Was gut tut, muss geübt und gelebt werden - Düsseldorf, Tag 2, KCF09

Die Ausstellungshalle vor der Kongress-Eröffnung (Foto: DECKERWEB)

Die Ausstellungshalle vor der Kongress-Eröffnung (Foto: DECKERWEB)

Erster Kongresstag beim Christlichen Führungskräftekongress

(Düsseldorf) Pünktlich neun Uhr eröffnete die Ausstellungshalle – gefüllt mit allerlei Ständen, Angeboten und Infos – und nun hereinströmenden Kongressteilnehmern. Wer zum Plenum wollte, musste hier durch und hatte so schnell einen Überblick, was es vielleicht noch zu entdecken geben könnte. Der offiziellen Eröffnung folgte die ansprechende Andachtszeit mit Präses Schneider zum Losungswort des Tages:

„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist, und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“
~Prophet Micha 6,8 (Lutherübersetzung)

Ihm war dabei unter anderem wichtig, dass wir untereinander Liebe üben – auch als Christen in Wirtschaft und Gesellschaft (nicht nur unteinander). Was gut tut muss gelebt, d.h. konkret und praktisch werden. Auf dieser Linie lag auch ein Lied des „Kongress Orchestra“ (O-Ton Johannes Warth): „Gib der Hoffnung ein Gesicht, allein Worte reichen nicht“. Man könnte beides nachträglich als Mottos des ersten Tages bezeichnen. Es zog sich wie ein roter Faden durch die verschiedenen Events: persönliche Glaubwürdigkeit der Christen, insbesondere frommer Führungskräfte, ist mehr denn je gefragt. Gerade angesichts der wirtschaftlichen Krisenzeiten wollen die Leute um uns her einfach wissen, wie wir persönlich mit unseren Problemen fertig werden. Und das zu Recht. Wenn wir als Christen schon davon reden, muss es die Tat beweisen.

Leider blieben einige Grußworten bzw. Reden im Plenum bei Allgemeinplätzen stecken. Richtige Aussagen, doch schon viel zu oft serviert in den letzten Wochen und Monaten. Wie das Feedback zahlreicher Teilnehmer offenbarte, wurden eigentlich sinnhafte Antworten erwartet. Doch vielleicht war dieser erste Tag noch nicht der rechte Zeitpunkt. Unterneher Friedhelm Loh gestand im Interview ein, mit seinen Unternehmen stark von der Krise getroffen zu sein. Den Rest musste man sich denken. NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers mahnte vor dem Ausstellungsrundgang und langer Interview-Session in seinem Grußwort an, die soziale Frage dringend zu berücksichtigen. Denn auch die soziale Marktwirtschaft lebt, wie die Demokratie, von Voraussetzungen, die sie nicht selbst schaffen kann. Letztlich geht es um den Einzelnen, der gefordert ist, im Vorbild-Sein.

Das Plenum am ersten Kongresstag: 3.600 Dauerteilnehmer (Foto: DECKERWEB)

Das Plenum am ersten Kongresstag: 3.600 Dauerteilnehmer (Foto: DECKERWEB)

Auszeichnung für Vorbilder
Am Abend stand die Verleihung des „Preises für christliche Führungskräfte im Mittelpunkt“. Hotelier Jürg Opprecht aus Bern wurde ausgezeichnet für seine Unternehmungsgründungen, Beratungen und Kredite, die er in und für Kirgisien leitet(e). Dies ist wohl die optimalste Form der Hilfe zur Selbsthilfe, denn so entstehen vor Ort weitestgehend unabhängige Unternehmen bzw. Arbeitsplätze (seit 1997 5.000!). Bemerkenswert: das Engagement entstand erst nach einer Lebenskrise, inkl. Burn-Out; so wurde deutlich, dass sein Dienst nur auf dem Glauben und der Kraft Gottes fußt, aber erst deshalb praktisch und nachhaltig wirkt. Unternehmer Hermann Butting (Knesebeck bei Wolfsburg) war der zweite Preisträger und bei ihm fallen die zielgerichtet umgesetzten christlichen Werte im Unternehmensalltag auf. Er kümmert sich als „Chef“ nicht nur um die Firma, sondern auch um Berufsorientierung, Bewerbertraining, Ideenschmiede und Stressbewältigung. Sein Antrieb: „Damit wollen wir Sinn und Wohlstand in der Region stiften.“ Dritte im Bunde war Manuela Strohofer (Geiselwind bei Nürnberg), die zusammen mit ihrer Großfamilie einen riesigen Autohof betreibt und eine Autobahnkirche gründete. Das originelle Projekt bekam den erstmals ausgelobten Sonderpreis. Wer die Unternehmerin live erlebt hat, weiß warum: Ausstrahlung, Demut, Begeisterung für den Glauben – dies wirkt ansteckend und interessiert gottferne Menschen wieder neu für Gott.

Living Gospel Schalksmühle feat. Anja Lehmann - “Thank You, Lord”:

(Videolink)

Musik ohne Ende
Vorbildlich fand ich an diesem ersten Tag die musikalischen Beiträge: der fromme Schlagerpop am Morgen war zweifelsohne auf hohem Niveau. Die Combo unter Hans-Werner Scharnowskis Leitung fand spontan für den Kongress zusammen, legte aber ordentlich vor. Besonders der Saxofonist hatte es mir angetan. Die Solis von Beate Ling und Anja Lehmann waren ebensowenig zu verachten. Zur Abendveranstaltung trat H.W.S. und DIE deutsche Soulstimme, Anja Lehmann, erneut an, ebenso die Band. Das Gospelchor-Projekt Living Gospel Schalksmühle rockte die Halle, weckte Emotionen mit leidenschaftlichem Gospel, Soul und besonderen Fusion-Stücken. Beim Nachtcafé gaben Helmut Jost, Klaus-André Eickhoff und Benjamin Seipel soulische und liedermacherische Impulse am Flügel zum Besten. Leider ging das etwas unter, da in diesem freien Bereich zu viel anderes los war und die Mini-Bühne des ERF ungünstig platziert war (kaum Publikum vor der Bühne möglich).

Nicht vergessen sollte man beim Thema Musik den Abt-Primas Notker Wolf, der nach seinem geistlichen Abendwort seine Querflöte auspackte (hat er auf allen seinen Reisen immer im Handgepäck dabei) und einige Stücke zum Besten gab. Das verblüffte Publikum war aus dem Häuschen. Doch bereits sein Vortrag war erstklassig, verstand er es doch, Hintergründe der Krise ungeschminkt zu erläutern und wunde Punkte anzusprechen: das Schuldabschieben ist sinnlos, denn wir handeln auch nicht viel besser. Jeder Mensch muss einmal vor Gott Rechenschaft ablegen über sein Handeln. Zudem wies er auf systemische Gründe und die weltweiten Auswirkungen der aktuellen Krise hin. Als sozusagen „Welt-Vorsitzender“ der Benediktiner bringt er unschätzbare Praxiserfahrungen ein. So machte er Mut, junge Leute konsequent einzubinden, deren Ideen unbedingt gebraucht werden, und oft gerade die Lösung für die angestrebte Zukunftsfähigkeit sei.

Die Welt umarmen
Ein besonderes Highlight war für mich das Seminar mit Prof. Dr. Johannes Reimer, Missionswissenschaftler, Gemeindegründer und Evangelist. Er referierte zum Thema „Die Welt umarmen“ – und stellte gleich sein gleichnamiges (und druckfrisches) Buch dazu vor. Im Kern geht es darum, wie Christen und Gemeinden ihren Auftrag umarmen und in der Welt das vertreten, was Jesus tat. Der Dienst steht dabei im Mittelpunkt: am Menschen, mitten in der Gesellschaft, direkt vor Ort aktiv in und für die Gesellschaft. Auch in Deutschland ist Gemeindegründungsarbeit möglich – erfolgreich! Wir würden es ja schon längst richtig machen, aber eben bisher nur in der Außenmission, warum machen wir es nicht endlich in Deutschland? Der Praxiszyklus der Mission müsse neu belebt werden, es braucht einen völlig neuen Typus von Kirche bzw. Gemeinde. Sein lebendiger Vortrag forderte die Teilnehmer heraus. Auch in Bezug auf Musik hatte Reimer etwas zu sagen: warum nicht etwa lokalen Nachwuchsbands die Gemeinde als Proberaum anbieten? Reimer und sein Team haben es gemacht: einst Punker von der Straße, spielen sie nun den Lobpreis in der Gemeinde – weil sie es gepackt hat. Frommes “Missionsgehabe”? Völlig fehl am Platze, da bei diesem extern fokussierten Konzept von Kirche und Gemeinde das Evangelium im Kontext steht.

(Twitter-) Kontakte und Tagesfazit
Dasselbe ließe sich auch sagen für ein spontanes Treffen einiger Kongress-Twitterer am Stand vom pro-Magazin: es ist schön, wenn moderne Kommunikationsmittel wie Blogs und Twitter Menschen, die sich vorher noch nie gesehen hatten, in wahnsinnig kurzer Zeit zusammenbringt. Solcher Erfahrungsaustausch ist auf dem Kongress Gang und Gäbe und gehört ebenso zu den Hoffnungszeichen, denn die fromme Medienwelt ist durchaus sehr gut aufgestellt und hat die Zeichen der Zeit erkannt, so mein Eindruck nach einem Gespräch mit dem Redaktionsleiter von „pro“.

Alles in allem war der erste Kongresstag informativ, inspirierend und ansteckend. Zahlreiche Gedanken wollen erwogen und Anregungen umgesetzt werden. Besonders schön war, neue Leute kennenzulernen, wie Michael, Matthias und Andreas – Herzliche Grüße!

 
Weitere Berichte:

 
Blogbeiträge:

 
Living Gospel Schalksmühle feat. Anja Lehmann - “Sing ‘Til The Power Of The Lord Comes Down”:

(Videolink)

Über den Autor

David Decker

Ein Erzgebirger, Jahrgang 1977. Musikliebhaber, Radfahrer, Webseiten- und Bücherleser, Kommunalpolitiker, Gemeindemitarbeiter, Gotteskind, Blogger, WordPress-Anwender... Und: Herausgeber von ekkaleo.de [weitere Infos hier...]

3 Reaktionen zu “ Was gut tut, muss geübt und gelebt werden - Düsseldorf, Tag 2, KCF09 ”

  1. Servus David,

    ja, schön war es. Ein schöner Bericht. Ich bin immer noch nicht fertig, alles aufgearbeitet zu haben.

    Grüße

  2. Wirklich schade, dass ich in Düsseldorf nicht dabei sein kann. Ich bin zwar noch weit von dem Status einer Führungskraft entfernt, allerdings finde ich, dass Bildung nie schaden kann. Ich freue mich sehr, dass es doch ein so großes Interesse gibt und so viele Personen gekommen sind-das ist ein gutes Zeichen.

  3. Hört sich nicht schlecht an muss ich wirklich sagen. Ich glaube sogar, dass mir das auch gefallen würde, aber ich war ehrlich gesagt noch nie auf so einer Veranstaltung und bis heute habe ich auch nicht gewusst, dass es sogar in diesem Bereich so eine Veranstaltung gibt. Aber die Idee an sich ist super und ich glaube, dass man dort einiges an Erfahrung sehen und auch hören kann. War bestimmt sehr interessant. Die Musik ist super muss ich wirklich sagen. Einfach nur noch super.

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