc. (ASCAP)
Deutsche Übersetzung: David Decker, 1999-2009 / © SMT shineMusic Translation
Es gibt mehr! — Dort muss etwas dahinter stecken und hier kann das Sichtbare nicht alles sein. Die Ahnung nach “mehr” steckt im Menschen drin. Rich Mullins sang einst davon, doch nicht von der Ahnung, sondern der Tatsache. Hinter dem, was abläuft auf dieser Erde, sei es in Vorgängen der Natur, wie im Handeln der Menschen, steht auch ein höherer Zusammenhang.
“If I Stand” ist ein Lied über vieles, unter anderem Treue, Verheißungen, Gnade, Freude … und: Gott! Ja, Gott. Er wird nicht direkt benannt, sondern als das große “Du” im Song besungen. Dabei ist völlig klar, dass Rich Mullins Gott meint: Er spricht vom Geber aller Gaben, von dem, der hinter der Schöpfung steckt, alles zusammenhält. Und er singt von dem, der Ursprung für alles ist: die wärmende Sonne, den Schutz und die Geborgenheit, die Treue und die Emotionen, das Geschenk der Musik, den Wind und die Wellen, die Liebe zwischen Angehörigen. Das sind die Strophen, im Chorus bricht dann weit mehr mit ganzer Leidenschaft heraus:
Rich Mullins will sich voll und ganz auf die Verheißungen dieses Gottes stellen, der hinter all dem steht, der das eigentliche “mehr” ausmacht. Und er meint damit nicht etwa nur ein schön vor sich hin plätscherndes (Glaubens-) Leben. Er ist sich seines eigenen, menschlichen, Versagens und Fallens bewußt. Ebenso steht ihm dabei die göttliche Hand der Gnade vor Augen, in die er sich fallen lassen will und die ihn rettet. Er liebt diesen, seinen Gott, für den er singt und der in ihm diese Lieder hervorbringt. Seiner Tränen ist er sich auch nicht zu schade. Doch es sollen keine Selbstmitleidstränen sein, sondern Tränen, die ihn näher zu seinem Herrn bringen. — Der überwältigende Ausdruck, ja Kontrast, seiner Ergebenheit diesem Gott gegenüber hat schon etwas Ehrfurchtgebietendes an sich. Da stellt sich eine “Konkurrenz” zwischen irdischen Dingen dar und “anderen Dingen” - die man als “geistlich” bezeichnen könnte, oder vielleicht besser als die Dinge des Reiches Gottes, weil dies eine ganzheitlichere Sicht verkörpert.Nun, klingt das nicht alles zu schön und fromm und perfekt? Mag sein, doch ich wende dagegen ein, dass Rich Mullins während seiner Lebenszeit (1955-1997) versucht hat, das mit aller Demut auszudrücken, jedoch weit entfernt von einem Perfektionismus. In Amerika gilt “If I Stand” hinreichend als “worship song”, doch ich glaube, das wird dem Lied kaum gerecht. Diese poetischen, tiefgehenden Zeilen drücken eine Herzenshaltung aus, die vor Demut, Hingabe und Leidenschaft überquillt, dennoch mit beiden beiden Füßen fest auf Gottes wunderbarer Welt steht.
Genau das möchte ich mir zum Vorbild nehmen, darauf möchte ich stehen. Und darüber hinaus diese Punkte, die im Lied anklingen:
- Vertrauen auf Gottes Zusagen und Verheißungen - sie treffen garantiert ein. Gott ist treu.
- Unverzagt fallen lassen in Gottes Gnade. Ich sagte, f-a-l-l-e-n-l-a-s-s-e-n!
- Singen vor Freude über den Geber aller Gaben. Und sei es zur ein zaghaftes “brummen”, pfeifen oder summen …das Herz zählt!
- Weinen aus Sehnsucht nach der himmlischen Heimat. Gott kennt uns besser als wir.
Mich hat das Lied, das selbst von acht (!) Bibelstellen inspiriert ist, ferner an folgenden Vers erinnert:
“Alles hat er so eingerichtet, dass es schön ist zu seiner Zeit. Auch die Ewigkeit hat er den Menschen ins Herz gelegt. Aber begreifen kann der Mensch das Werk Gottes nicht von Anfang bis Ende.”
~Die Bibel, Buch des Predigers (Kap. 3, Vers 9 - Neue evangelistische Übersetzung)
Das “mehr” können wir vielleicht nicht bis ins Letzte ergründen und das ist wohl auch gut so. Was wir können, ist, das Leben leben und genießen und teilhaben an der Ewigkeit, die schon hier beginnt.
P.S. Übrigens gibt es von Jars Of Clay eine wunderbare Coversion von “If I Stand”, sie erschien 1998 auf dem Rich-Mullins-Tributealbum “Awesome God”:
(Videolink)






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