Mehr B-Seiten und Zutrauen
Stephan Jansen ist Gründer, DJ, Visionär, Grenzgänger, Ermutiger und offensichtlich eine sehr sympathische Persönlichkeit. Wenn man ihn so reden hört, käme man nicht gleich drauf, dass er auch Präsident der Friedrichshafener Zeppelin University ist und in Deutschland zu den Top “40 unter 40″ gerechnet wird (vom Manager-Magazin). Stephan Jansen hat was zu sagen - er ist ein intelligenter Wissenschaftler und “Wirtschaftler”, doch seine Botschaft lautet: in den Kontext gehen! Also den Zusammenhang sehen, die Situation, doch eben viel weiter gedacht: er spricht auffallend gelassen und positiv von Kultur - und das wohlgemerkt, als jemand, der auch aus dem Bereich von Wirtschaftswissenschaften und Management-Lehre kommt. Ziemlich beachtlich, das.
Hat selbst Unternehmen gegründet, ist hingefallen, aber wieder aufgestanden. Hat sich von Freunden ermutigen lassen, sein Studium doch weiterzumachen, genau an dem Tag, an dem er eigentlich die Uni verlassen wollte. Er hat über 100 Veröffentlichungen herausgegeben, ist auf der Welt zu Hause und redet verblüffend positiv und optimistisch von seiner Heimat Deutschland. Eben so nach vorn gerichtet, dass einem umso mehr die eigene Negativ-Sicht um die Ohren fliegt.
» Woher ich all das sagen kann? — Nachgehört im Interview des Radiosenders WDR5 (MP3, extern!), in dessen Podcast. Gut, das Teil läuft in der Tat über 47 Minuten und ist zunächst Minutenlang gar nicht so interessant, erst ab der Hälfte häufen sich die ganz interessanten Sachen. Und der Stil der Sendung macht Laune, locker, nach vorn orientiert und sinnvolle Fragen.
Stephan Jansen lässt plötzlich so Sachen ab, wie: “Wir brauchen mehr B-Seiten!” Damit meint er, dass wir zu wenig experimentieren, zu wenig ‘Versuch und Fehler’. Dabei ist das ganze Leben ja nichts anderes. In den USA bekommt ein insolventer Unternehmer bei seinem zweiten Gründungsversuch sogar mehr Geld, weil er nun weiss, wie es sich anfühlt, kein Geld zu haben. Um eine Erfahrung reicher praktisch. In Deutschland zählen insolvente Unternehmer bisweilen gleich als “Verbrecher”.
Und unser Protagonist aus dem WDR5-Interview bekennt unverhohlen: Dass er soweit vorangekommen ist in jungen Jahren, verdankt er vor allem einer Sache: Zutrauen! Menschen haben ihr Vertrauen in ihn gesetzt, Potential erkannt, Chancen gesehen, Mut gemacht. Damit konnte er vorangehen. Als Präsident der privaten Zeppelin Universität - staatlich anerkannt, aber völlig ohne Staatsgelder finanziert! - sieht er sich dafür verantwortlich in das Zutrauen “seiner” Studenten zu investieren. Sie sollen querdenken und vor allem raus in die Praxis. Das ganze Lehrbuchwissen bringt uns im deutschen Bildungssystem nicht mehr weiter. Es ist damit nicht falsch, doch bei uns kommt die Erfahrung, die Praxis, die Vernetzung bisher viel zu kurz. Oder anders gesagt: der Kontext. Wenn man Manager werden will, soll man eben gerade kein Management studieren, sondern bestenfalls etwas, was mit Kultur zu tun hat.
Wenn ich das als Christ höre, merke ich auf: so viele Gemeinsamkeiten entdecke ich da, etwa zu einer neuen Generation in christlichen Gemeinden, die ähnlich denkt wie ein Stephan Jansen. Da geht es ebenso um den Kontext und die Kultur und genauso auch um die Kultur des nach-vorne-Denkens. Ein Unterschied liegt vielleicht in erster Linie darin, dass Herr Jansen nicht mehr von einer Wahrheit ausgeht, sondern maximal von vielen nebeneinanderliegenden Wahrscheinlichkeiten. Christen haben hier eine andere Perspektive durch die Bibel, die eben gerade von Wahrheit spricht und zu ihrer Erkenntnis führt.
Dennoch, ich empfehle dieses Interview anzuhören, um sich inspirieren und anstecken zu lassen von interessanten Zusammenhängen und einer durchaus nicht gewöhnlichen deutschen Biografie!
(via Auf’n Kaffee)






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