Macht’s gut, Newsboys - Michael Tait neuer Frontmann

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Die Newsboys mit Michael Tait (2.v.l.), 2009 (Foto: newsboys.com, bei flickr)

Seit dem 7. März 2009 feuerten die Twitter-, facebook-, Blog und sonstigen Webkanäle der christlichen Musikszene aus allen Rohren. diese Schlacht konnte kein Interpret, geschweige denn Label, gewinnen: — “We bid our brother, ‘Cheerio!’”, so heißt in dem Über-Hit “Breakfast” von den Newsboys. Was dort in ganz anderem Zusammenhang besungen wird, erhält nun einen eigenartigen Selbstbezug: Newsboys-Gründer, Sänger, Songschreiber und Produzent Peter Furler tritt als Leadsänger zurück und Michael Tait (ex-dc Talk) wird sein Nachfolger. — Neuigkeiten zum Luft anhalten. Nun aber erstmal wieder setzen und ein paar Einzelheiten dazu.

Ja, es stimmt und es ist offiziell! Nachdem sich die Gerüchte nicht mehr kontrollieren ließen, wurde die tatsächliche Neuigkeit vom 7. und 8. März 2009 dann am 9. März endlich auch hochoffiziell bestätigt. Peter Furler bleibt weiterhin Bandmitglied, wird aber ab sofort nicht mehr mit der Band auf Tournee gehen, sondern Lieder schreiben und die Alben produzieren. Es wird maximal einige Extra-Auftritte übers Jahr verteilt geben. Peter Furler hat nach 24 Jahren in der Band, über 2.000 Auftritten und 12 Jahren als Frontsänger vorerst genug. Er will oder kann nicht mehr touren. Ein offizielles Statement von ihm ist zusätzlich zur inzwischen vorliegenden Pressemitteilung angekündigt, bleibt abzuwarten, ob es dabei konkretere Gründe auf den Tisch gibt. — Eher war eine Auflösung der Band erwartet worden als diese Entwicklung. Niemand sah es so kommen. Fans und Szenebeobachter, genauso wie Journalisten machten und machen ein Wechselbad der Gefühle durch. Der Schock und das Unverständnis überwiegen. Obwohl für sich genommen, der alte und neue Leadsänger in höchsten Tönen gelobt werden!?!

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Peter Furler, live 2008 (Foto: newsboys.com, bei flickr)

Genau das ist es: keiner kann sich vorstellen, wie die Newsboys ohne ihren Gründer und Sänger weiterbestehen wollen als das, was sie sind. Es gab Sängerwechsel in der frommen Musikszene, zum Beispiel bei Petra und Audio Adrenaline, ja selbst bei den Newsboys schon (von John James zu Peter Furler 1997, beide waren Freunde, ihre Stimmen klingen paradoxerweise sehr ähnlich!). Doch alles war nicht so fundamental, fand sich irgendwie, und das eigentlich immer zum Besseren (außer vielleicht bei AA…). Was hier passiert(e), gleicht einer Operation am offenen Herzen. Da wird solch einer Formation quasi das Rückgrat an musikalischer Intentität und stimmlicher Orginalität sowie evangelistischer Persönlichkeit genommen. Ein Original kann man nicht ersetzen. Logo. Das wäre in etwa so, als würde Chris Martin von Coldplay der neue Sänger von U2 und Bono würde sich zurückziehen. Für sich genommen erstklassige Musiker und Bands. Doch diese Art “Tausch” würde beide Formationen zerstören und dem Image bzw. dere Reputation schaden. Von den Verletzungen der neuen Frontpersönlichkeit in vielerlei Hinsicht ganz zu schweigen.

Michael Tait (dc Talk, Tait, Solo) wird also Peter Furlers Nachfolger: eine völlig andere Persönlichkeit und eine ganz andere Stimme. Mike Tait ist seit Jahren mit den Newsboys eng befreundet, er war sogar schon einmal Gastsänger bei einigen Liedern gewesen (Tournee 2002!); die Newsboys sind Anfang der 90er Jahre mit Taits erster Band dc Talk unterwegs gewesen. Alles Bestens und gar keine Frage. Nur Michael Tait hat mit seiner rauhen, eher Blues- bzw. Soulorientierten Stimme keinen australischen Akzent und es ist unklar, wie er die glattgefeilten Popsongs der Newsboys interpretieren will. Er hat einen völlig anderen Humor und ist zudem von seiner ganzen Band- und Musikvision völlig anders verortet als Peter Furler. Sicher, er ist der Junge eines Pastors, er ist mit Leib und Seele Christ und ein Kommunikator und Performer ohnegleichen. Dennoch. Peter Furler mit seiner besonderen Biographie, als Australier von der Sunshine Coast, als Missionarskind, als Auswanderer und Beispiel für jemand mit einem echten Dickschädel, ist er kaum zu “imitieren”. Jeder Nachfolger kann da nur scheitern. Peter Furler sang SEINE eigenen Lieder, ein Nachfolger kann sich da nur ran- und reintasten, mehr ist nicht möglich.

Daher muss die Frage erlaubt sein, warum sich die Band nicht mit dem für Mai 2009 geplanten Album komplett verabschiedet hat? Die Fans hätten sie kaum ziehen lassen, dennoch war die Situation und Stimmung dafür kaum besser als 2009. Manche hatten es kommen sehen, daß die Jungs Ende 40 mit Familien auch noch andere Sachen zu tun haben als jeden Abend auf der Bühne zu stehen. Andererseits war/ ist es ihr Job, so wie andere jeden Tag im Büro sitzen. Ich bleibe trotzdem dabei, eine Bandauflösung oder eine Umbenennung (und dann richtig ein Projekt mit Michael Tait) wäre wohl ober übel besser gewesen. — Der arme Michael Tait, die ganzen Vergleiche und die bitterböse Kritik, die nun auf ihn warten. Da ist doch das nächste Opfer vorprogrammiert: weg von der Familie, zerrissen von Kritik und vielen (ehemaligen) Fans. Warum tut man sich sowas an? Ich weiß es nicht, entweder man ist total verrückt oder die ganze Story hat noch einen Haken, den wir alle nicht kennen (und dies vielleicht auch besser so ist).

 
Ein paar Sachen zeigen diese Vorgänge aus meiner Sicht sehr deutlich:

  1. Dinge wie jahrelanges “auf Tournee sein” haben irgendwann ihr unumstößliches Ende. Irgendwann kommt die Zeit, wo jeder in seinem Bett zu Hause schlafen will, nicht jede Nacht im Tourbus. Bei dem einen ist es vielleicht mit 29 so weit, beim anderen mit 42. Und Frau und Familie haben dazu den viel höheren Stellenwert! Irgendwann geht es nicht mehr (anders).
  2. Das neue Kommunikationszeitalter hat auch die fromme Musikszene mit aller Gewalt erreicht. Allerspätestens seit diesem denkwürdigen Wochenende. An dieser Graswurzelrealität kommt nun endgültig niemand mehr vorbei. Zunächst mag es nur die vermeintlich Großen betreffen (Interpreten, Labels, Agenturen), in Wirklichkeit betrifft es schon jetzt jeden und alle(s).
  3. Auch eine Truppe wie die Newsboys kann einmal einen großen Fehler machen: seit Jahren haben sie bei Kommunikation mit Fans und Öffentlichkeit, bei Imagepflege usw. quasi alles richtig gemacht, was man nur richtig machen kann, und das während all der Krisen und Veränderungen der Band. Doch ausgerechnet auf dem Höhepunkt des Erfolges (schnellste Nummer-Eins-Single der Karriere) und der tiefsten Krise (Leadsänger verläßt seine eigene Band) fand Null Kommunikation statt. Michael Tait wurde praktisch durch die Hintertür eingeführt - irgendwann mußte er ja mal übernehmen, bei diesem Vorhaben, aber warum MITTEN in einer laufenden Tournee? Das wird wohl nie jemand verstehen.

 
Bei all dem Rätselraten um das Krisen- und Gerüchtemanagement und das Lebewohlsagen an Peter Furler bleibt eine weitere offene Frage: Wie lange werden die Newsboys noch existieren? Werden sie das Jahresende noch als Band erleben oder gibt es sie noch viele Jahre mit Michael Tait? Wie auch immer, es ist nie spannender als in Zeiten wie diesen. Egal was kommt, mein Vorrat an Newsboys-Aussie-Mucke hält noch lange an! :-)

 
Peter Furler Tribute Video:

(Videolink)

Über den Autor

David Decker

Ein Erzgebirger, Jahrgang 1977. Musikliebhaber, Radfahrer, Webseiten- und Bücherleser, Kommunalpolitiker, Gemeindemitarbeiter, Gotteskind, Blogger, WordPress-Anwender... Und: Herausgeber von ekkaleo.de [weitere Infos hier...]

7 Reaktionen zu “ Macht’s gut, Newsboys - Michael Tait neuer Frontmann ”

  1. Ich mochte die Newsboys schon immer aber dc Talk noch ein bisschen mehr. Auch die Solosachen von Michael Tait finde ich genial.
    Ich finde es sehr nachvollziebar dass sich Peter Furler nach so vielen Jahren zurückzieht und freue mich auf einen neunen Sound mit Michael Tait. Ich fand es sowieso schade, dass Michael Tait in den letzten Jahren etwas in der “Versenkung” verschwunden ist.

  2. @Micha:
    Nachvollziehbar ist es, dass Peter Furler sich in den Hintergrund stellt. Allerdings ist der Vorgang jetzt wie Motor wechselm bei laufendem Betrieb - die Identität der Band ist nachhaltig “gestört”. Mit Michael Tait gibt es “nur” eine neue Stimme, Sound usw. bleibt ja, denn Peter bleibt Produzent und Songwriter. Die ersten Performances von Michael sind leider gar nicht überzeugend - was nur verständlich ist …

  3. Würde dir Recht geben, es wäre wohl besser für die Newsboys, wenn sie die Band aufgelöst hätten, und die Band unter einem neuen Namen zusammen mit Tait neu starten würden. Bands wie delirous oder auch Audio Adrenaline, Supertones, etc. zeigen einfach: Irgendwann kommen auch die Musiker in eine neue Lebensphase und dann muss man Dinge auch einfach mal abschließen.

    Wollte nur den Vergleich zwischen AudioA und den Newsboys so nicht stehen lassen. AudioA hat in dem Sinne keinen Leadsänger - Wechsel gehabt. Der Sänger hat aus Gesundheitlichen Gründen (Stimmbänder) den Gitarristen (der ein oder zweimal gewechselt hat) häufiger singen lassen. Die Stimmprobleme kann man auf dem “Farewell - Album” ziemlich gut hören…

  4. Mag schon sein, dass die Newsboys ohne Peter Furler und mit Tait die schlechtere Lösung gegenüber einer Bandauflösung und -neugründung sind. Aber deswegen die “neuen” Newsboys hier schon einmal in Grund und Boden reden ?!

  5. Alex & Derek: Herzlich willkommen hier!

    @Alex:
    Es geht ja nicht unbedingt um Recht haben: ist ja nur eine rein subjektive Reaktion von mir, aus der Distanz heraus. Ich bzw. wir kennen nicht 100%ig alle Fakten. Dennoch, es geht ja sozusagen um “öffentliche Personen”. Mit AudioA hast du natürlich recht, ich habe hier nur Beispiele gelistet, wo es prominente und besondere Personalwechsel gab.

    @Derek:
    Die Newsboys sind seit 16 Jahren meine Lieblingsband, ich verfolge ihr Schaffen mit besonderem Interesse und Engagement. Ich habe nicht vor, sie in Grund und Boden zu reden, mir geht es jedoch um Realitätsnähe und Ehrlichkeit. Die Ambivalenz der Vorgänge bewegt mich schon sehr. Niemand will es: doch die Möglichkeit eines Scheiterns besteht sehr wohl, leider! Am Sonntag gab es laut Angaben von Besuchern ein Abwandern von Fans, sodass am Ende wohl nur noch die Hälfte der ursprünglichen Zuschauer vor der Bühne stand. Das sind sicherlich spontane, subjektive emotionale Reaktionen, dennoch zeigt es gleich von Beginn an die Schwierigkeit. Die ist der Band und ihrem Management & Label ja voll bewußt, deshalb haben sie die Pressemitteilung “unfallartig” vorgezogen. — Peter Furler ist gesund und munter und wird auch alle Leadvocals auf dem neuen Album singen (sind ja schon alle eingespielt). Insofern eine traurige und freudige Sache für alte und neue Fans sowie “Begleiter” dieser Truppe… :-)

  6. Hey David,

    ging mir auch nichts ums “Recht” haben. Wollte deine Meinung stützen und durch meine ergänzen: Manchmal ist ein Schlussstrich sinnvoller als Lebenserhaltende Maßnahmen. (Könnte jetzt auch eine Ethikdiskussion sein, oder um Gemeinden gehen…;-))

  7. Danke, Alex! Wir liegen voll auf einer Wellenlänge! Herzliche Grüße :-)

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