Das Volk kommt zu seiner Bibel
Quelle: idea e.V. Evangelische Nachrichtenagentur – 09.02.2009
Auf großes Interesse ist eine Lesung des Initiators und Mitautors der Volxbibel, Martin Dreyer (Köln), im sächsischen Marienberg gestoßen.
Mehr als 80 junge Leute kamen am 7. Februar in die Kneipe Old Man, um den früheren Jesus-Freak-Leiter aus der Volxbibel lesen zu hören. Es handelt sich um eine Übertragung des Neuen Testaments in die Jugendsprache. Wie Dreyer sagte, möchte er dazu beitragen, dass junge Menschen, die sonst keinen Kontakt zur Kirche haben und den christlichen Glauben für etwas Verstaubtes halten, das Evangelium hören. So las er abwechselnd aus der Volxbibel und erzählte aus seinem Leben. Eine Religionslehrerin war mit ihrer Klasse zum „Praxisunterricht“ gekommen. Nicht nur die Jugendlichen waren begeistert, auch Wirt Holger Thieme: „So viele Menschen und so eine gute Stimmung – das gibt’s sonst nur zur Kneipennacht.“ Organisiert worden war die Lesung von der Marienberger Buchhandlung „my bookstore“.
(Hervorhebungen und Links durch ekkaleo.de)
Ich gehörte auch mal zu den erbarmungslosen Volxbibel-Kritikern: fokussiert auf die Sprachver(w)irrung, das Anliegen dahinter nur halbherzig sehend und wegwischend. Und ganz ehrlich: ich würde mir bis jetzt auch keine kaufen wollen, weil ich sie nicht brauche. Der Text ist im Web nachlesbar und die verschiedenen Covergrafiken gefallen mir noch immer nicht. Und bei alledem gehöre ich ja gar nicht zur Zielgruppe des Projektes. Kein Grund zur Aufregung mehr, alles im grünen Bereich. Warum auch nicht?
Eines jedoch scheine ich immer mehr zu verstehen: Martin Dreyer und sein Team wollten mit der “Volxbibel” keine Grundfesten des Christentums in Deutschland einreißen, schon gar nicht die Festung der urtextnahen Übersetzungen. Darum ging und geht es nicht. Worum aber dann? - Es geht darum, dem Volk seine Bibel zurückzugeben. Man muss das Gesamtbild sehen, nicht allein Komma oder Formulierung. Und was kann es Besseres geben, als wenn das Volk selber dahin kommt? Nicht nur Religionslehrer mit ihren Klassen rennen dem Volxbibelautor die Bude ein. Auch Kneipenwirte sind begeistert, weil das Haus mal rammelvoll ist. Dass es da um knackfromme Inhalte geht, ist kein Diskussionspunkt - ganz im Gegenteil!

Legt sich die Aufregung langsam aber sicher? - Volxbibel in der Version 3.0 (Grafik: Volxbibel-Verlag / Effekt: ekkaleo.de)
Heiligt der Zweck deshalb jedes Mittel? Gewiß nicht. Doch die “Volxbibel” ist nicht “jedes Mittel”, sie ist eines unter vielen. Sie ist meines Erachtens maximal ein Vehikel, um einen ersten Zugang zu finden zu Gottes Wort. Die vielen Versionen und Updates zeigen bereits das grundsätzliche Problem, dass eben (Jugend-) Sprache im Fluß ist und der Trend sich ständig dreht. Damit mögen sich Kritiker bestätigt fühlen - oder auch nicht. Denn ich sehe das durchaus etwas anders. Durch das Volxbibel-Wiki wurde inzwischen ein annehmbarer Textstand erzielt, wo die gröbsten Schnitzer der ersten “Skandal-Version” entschärft sind, d.h. der Unterschied zu anderen “modernen” Übersetzungen wird geringer. Dennoch funktioniert das Projekt auch so: Es kommt an. Und das war und ist das Wichtigste.
Das Licht muss in die Finsternis und das Bibelwort zu den Menschen. Gott will das so. Schon der Luther Martin hat deshalb dem Volk auf dessen Maul geschaut. Und es kam dem Volk letztlich zu Gute: erstmals konnten sie das Bibelwort der sonntäglichen Messe verstehen. Irgendwann war das Volk soweit emanzipiert, dass sie nicht unbedingt einen “Bibelmittler” in Form eines Priesters brauchten: Selbst liest der Mann und die Frau. Eine Sache zwischen Mensch und Gott durch die Heilige Schrift.
So in etwa stelle ich mir inzwischen - wenn auch ziemlich verrückt - die Sache mit Volxbibel vor. Den kritischen Scharen wollte niemand etwas wegnehmen, im Gegenteil. Wenn das Volk wieder Bibel liest und versteht, können alle nur gesegnet werden. Diejenigen, die mit ihrem urtextnahen Verständnis und gehobenem Sprachgefühl so erbarmungslos auf Sprache (Dialekt, Slang, …?) eingedroschen haben, die sie nicht verstanden, sollten jetzt ganz viel Erbarmen ansparen: nämlich dafür, wenn Leute plötzlich tiefere Fragen stellen, Antworten brauchen von in der Tat bibelkundlichen Leuten. Der Evangelist Philippus stieg auf den Wagen des äthiopischen Kämmerers und wurde zur Verständnishilfe, zum Horizontöffner, zum “Heilandvermittler” (vgl. Apostelgeschichte Kap. 8). Die Volxbibler versuchen es - schön wäre eine Staffelstabaufnahme durch andere Bibelleute - in in ihren jeweiligen Bereichen.
Kurzum: Was wir brauchen, sind Leidenschaft für Menschen, Überzeugungen in Gottes Wort, Barmherzigkeit und eine Verantwortung, die hingeht, statt kommen läßt. Martin Dreyer und sein Volxbibel-Projekt zeigen uns, trotz aller Unfertigkeit, wie es gehen kann. Wir sollten uns gemeinsam über das bisher Erreichte freuen und weiterhin danach streben, dass das Volk seine Bibel (zurück)bekommt!
Weitere Informationen:
- Bericht von Martin Dreyer zu seiner “Sachsentour”
- Bilder von der Tour
- Volxbibel (Projektseite)
- Volxbibel-Wiki (aktueller Textstand NT) / AT-Wiki
- Volxschule (Lesungen/ Veranstaltungen)
- Volxbibel-Verlag (innerhalb R.Brockhaus & SCM)
(via: idea.de)






Lieber David,
schöner Beitrag. Könnte eine Wiedergabe meiner eigenen Gefühle und Gedanken zu dem Projekt sein!
Grüßle
Rainer
hallo, ich hab eine volxbibel.. nein ich hatte, ich habe sie einem freund geschenkt dem ich keine luther hätte andrehen können. er liegt mir sehr am herzen und möglicherweise trägt die volxbibel dazu bei dass der junge christus erkennt und umkehrt… das sollte doch das ziel sein. (wie du das auch gut zusammengefasst hast david)
markus