Als Vorbild inspirieren und prägen – Düsseldorf, Tag 3, KCF09

Kreative Aussstellung: Bring die Welt ins Gleichgewicht ... (Foto: DECKERWEB)

Kreative Aussstellung: Bring die Welt ins Gleichgewicht ... (Foto: DECKERWEB)

Zweiter Kongresstag beim Christlichen Führungskräftekongress

(Düsseldorf) Für mich begann der zweite Kongresstag mit der Podiumsdiskussion zum Thema „Vorbilder“. Das war auch gleich eine Knaller-Veranstaltung, ging es doch darum, ob es nicht gerade zuviele perfekte fromme Vorbilder gäbe? Wo sind die echten, diejenigen, die ihr Versagen auch einräumen? IT-Manager Steffen J. Ehl gab folgende, herausfordernde Aussage ab: „Ich habe versucht, den superfrommen Vorbildern nachzueifern, und bin immer wieder an meinen eigenen Schwächen gescheitert. Ich möchte einmal eine christliche Führungskraft erleben, die erklärt, sie habe früher jede Woche einen Tobsuchtsanfall gehabt und durch den Glauben jetzt nur noch einmal pro Monat.“ — Das saß! Applaus und Betroffenheit hielten sich in etwa die Waage. Aus meiner Sicht blieb eine konkrete Antwort der anderen Diskussionsteilnehmer leider aus. Dennoch, das ist genau der Punkt, wo Authentizität beginnt. Leider findet noch zu oft ein Aufhübschen der Positivberichte christlicher Persönlichkeiten statt.

Zukunftsvisionen
Fersehjournalist Markus Spieker (u.a. Tagesschau) legte die Vision von einem Christentum in Deutschland dar, dass wieder Herzklopfen auslöst. Kreatives Potential sei ohne Frage da, wichtig sei aber, dass man sich auf Christen wieder voll verlassen kann. Christliche Aussagen und das Bild, was die Leute von Christen haben, klafft meist viel zu weit auseinander. Spieker legte damit in Ansätzen schon das aus, was am Nachmittag folgen sollte: der ‚Kongress im Kongress‘, oder genannt „20x09“. Dieses spezielle Projekt für die Generation 30 brachte 9 Themen & RednerInnen à 20 Minuten. Dabei wurden konkret und visionär Themen beackert, die jetzt und in Zukunft dran sin, zum Beispiel Frieden, Medizin, Mode, Film, Liebe … Nach den Vorträgen und Interviews gab es das spezielle Networking-Programm, wo junge Leiter und Führungskräfte bzw. engagierte junge Leute zusammen kamen. Das Projekt kam sehr gut an und dürfte sicherlich noch tolle Nachwirkungen entfalten.

Diakonie des Korntaler Weges
Neben vielen langen Gesprächen habe ich statt zwei nur ein Seminar besucht. Der Zeitplan gab nicht mehr her und außerdem galt es Prioritäten zu setzen, denn Input läßt sich eben nur begrenzt aufnehmen. Ich besuchte den sogenannten „Korntaler Weg“, der „Evangelischen Brüdergemeinde Korntal“ (bei Stuttgart). Dort wurde die Geschichte und Gegenwart dieser Gemeinde in Verbindung mit ihren Diakonischen Werken dargestellt. Dieses Seminar war für mich sehr horizonterweiternd und hat auf ganz andere Weise das J.Reimer-Seminarthema vom Vortag wiederholt bzw. von anderer Perspektive beleuchtet. Diakonie sollte ein natürlicher Teil der Gemeinde und ihres Dienstes sein. Es ergeben sich ungeahnte Möglichkeiten für Kirchen und Gemeinden in der Gesellschaft zu wirken, entscheidend ist die Analyse der eigenen örtlichen Gegebenheiten. Die Korntaler Gemeinde bietet unter anderem ein Orientierungsjahr für junge Leute, wo es Weiterbildung, ehrenamtliches Engagement, Gemeindemitarbeit und viel Gemeinschaft gibt. Weiterhin gibt es eine integrierte Ausländerarbeit, ein Familienzentrum und viele Einzelinitiativen. Geplant ist in Kürze der Beginn eines Schulbauernhofes.

Gesprächstour
An diesem Freitag habe ich mir intensiv Zeit genommen, viele Stände in der Ausstellungshalle zu besuchen bzw. zu entdecken. Dort konnte ich viele (ehemalige) Sachsen kennenlernen, was natürlich ziemlich klasse war. Es gab an den Ständen hier und dort viele Themen zu besprechen: Mailing-Systeme für Unternehmen, Bibelübersetzungen und –software, Kindermusicals, Gospelkonzerte, Lebensschutz und Bundesparteipolitik. Der Mix hat es gemacht – die Stände waren gut angeordnet und hatten reichlich Fachpersonal zu bieten. Allerdings waren die ganzen „christlichen Prominenten“ gar nicht bis selten zu erhaschen. Für mich war das sowieso kein Thema, denn mich interessieren konkrete Lösungen und Inhalte, nicht unbedingt wer das rüberbringt.

Apfelgräfin Daisy von Arnim: Glaube ehrlich und kreativ leben (Foto: DECKERWEB)

Apfelgräfin Daisy von Arnim: Glaube ehrlich und kreativ leben (Foto: DECKERWEB)

Aufrüttelnde und erstaunende Inspirationen
Für den Tagesausklang war ein „Abend der Inspiration“ angesetzt, der seinem Namen alle Ehre machte! Es gab eine Art Podiumsgespräch bzw. –interview mit verschiedenen Gästen und eine tolle musikalische Begleitung. Das Moderatorenteam Hans-Hermann Pompe und Miriam Hinrichs schien teilweise etwas überfordert, zumindest machte die Mikrofonhandhabung sowie die Fragestellungen genau diesen Eindruck. Wie auch immer, die Situationskomik in Verbindung mit den Moderationsschnitzern, den eigenwilligen Antworten sowie den tiefgründigen Aussagen sorgte für Erheiterung, Ernüchterung und jede Menge Inspiration. Viele Teilnehmer schauten sich zunächst verdutzt an in ihren Reihen, um im nächsten Augenblick vor Ergriffenheit mit offenem Mund dazusitzen oder gleich lauthals loszuklatschen. Der Chemiker und Theologe Peter Busch ließ uns im Unklaren, was er eigentlich genau vorhat. Leider erzielten die schlecht gestellten Fragen wenige Erkenntnisse. „Mr. Paralympics“ (Tischtennis!) Rainer Schmidt brachte mit seiner Persönlichkeit die Defizite des Handlings ins Hintertreffen und begeisterte mit seinen frohen Erlebnissen, die man ihm von Herzen abspürte. Das live aufgezogene Tischtennisspiel war ein echtes Highlight und zeigte einmal mehr, was auf diesem Kongress alles ging! Daisy Gräfin von Arnim (Prenzlau/Uckermark) war für mich der „Hammer“ des Abends schlechthin! So ehrlich, kühn und kreativ zeigte sich sonst niemand in diesen Kongresstagen. Sie gab viel von ihrer Persönlichkeit, ihrem Glauben, ja ihrer Ehe, preis und ermutigte damit auf ganz besondere Weise die Anwesenden. Sie berichtete von ihren vielen Unternehmungen und wie sie Frauen mitten in im wunderschönen Mecklenburg ermutigt und mit dem Evangelium zusammenbringt. Die „Apfelgräfin“ stellt originelle einheimische Apfelprodukte her und verbindet damit Tradition mit modernen Konzepten. Unter anderem bietet sie äußerst leckere Apfel-Zimt-Chips sowie die „Arnim-Taler“ an. Die Gräfin rettete aus meiner Sicht den Abend inhaltlich. Obwohl, Krisenberater Hans-Jürgen Massong hatte auch viel zu sagen, und tat das obendrein mit nur wenigen Worten. Er war sozusagen „Wende-Gewinnler“, hat unter anderem mit Spekulationen beim Abzug der russischen Streitkräfte aus der ehemaligen DDR sowie anderen Betrügereien viel Geld verdient. Er wurde Christ und später für seine Taten verurteilt. Heute ist er ein begeisterter Jesus-Anhänger und spricht ganz offenen von seiner Sünde, aber auch der unendlichen Gnade Gottes.

Lothar Kosse & Band - “We Wait On You”:

(VideolinkNoch ein Video von Kosse …)

Akustische Höhepunkte: Lothar Kosse & Judy Bailey
Während des Abendpodiums gab es einige Songs von Lothar Kosse und seiner Band zu hören: So konnte ich endlich einmal Ausnahmepianist Michael Schlierf live erleben; zwar hier „nur“ an einem Keyboard, doch immerhin. Der Bandsound war absolut famous, Lothar Kosse an der Gitarre ist ohnehin Spitzenklasse! Mich begeistert an Kosse, dass er sich vom mehr oder weniger klassischen Lobpreisleiter zum Rockmusiker, eigentlich „Singer/Songwriter“ entwickelt hat. Seine Lieder sind weit mehr als „Lobpreis“, sie atmen vor allem Tiefe und handwerkliches Geschick. Der Kölner legt seine ganze Persönlichkeit in die Lieder und seine Performance. Seine Ansage zum Gassenhauer „Mein Erlöser lebt“ bezog sich auf Hiob und war in wenigen Worten eine Abendandacht, die die Herzen noch einmal berührte. Die Hymne wurde dann zum wunderschönen Dank- und Schlußgebet im Plenum.

Judy Bailey & Band - “Don’t You Know (God Is Love)”:

(Videolinkplus 5 weitere Videos!)

Schluß war an diesem Abend jedoch noch lange nicht: im Nachtcafé auf der kleinen ERF-Bühne war Judy Bailey angesagt. Ich dachte sie würde da alleine stehen und ein paar Liedchen zur Klampfe trällern. Weit gefehlt. Sie kam mit Band und legte einen Unplugged-Auftritt vom Feinsten hin. Obwohl das singende Energiebündel gerade wieder einmal schwanger ist, begeisterte sie mit einem Drive, der seinesgleichen sucht. Einige ihrer schönsten Hits der letzten Jahre erklangen und auch ein neues Lied (neues Album im Herbst 2009!). Es war eine super Zeit und das Publikum wurde bei jedem Stück mehr und ausgelassener: die Führungskräfte hüpften und tanzten und genossen die Ungezwungenheit der Musik. So soll und darf es ja auch sein. Judy Bailey hatte natürlich ihre frommen Aussagen in den Liedern, ohne Frage, doch sie vermied es an diesem Abend da noch ein Programm abzuziehen. Sie und ihre Band spielten die Lieder als frohen Abendausklang, zum Entspannen und Genießen. Und plötzlich entfalteten die Stücke ihre Eigendynamik, besonders in der Zugabe „Don’t You Know“ wurde nochmal für den Alltag mitgegeben: an jedem Tag ist Gott die Liebe! Es gab nur flotte Lieder, und alle Reggae-infiziert, einfach Klasse! Wenn das neue Album auch so wird, dann: einfach nur wow :-)

Der zweite Tag war alles in allem inhaltlich sehr bereichernd, herausfordernd und vor allem musikalisch eine Frischzellenkur. Ich sinne insbesondere nach über Steffen J. Ehls Aussage zu Ehrlichkeit und über die Glaubenserfahrungen der Apfelgräfin!

 
Weitere Berichte:

 
Blogbeiträge:

 
Judy Bailey & Band - “Surrounded”:

(Videolinkplus 5 weitere Videos!)

Über den Autor

David Decker

Ein Erzgebirger, Jahrgang 1977. Musikliebhaber, Radfahrer, Webseiten- und Bücherleser, Kommunalpolitiker, Gemeindemitarbeiter, Gotteskind, Blogger, WordPress-Anwender... Und: Herausgeber von ekkaleo.de [weitere Infos hier...]

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